Infobrief – 01. Oktober 2012

Mondial de l’ automobile

 

Keine Partystimmung in Paris. Beim Autosalon in Frankreich herrscht Krisenstimmung. Wie vor vier Jahren vom DRSB prognostiziert, befinden sich Peugeot, Citroën und Renault im Überlebenskampf. Besonders schlimm hat es den PSA – Konzern erwischt. PSA will zunächst erst einmal 8000 Arbeitsplätze in Frankreich streichen und wird vermutlich ein Werk bei Paris schließen. Der PSA – Konzern steht deshalb massiv in der öffentlichen Kritik. Vor wenigen Tagen musste man sogar den Platz im französischen Leitindex CAC 40 räumen.

Dieses Szenario ist vergleichbar, als würden Audi, BMW, Mercedes und Volkswagen kurz vor der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt aus dem Dax fliegen.

 

Was zurzeit in Frankreich „AB GEHT“, ist keine vorübergehende „KURZZEITKRISE“, sondern auch die direkte Folge von zusammenbrechenden Automobilmärkten. Im Gegensatz zum PSA – Konzern konnte Renault aufgrund der Kooperation mit Nissan sowie der Billigmarke Dacia im ersten Halbjahr 2012 noch einen bescheidenen Gewinn einfahren. Die breitere internationale Präsenz von Renault kommt hier zum Tragen. Auf solche Märkte kann der PSA – Konzern nicht zurückgreifen, denn rund 61% des Konzern – Umsatzes werden in Europa gemacht. Ein Schwerpunkt liegt dabei in den südeuropäischen Euroländern, wo die Umsätze nahezu völlig zusammenbrechen. Der PSA – Konzern musste deshalb für das ersten Halbjahr 2012 einen Nettoverlust von 819 Millionen Euro ausweisen. Und Hoffnung auf schnelle Besserung gibt es bei PSA nicht.

 

Es besteht kein Zweifel daran, dass die europäische Automobilindustrie Überkapazitäten hat und einige Hersteller zwischen 300,00 bis 700,00 Euro pro verkauftem Fahrzeug verlieren. Bei den meisten knallen die Preise in den Keller. Man kaschiert diese Entwicklung mit Tageszulassungen und einer vermehrten Zulassung von Dienstwagen, die nach kurzer Laufzeit bereits mit Preisabschlägen von bis zu 40% beim Händler stehen.

 

Es besteht auch kein Zweifel daran, dass der PSA – Konzern wichtige Entwicklungen vollkommen verschlafen hat. Asiatische Märkte sind unterbelichtet, sodass die Abhängigkeit von Europa und von der Eurokrise existenzgefährdende Ausmaße annehmen musste. Hinzu kommen weitere strategische Fehler des Managements und die Dauerbelastung durch die US – Finanz- und Wirtschaftskrise. Erwerbs- und Altersarmut sind auch in Frankreich keine Fremdworte mehr.

 

Wie schon gewohnt ertönt deshalb im PSA – Konzern der Hilferuf nach Brüssel. Nach den Vorstellungen des Managements ist angesichts der Absatzkrise auf dem europäischen Automobilmarkt Brüssel und die EU gefragt. Angeblich mangelt es in Europa an politischen Anstößen, um eine „richtige“ Industriepolitik für die Automobilbranche umzusetzen. Das ist jedenfalls die Ansicht vom PSA – Konzernchef Varin. Immer wenn Managementfehler zu Wirtschaftskrisen führen, ertönt der Ruf nach der Politik und nach reichlich Geld aus den Staatskassen. Da macht Frankreich keine Ausnahme. Man droht mit dem unumgänglichen Abbau von Arbeitsplätzen und hofft auf reichlich Subventionen und Steuerfreiheit.

 

Angesichts der düsteren Aussichten in Frankreich und aufgrund der europäischen Überkapazitäten muss damit gerechnet werden, dass andere europäische Automobilbauer ebenfalls Werke schließen müssen. Frankreich hat lediglich die Entwicklung beschleunigt. Die Ursachen für die derzeitigen Probleme sind aber auch in einer verfehlten Modellpolitik sowie im „NICHT – BEDIENEN“ von neuen Märkten zu suchen.

 

Und was passiert nun mit den deutschen Automobilherstellern? BMW, Mercedes, Opel und Ford verbauen Motoren von Peugeot und Renault. Hat Renault mit der Marke Dacia den Markt kaputt gespart? Produzieren Franzosen unbezahlbare Automobile? Weit gefehlt, die Produktionskosten in der französischen Autoindustrie liegen „satte“ 20% bis 30% unter denen in unserer Heimat. In Frankreich wurden bahnbrechende Diesel – Hybrid – Konzepte entwickelt, die aber keiner kaufen möchte oder kann. Woran liegt es also?

 

Die Eurowährung hat dazu geführt, dass der Besitz und Unterhalt eines eigenen Automobils zu teuer wurde. Steigende Anschaffungskosten und Kraftstoffpreise sowie die volksschädliche Agendapolitik, Erwerbs- und Altersarmut haben in unserer Heimat die „LUST“ am Autokauf erheblich gedämpft – Tendenz steil steigend. Wer es sich leisten kann, „DER“ verzichtet gänzlich auf ein Automobil. Immer mehr abhängig Beschäftigte und aktuelle Rentenbezieher möchten nicht mehr die automobile Steuermelkkuh der Nation sein.

Besonders viele aktuelle Rentenbezieher steigen von Ober- und Mittelklassenmodellen auf Kleinwagen um.

 

Derweil ist Präsident François Hollande dabei, den Geldtopf in Brüssel erneut anzuzapfen. Im Herbst 2012 will er Maßnahmen zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit der französischen Automobilindustrie beschließen. Diese Absicht verkündete Minister Arnaud Montebourg bereits im Juli 2012 und forderte einen Hilfsplan für die französische Automobilindustrie. Konnte man übrigens auch in deutschen Medien nachlesen. Selbst über die Wiedereinführung einer Abwrackprämie, wie sie von Renault im Sommer gefordert wurde, wird wieder heftig debattiert. Und wer soll es bezahlen? Natürlich wieder die DEUTSCHEN.

 

Selbst alle Vorurteile gegen „DIE DEUTSCHEN“ und auch neoliberalen Aspekte werden wieder aus der Mottenkiste geholt und entstaubt. Renault – Chef Ghosn sieht in der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit der französischen Standorte ein ernsthaftes Problem. Nach seinen kruden Vorstellungen sind die Arbeitskosten in Frankreich zu hoch und der Arbeitsmarkt zu unflexibel. Der Renault – Chef forderte deshalb die Regierung auf, den französischen Arbeitsmarkt noch stärker zu deregulieren. Ghosn hat nichts aus der Arbeitsplatzvernichtung der USA gelernt.

 

Ghosn sollte einmal den Regierungschef in London anrufen, denn die Briten sind gerade dabei über die Schaffung von neuen, sicheren und gut bezahlten Langzeitarbeitsplätzen in der Industrie nachzudenken.

 

Sollen etwa arbeitslose oder schlecht bezahlte Industriearbeiter im Rest von Europa Renault – Fahrzeuge kaufen.

 

Wovon?

 

Alles läuft also auf einen europäischen Rettungsschirm für die Automobilindustrie hinaus. Europa, Brüssel müsse entsprechende Vorschläge für die

RE – MODELLIERUNG

[ eine „schöne“ neue Wortschöpfung aus den Hexenküchen der THINK TANK´S ]

der Automobilbranche machen, so die Vorstellungen im PSA – Management.

 

Doch selbst wenn Frankreich effiziente Maßnahmen zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit beschließt, selbst wenn man aus Brüssel reichlich Steuergelder erhält, steht eines schon heute fest: Das Versagen der Eliten auf den Führungsetagen ist damit nicht mehr zu verschleiern. Euro und Managementfehler haben Wohlstand und sicher geglaubte Langzeitarbeitsplätze vernichtet.

 

Das ist im Kern die interessante Botschaft, die vom

Mondial de l’ automobile

an alle Europäer gesendet wird. Man muss sie nur hören wollen.

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