Infobrief – 16. Juli 2015 / Schäuble: Der Weitsichtige?

Schäuble: Der Weitsichtige?

 

Die Koalition von Ministerpräsident Alexis Tsipras verlor bei der gestrigen Abstimmung die Regierungsmehrheit. Tsipras und seine Minister sind nur noch als Minderheitsregierung im Amt. Vermutlich auch deshalb drohte Tsipras mit seinem Rücktritt – > sollte er die Regierungsmehrheit verlieren. Das gesamte Procedere in Griechenland legt an Dramatik zu. Bei Eskalationen auf dem Syntagma-Platz in Athen bewarfen GESTERN ABEND aufgebrachte Hellenen die Polizeikräfte mit Molotow-Cocktails. Vor dem griechischen Parlament loderten zum ersten Mal echte Flammen. Die Protesten gegen die Spar- und Reformpläne – > die der griechischen Regierung von IWF, EZB und EU diktiert wurden könnten das Land sogar in einen Bürgerkrieg führen. Gestern sollen auf dem Syntagma-Platz bis zu 25.000 Menschen protestiert haben.

Ist es der Anfang von weiteren Ausschreitungen?

Die gewalttätige Ablehnung der Erpressungen von IWF, EZB und EU zeigt sich nun in Form von Steinen und Brandbomben. Vielerorts wurde auch skandiert – > dass Ministerpräsident Alexis Tsipras sein Land verrät.

Die Situation gerät aus dem Gleichgewicht!

In Deutschland hat derweil Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erneut ein Ausscheiden auf Zeit von Griechenland aus dem Euro ins Gespräch gebracht. Nach der Ansicht von einigen Ökonomen muss man daran zweifeln – > dass die Griechen ihre Probleme ohne einen echten Schuldenschnitt lösen können. Und hier kommt das dahinsiechende Kunstgebilde der EU an einem Punkt – > wo sich die Schlange in den Schwanz beißt. Denn ein Schuldenschnitt – > ergo ein großzügiger Erlass von Schulden – > ist mit einer Mitgliedschaft in der maroden Gemeinschaftswährung unvereinbar!

So sieht es nicht nur der CDUler Schäuble.

Ministerpräsident Alexis Tsipras versprach dagegen dem griechischen Volk einen Verbleib im Euro. Die Griechen stimmten in einem Referendum genau für das Gegenteil – > was man gestern im Parlament beschloss. Hat Schäuble also Recht – > wenn er von einem völlig unübersichtlichen steigenden Finanzbedarf der Hellenen spricht?

Klare Antwort: JA!

Innerhalb von nur wenigen Tagen schnellte der angenommene Finanzbedarf in Athen von 10 Milliarden Euro auf aktuell auf bis zu 100 Milliarden Euro.

EINE VERZEHNFACHUNG!

Bei solchen Dimensionen hilft auch ein – > vom IWF geforderter Schuldenschnitt nicht weiter. Man verlängert damit lediglich die Leidenszeit für alle Beteiligten. Auch ein befristeter Ausstieg – > 3 bis 5 Jahre – > Griechenlands aus dem Euro ist keine sinnvolle Lösung. Denn Griechenland hat keinerlei Chancen danach in den Euro zurückzukehren. Solche Vorschläge sind eine gefährliche Augenwischerei und verschleiern die Tatsache – > dass schon bald auch andere Euroländer vor vergleichbaren Problemen stehen werden. Die meisten Euroländer werden sich ohnehin nie aus eigener Kraft den Lebensstandard leisten können – > der ihnen beim Eintritt in den Euro und in das Kunstgebilde der EU versprochen wurde. Eine funktionierende Wirtschaftsunion gibt es in der EU sowieso nicht. Das Gerede davon sind Traumgebilde ohne jeden Realitätsbezug. Und mit der unsinnigen Forderung – > mehr Kompetenzen auf Europa zu übertragen – > möchte man nach dem letzten Strohhalm greifen – > für das in Wahrheit angestrebte Gebilde der VEREINIGTEN STAATEN VON EUROPA. Bei den Geldern – > die nach Griechenland fließen – > und schon geflossen sind – > handelt es sich um Schutz- und Transferzahlungen zum Erhalt der Gemeinschaftswährung sowie zur Weiterführung des Kunstgebildes der EU. Sie machen die EU und den Euro nur schwächer und werden zu immer kürzeren Krisen-Intervallen führen. Das sind Schutz- und Transferzahlungen und keine Kredite. Die Gelder werden höchstwahrscheinlich niemals zurückgeführt.

Realisten und klar Denkende

wissen es schon sehr lange Zeit!

Das Dilemma war absehbar – > denn alle sogenannten Hilfs- oder Rettungspakete sowie das fragile Konstrukt des ESM sind Finanzmechanismen zur Verschleierung eines Länderfinanzausgleichs.

Die EU ist zu einer

untauglichen, unbeweglichen Transferunion verkommen!

Mehr ist nicht mehr geblieben von den hochtrabenden Zielen in Brüssel und Straßburg. Die Schuldenlast in allen EU-Mitgliedsstaaten wächst kontinuierlich weiter an. Und die Wachstumsaussichten der Euroländer sowie der EU werden – > vermutlich vorsätzlich – > seit Jahren überschätzt. Mit kruden, irrwitzigen und hedonistischen Absichtserklärungen ist keine solide Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik zu machen. Deshalb werden auch permanent in Brüssel die Maastricht-Kriterien gebrochen.

So etwas führt uns nicht aus – >

sondern immer tiefer in die Euro- und EU-Krise.

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