Sonderinfobrief – 05. Februar 2013 / Desaster für amerikanische Ratingagenturen?

Desaster für amerikanische Ratingagenturen?

 

Objektivität: Fehlanzeige? Viele wussten es. Viele spürten es. Viele verdrängten es. Mit den amerikanischen Ratingagenturen war wahrscheinlich etwas Oberfaul. Ein australisches Gericht verurteilte S&P bereits zur Zahlung einer millionenschweren Entschädigung. Standard & Poor’s soll angeblich Anleger in die Irre geführt habe. Nun hat auch in New York ein Gericht eine vergleichbare Klage von Investoren zugelassen.

 

Damit eröffnet das Gericht ein neues Kapitel in der Aufarbeitung der US – Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Kläger von der größten Ratingagentur S&P Schadenersatz. Die ALLESWISSER sollen gemäß der Klage Tausenden US – Hypothekenpapieren absolute Top – Bewertungen bescheinigt haben. Heute kennen die Investoren die grausame Wahrheit: Alles Schrott. Vermutlich hat aus S&P wieder einmal aus reiner Profitgier gehandelt. Das jedenfalls glaubt die US – Regierung auch und hat deshalb an einem kalifornischen Bezirksgericht eine Klage gegen die Ratingagentur Standard & Poor’s sowie gegen deren Muttergesellschaft McGraw – Hill eingereicht. Bemängelt werden Bonitätsnoten für mit Hypotheken abgesicherte Anleihen aus dem Jahr 2006 / 2007. Da war die US – Finanz- und Wirtschaftskrise kurz vor ihrem Ausbruch

 

Das US – Finanzministerium strebt deshalb zivilrechtliche Strafzahlungen von S&P an. Dieses Vorgehen ist erstaunlich, denn die US – Regierung stellte sich bisher stets auf die Seite der einflussreichen Rating – Agenturen. Die Klage könnte für S&P weitreichende finanzielle Folgen haben, denn nach einer Verurteilung könnten auch deutsche Banken oder Versicherungskonzerne erlittene Verluste einklagen.  

 

Das Wall Street Journal sowie die New York Times berichteten sogar über das Scheitern von Vergleichsgesprächen. Nach Berichten der New York Times wollte das US – Justizministerium eine Zahlung von mindestens 1 Milliarde US – Dollar. Das Wall Street Journal erwartet, dass sich zahlreiche Bundesstaaten und private Anleger sowie geschädigte Unternehmen der Klage anschließen.

 

Gestern verloren an der Börse zeigten die McGraw – Aktien schon rund 14% ein. Und selbst die Aktien von Moody’s gingen um 11% in den Keller. Der Vorwurf der US – Regierung

Profitgier statt ehrlicher Risikobewertung

zeigt Wirkung. Möglicherweise könnte bereits die Klage das Ende der Ratingagenturen einläuten, denn sie zeigt wie dünnhäutig man in der amerikanischen Finanzwelt geworden ist. Der Bundesgerichtshof hatte bereits Mitte Januar entschieden, dass Ratingagenturen in Deutschland grundsätzlich wegen [ Fehl- ] Einschätzungen verklagt werden können.

 

Wer jetzt noch den Aussagen von Ratingagenturen Glauben schenkt – „DEM“ ist nicht mehr zu helfen. Auf jeden Fall: Sofort Klagemöglichkeiten in Deutschland und in den USA überprüfen.

Das sollte die Botschaft an deutsche Investoren sein.

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