Das große amerikanische Experiment
Als vermeintlich bürgerlich – liberale Republik ohne obsolete feudale – aristokratische Tradition europäischer Ausprägung zeichnen sich die USA am deutlichsten durch den Versuch aus, das politische und das wirtschaftliche System zu trennen wollen. Zu Recht wurde deshalb die Abkoppelung des wirtschaftlichen Systems vom politischen als
„das große amerikanische Experiment“
bezeichnet. Experimente haben aber oftmals die unangenehme Eigenschaft zu scheitern. Das US – Wirtschaftssystem entwickelte systembedingt unabhängig von politischen Eingriffen ein sehr starkes Eigenleben und wirkt dadurch immer dominanter auf die politischen Protagonisten ein. Quasi so stark, dass man sich im Farmer – Stil willfährige „young leaders“ heranzieht. Ein noch zu hinterfragendes Modell, welches über die verschiedenen Atlantik – Netzwerke auch in unserer Heimat immer mehr Zuspruch erfährt. Trotz dieser Grundtendenz lassen sich jedoch für das Beziehungsgefüge Wirtschaft und Politik unterschiedliche Phasen in der amerikanischen Geschichte ausmachen.
Sie kennt man als die merkantilistische Versuche wie die Staatsbetriebe unter der Präsidentschaft Jacksons. Die rasante industrielle Entwicklung in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ging dann freilich mit einem weitgehenden Rückzug des politischen Systems einher. Die US – Wirtschaft organisierte Industrialisierung und wackelige Versorgungseinrichtungen ohne politische Eingriffe quasi völlig alleine in eigener Regie. In der Periode des Republikanismus nach der Jahrhundertwende blieb die Vorrangstellung der US – Wirtschaft unangefochten. Erst die Weltwirtschaftskrise bewirkte mit dem so genannten „New Deal“ von Präsident Roosevelt leichte Eingriffe der Politik. Die Vorherrschaft der Banken, Börsen, Konzerne und Großwirtschaft wurde mit staatlicher Hilfe zugunsten der kleinen Farmer und mittelständischen Geschäftsleute „behutsam“ abgeschwächt.
Doch schon während des Zweiten Weltkriegs schlug der Pseudo – Trend wieder um. In den siebziger Jahren gab es eine Phase wachsender Vorbehalte gegenüber den
transnationalen Multikonzernen, ohne dass das allgemeine Vertrauen auf die Marktkräfte erschüttert worden wäre. Mit der Präsidentschaft Ronald Reagans [ 20. Januar 1981 bis 20. Januar 1989 ] erreichte die Idee von „wirtschaftlicher Handlungsfreiheit“ wieder besonders hohe Kurswerte. Reagan war zwar ein mittelmäßiger Schauspieler, aber in der „Rolle“ des US – Präsidenten hätte er mehrfach den „Oskar“ verdient. Von Finanz- oder gar Wirtschaftspolitik verstand Reagan ungefähr soviel wie eine Kuh vom Whisky geben. Deshalb hörte er vermutlich fasziniert den Einflüsterungen von Professor Milton Friedman [ Chicagoer Schule ] zu, der für seine fundamentale Arbeiten auf den Gebieten der Makro- und Mikroökonomie 1976 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt. Friedman stieg durch die Protektion von Reagan neben John Maynard Keynes zum einflussreichsten Ökonom der USA auf.
Milton Friedman kann man als den gefährlichsten Guru für den freien und ungezügelten Markt betrachten. Seine geistige Grundhaltung kann jeder in seinem Buch
„Kapitalismus und Freiheit“
[ 1962 ]
bequem nachlesen. Friedman überhöht darin die Minimierung der Rolle des Staates, um wirtschaftspolitische Freiheit zu fördern, die zeitverzögert zu Lasten kollektiver Sozialsysteme gehen. Nach der Wende zeichnen sich solche erkennbaren Entwicklungen auch in unserer Heimat immer deutlicher ab. Das englische Königreich leidet schon heute unter den Auswirkungen und wird höchstwahrscheinlich bereits in zehn Jahren vor dem völligen Zusammenbruch stehen. Amerikanische „Mega – Finanz – Blutsauger“ aus den USA sind schön länger eine reale Bedrohung für die Demokratie. Die Wetten gegen das britische Pfund und den Euro werden voraussichtlich wieder massiv zunehmen und den so dargestellten Investmentbereich befeuern.
Ein solches Szenario schädigt andere wirtschaftliche Systeme und wird vor allem die sozialen und politischen Probleme einer Gesellschaft exponentiell ansteigen lassen. Noch sind wir in Europa von diesen gefährlichen Entwicklungen tangiert, denn auch in der Ära von US – Präsident Obama schwächte sich der Friedman – Trend in den USA kaum ab. Zurzeit ist das traditionelle Wirtschaftssystem in den USA weniger durch politische Regulierungsabsichten gefährdet als durch die wachsende Sicherheitslastigkeit der amerikanischen Politik im Gefolge der Weltmachtrolle nach 1945. Die Weltbilder der USA sollen weiterhin – nahezu Unangefochten – überall ihre Verbreitung finden. Für die Innenregulierung lässt sich nach wie vor sagen, dass wirtschaftliche Entscheidungen in den USA im wesentlichen Entscheidungen der US – Wirtschaft selbst sind.
Hier gilt es zukünftig darauf zu achten, dass die deutschen Friedman – Schüler unsere soziale Marktwirtschaft nicht völlig zerstören können. Dafür spricht sehr deutlich, dass das politische US – System keine effektiven wirtschaftspolitischen Steuerungs- und Entscheidungsinstrumente aufgebaut hat. Der so genannte Council of Economic Advisors ist kein vergleichbares wirtschaftliches Gegenstück zum National Security Council. Es ist also schon heute absehbar, wann eine vollständige Selbstregulierung der US – Wirtschaft in den Vereinigten Staaten nicht stattfinden wird. Die symbiotischen Beziehungen und Kreise, wie sie etwa für das Verhältnis zwischen der Ölindustrie und der amerikanischen Regierung verringern zunehmend die Macht des politischen Systems indem die hohe Autonomie des Wirtschaftssystems das politische Modell aushöhlt.
Denn besonders die staatliche Auftragsvergabe im Rüstungssektor brachte nicht unwesentliche Teile der amerikanischen Industrie in Abhängigkeit zum Pentagon. Da möchte man auf den Topetagen der Multikonzerne schon genau wissen wer in Washington das Sagen hat. Eine dubiose Entwicklung, denn starke Steigerungen der Rüstungsausgaben und die zunehmende Staatsverschuldung zum Budgetausgleich führten nicht nur zu öffentlicher und privater Konkurrenz bei der Kreditaufnahme, sondern schufen durch stetige Zinsauftriebe wachsende Hindernisse für alle wirtschaftliche Entfaltungsmöglichkeiten. In den kommenden Jahren wird es deshalb die auflaufende Systemkonkurrenz der Weltordnungspolitik sein, die den Kostendruck auf die USA erzeugt und erhöhen wird.
Das Wirtschaftssystem in den USA verliert bereits heute jedes Maß an Unabhängigkeit und wird von Jahr zu Jahr an wirtschaftlichen Einfluss verlieren und in der Währungs- und Handelspolitik möglicherweise in 3 bis 5 Jahren völlig kollabieren. Im Konkurrenzverhältnis mit Japan und Westeuropa ist auch in den USA eine Diskussion über den Sinn ziviler Industriepolitik entstanden. Besonders die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen wie Schulbildung und Ausbildung möchte die Administration verbessern. Die Dispute um den Schutz traditioneller Industriezweige vor der Flut billiger Importe und sogar um Schutz für Teile des Technologiesektors haben den vermeintlichen Liberalismus der USA unter Anpassungsdruck geraten lassen, der kontinuierlich ansteigen wird.
Der wirtschaftliche Niedergang der Industriezentren im Nordosten wird sich aber noch verstärkten, wenn es den US – Banken nicht gelingen sollte „frisches Geld“ aus Europa heran zu schaffen. Ansonsten wird der Niedergang der alten Industrien [ Automobil, Stahl und Computertechnik ] und der Aufstieg von neuen Wachstumsindustrien nicht zu finanzieren sein. Aus eigener wirtschaftlicher Kraft kann die USA dieses anstehende Szenario nicht mehr bewältigen.
Der Dienstleistungsbereich und die zunehmende Bedeutung der Bereiche Kommunikation und Information können diesen Trend lediglich partiell ausgleichen. Sie werden in den kommenden 10 Jahren den Strukturwandel und die regionale Wanderung der amerikanischen Bevölkerung wesentlich beeinflussen.
Die absinkende Erwerbsstruktur und die einseitige Einkommensverteilung wird im erheblichem Ausmaß dominieren und weiter in die Richtung von prekären unsicheren Arbeitsverhältnissen abgleiten. Davor müssen wir in unserer Heimat die abhängig Beschäftigten sowie aktuelle und zukünftige Rentenbezieher schützen. Denn das weiter praktizierte Chicagoer – Modell belastet überwiegend die abhängig Beschäftigten durch Steuern und Abgaben und bevorzugt den so genannten Geldadel.
Die Folgen sind absehbar, denn die anwachsenden sozialen Ausgrenzungen in vielen Teilen der USA, können schon heute nicht mehr übertüncht werden durch ständige hedonistisch geprägte Wachstumsmeldungen. Die Wall Street – Junkies befeuern deshalb die Legenden von Fremdinvestoren und Private – Equity – Verbindungen, die zukünftig über diverse Fondsmodelle und sonstige fragwürdigen Finanzmodelle das Geld in Europa absaugen sollen. Hierzu plant man fleißig hinter verschlossenen Türen die Kreationen neuer „börsentauglicher Handelswaren“, denn über den reinen Aktienhandel kann das benötigte Kapital nicht mehr eingepflegt werden. Auch die Zahlungsströme müssen aus der Sicht der Wall Street – Junkies vollkommen verschleiert werden, so dass man im wahrscheinlichen Schadensfall das Versagen immer auf das System schieben kann. Das teuflische Gebräu aus OFF – SHORE – Papierfirmen und vermutlich wertlosen festverzinslichen Wertpapieren muss dann lediglich durch amerikanische Wirtschaftsprüfer, Unternehmensberater und Bewertungsagenturen hochgejubelt und ins Feld getrieben werden.
In unserer Heimat wird der Vertrieb dieser in Kern wertlosen Finanzprodukte über die Multiplikatoren der diversen Vertriebsformen sichergestellt. Mit der Hilfe der Medien werden die Protagonisten, Rahmen von Wahrnehmungsverschiebungen, als neue Lichtfiguren dargestellt, denen es sich lohnt nach besten Kräften nach zu eifern. Vermutlich rund 40% der US – Ramschware werden über die Ladentheke der deutschen Banken gehen. Das alles klingt sehr kompliziert – ist aber nicht, denn die Idee ist immer dieselbe. Man kauft beliebig entweder Kredite oder sonstige Wertpapiere auf und wandelt sie in kaum wiedererkennbare andere Wertpapiere um. EINFACH, teuflisch GENIAL und BRANGGEFÄHRLICH. Denn die Ausdehnung mikroökonomischer Analysen auf einen weiten Bereich menschlichen Verhaltens und Interaktionen, darunter auch nicht marktbasierte Verhaltensweisen, verdeutlicht die grenzenlosen Chancen dieses hemmungslosen zu erwartenden neuen CASH – BURNING.
Alle zukünftigen Geld – Absaugmodelle sind von so genannten Rationalen Entscheidungen völlig ausgeschlossen. Diese besagen eindeutig, dass Individuen vernünftige Entscheidungen weder treffen noch Rational abwägen können. In der Kombination mit Milton Friedmans Schock – Strategie werden diese sich abzeichnenden Szenarien innerhalb der nächsten 5 Jahren zum absoluten Katastrohen – Kapitalismus mutieren.
Spätestens in 5 Jahren werden etwa Fragen zum Zusammenhalt von Familien, zur Kriminalität, zu Bestrafungen oder Humankapital, menschliche Kompetenzen und die wirtschaftliche Investition, zu Kernthemen unser Gesellschaft werden, denn in Krisenzeiten werden Volkswirtschaften oft mit Krankheiten verglichen. Eine zunächst undefinierbare Krankheit greift von einem Organ zum nächsten über und urplötzlich zeigen sich überall Zeichen des Verfalls oder latente Ansteckungsgefahr. Das Wachstum wird zusammen brechen, die Produktivität leidet und dem Bildungs- und Ausbildungswesen droht ein blamables „mangelhaft“ bis „ungenügend“.
Ich bin bestimmt kein Hellseher – aber schon heute sage ich voraus, dass die meisten Politiker durch wortreiche Hilflosigkeit und gegenseitiges Blockieren den amerikanischen Interessengruppen Vorschub leisten werden. Man wird vermutlich den untauglichen Versuch starten den deutschen Wirtschaftsakteuren die Schuld in die Schuhe zu schieben, denn diese angeblichen Fortschritts – Verweigerer sollen den technologischen Fortschritt völlig verschlafen haben, so dass kaum jemand unsere einheimischen Firmen mehr zum Vorbild nehmen kann.
Dadurch wird die Legende erzeugt und genährt, warum neue Investitionen und Arbeitsplätze vorzugsweise in den USA stattzufinden haben. Das klingt zwar wie eine futuristische Beschreibung Europas an der Schwelle zum nächsten Kollaps – aber genauso werden sich die Szenarien abspielen. Die Krankheitssymptome sind bereits heute vorhanden und werden durch das kollektive CASH – BURNING zur Verfestigung der Arbeitslosigkeit, zum Verfall der Ausbildungssysteme und zur wachsenden sozialen Ausgrenzung führen.
Einmal ganz abgesehen von der Destabilisierung unserer Demokratie. Misstrauen und Enttäuschung über das Versagen der politischen Eliten könnte wahrscheinlich für einen Aufstand der DEUTSCHEN sorgen. Die USA sind seit Jahren als Supermacht total überfordert, was vor allem den Weg zur völligen wirtschaftlicher Erschöpfung beschleunigen und zum Abstieg auf Raten führen wird. Eigentlich könnten wir in unserer Heimat mit Selbstvertrauen, Gelassenheit und Optimismus den Entwicklungen entgegen schauen, wäre da nicht der schlechte Einfluss der USA auf Deutschland, die uns quasi als 51. Bundestaat betrachten.
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