Infobrief – 01. Februar 2013 / Sind Krisen prognostizierbar?

Sind Krisen prognostizierbar?

 

Das Wort Krise stammt aus dem Griechischen und bezeichnet nicht anderes als eine problematische, mit einem Wendepunkt verknüpftes Szenario mit wechselnden Entscheidungssituationen. Kommen die Entwicklungen in Ägypten, Mali oder Syrien also nicht überraschend? Waren die US – Finanz- und Wirtschaftskrise sowie das Euro – Debakel vorhersehbar? Sind Alters- und Flächenarmut und das Geldvernichten durch den Riesterwahn vermeidbar gewesen?

 

Die klare Antwort vorweg: JA! – Denn Krisen sind sehr gut prognostizierbar. Wenn man alle Informationen nach Art, Umfang, Qualität und Beobachtungsdauer der Daten in den richtigen Zusammenhang bringt, dann lassen sich Ursachen- und Wirkungszusammenhänge leicht erkennen. Der Begriff der Bifurkation von Systemen findet nahezu ausschließlich in der Mathematik, der Physik, der Anatomie, der Biologie und auch in der Geographie Anwendung. In politischen, sicherheitspolitischen, sozialen, wirtschaftlichen oder militärischen Zusammenhängen taucht er so gut wie gar nicht auf.

 

Dabei handelt es sich bei Bifurkationen um Zustandsänderungen, quasi Teilungen, Gabelungen oder spontane Veränderungen von bisher stabilen oder scheinbar stabilen Zuständen oder Systemen. Vermeintlich überraschende, unerwartete politische Systemänderungen sind also auch Bifurkationen, die in den meisten Fällen extrem leicht erkennbar, absehbar und deshalb exakt zu prognostizieren sind.

 

Als in Kairo Ende Januar 2011 das Volk durch Demonstrationen nach Demokratie, nach Freiheit rief, waren die meisten Politiker im In- und Ausland überrascht. Man folgerte daraus, dass die Ägypter eine Demokratie nach westlichem Muster anstrebten. Dass die meisten Medien für gewöhnlich nicht immer unbedingt über analytischen Tiefgang verfügen und eher sehr vereinfachte Meldungen ungefiltert weiter geben, sei ihnen großzügig verziehen. Es geht um Auflagen und stabilen Umsatz sowie ums Überleben einer Branche, die den Zenit überschritten hat. Den Medien geht es nicht primär um sachlich fundierte Analysen. Diese Aufgabe können sie schon lange nicht mehr bewältigen. Die aktuellen Vorgänge in Ägypten sind der allerbeste Beweis. Denn während der Demonstrationen des Volkes hielten sich die dominanten politischen Kräfte zurück. Man blieb im Hintergrund und freute sich über die westliche Naivität. Muslimbrüder wie auch Salafisten hatten quasi alles fest im Griff. Eine Demokratie nach westlichem Vorbild war nie geplant. Man benutzte lediglich amerikanische und europäische NGO´s und die westlichen Medien zur Durchsetzung der eigenen Ziele. Mussten also die Entwicklungen in Ägypten „alle“ überraschen?

 

Die klare Antwort lautet: Nein! Seit Mitte Dezember 2010 standen für Ägypten die Warnsignale deutlich erkennbar auf rot. Warum konnten NGO´s und Medien dies nicht analysieren? Warum hat die Central Intelligence Agency [ CIA ] nicht rechtzeitig vor der tatsächlichen Entwicklung gewarnt? Die Antwort darauf ist einfach: Bedingt durch vereinfachte Studiengänge in den USA und Europa werden immer mehr Akademiker zu Spezialisten für bestimmte Ausschnittsgebiete gezüchtet. Das gleiche Problem ist in westlichen Demokratien zu beobachten, denn in den Parlamenten gibt es kaum noch ressortübergreifend agierende Politiker. Jeder beschränkt sich auf „sein“ Fachgebiet. 

Niemand konnte rechtzeitig warnen – denn keiner hat richtig hingehört.

Die Bifurkation der gesellschaftlichen Systeme in Ägypten war und kam nicht überraschend. Sie war von langer Hand vorbereitet und für Generalisten der Analyse extrem klar erkennbar. Die Demonstrationen von Kairo dienten nicht zur Installation einer nach westlichem Muster geprägten Demokratie. Der Traum von einem arabischen Frühling war eine Selbsttäuschung. Die arabischen Staaten sind im Wandel und andere Länder werden folgen. Der westliche Einfluss wird also nicht nur in Mali, Algerien, Afghanistan, Irak, Tunesien, Jordanien, Saudi Arabien, Syrien oder Pakistan zurück gedrängt werden.

 

Warum haben die Politiker oder Medien nicht rechtzeitig vor der tatsächlichen Entwicklung gewarnt? Die gleiche Frage kann man auch berechtigterweise in Deutschland stellen. Die Daten und Langfristindikatoren unterschiedlicher Art, wie beispielsweise die anhaltende Arbeitslosigkeit, wachsende Alters- und Flächenarmut, permanente Verschlechterung im Gesundheitswesen, Entwicklung der Kriminalität, explodierende Preise von Rohstoffen, bedenkliche Finanzdaten und auch Änderungen im Bruttoinlandsprodukt, um nur einige zu nennen, geben schon Jahre im voraus verlässliche Indikationen, dass eine gewaltige Bifurkation in Deutschland eintreten wird.

 

Dies kann nicht nur für einen ganzen Staat analysiert, indiziert und damit prognostiziert werden, sondern kann herunter gebrochen werden bis auf einzelne Bundesländer, Regionen, Städte, Stadtteile oder Gemeinden. Im Wesentlichen kommt es dabei auf eine effiziente, logische Datenaggregation an, damit man aus dem vorhandenen und ständig wachsenden Datenbestand Korrelationen mit scheinbar nicht zusammenhängenden Daten und Zeitreihen herbeizuführen kann.

 

Müssen „so etwas“ auch Politiker und Medienvertreter alles verstehen können? Ein gewisses Grundverständnis für das Verhalten von Systemen sollte allerdings bei Politikern, Medienvertretern oder Wirtschaftsführern vorhanden sein, um auf regionale, nationale oder internationale Trends und Entwicklungen rechtzeitig reagieren zu können. Denn  insbesondere zu Beginn von Trends ist meistens sehr frühzeitig erkennbar, ob es sich um unwesentliche, zu vernachlässigende Szenarien handelt, oder sich Szenarien im Laufe der Zeit zu Megatrends oder Gigatrends entwickeln. Megatrends oder Gigatrends führen durch Bifurkationen meistens zu einer Teilung eines Systems oder zu deren Zusammenbruch. Die kontinuierliche Trendanalysen des DRSB sind unabdingbar, um rechtzeitig Entscheidungen treffen zu können. Bei nüchterner Betrachtungsweise des Verhaltens von politischen System oder Wirtschaftssystemen wird jeden erfahrenen Analytiker schnell deutlich, dass es sich hier um sogenannte nicht – lineare, multidimensionale, kybernetische, dynamische Systeme handelt, deren Verhalten in der Mathematik und in der Physik und in der Chaos – Theorie beschrieben wird.

 

Es schadet also den Politikern im Bundestag und in den Landtagen nicht, sich mit dem Verhalten von solchen komplexen Systemen mit sowohl wirtschaftlichen, sozialen und politischen Auswirkungen auseinanderzusetzen. Die anvertrauten Menschen in unserer Heimat haben einen politischen Anspruch darauf, dass die bestmöglichen Entscheidungen getroffen werden – rechtzeitig, sinnbringend und vor allem nutzmehrend. Unsere Bundeskanzlerin sowie die Bundesminister haben einen Eid vor den Mitgliedern des Bundestages geleistet:

„Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen,

seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze

des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen

und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde.

So wahr mir Gott helfe.“

Was also ist zu machen, wenn Bifurkationen in Deutschland, in Europa und in den USA an die Pforten klopfen? Es bedarf schon gewisser Fertigkeiten und Weitsicht damit umzugehen, damit das Chaos nach Eintritt der Bifurkationen nicht völlig unbeherrschbar wird. Ansonsten drohen nicht nur in Europa über Jahre hinaus Aufstände, Unruhen, Bürgerkriege, kriegsähnliche Zustände oder sogar Kriege.

 

Viele Banken, Versicherungskonzerne und Industrieunternehmen sowie Firmen aus dem deutschen Mittelstand existieren heute nicht mehr, weil sie sich nicht rechtzeitig damit auseinandergesetzt, nicht rechtzeitig und möglichst vollumfänglich Trends analysiert haben, um daraus weitgreifende, zukunftsweisende Entscheidungen abzuleiten. Nach dem Riesterwahn wird zum Beispiel Solvency II den Versicherungskonzernen und Banken erheblich zusetzen, denn das Ende läutet auch hier eine Bifurkation ein. Und Bifurkation bedeutet: Schließung, Einstellung des Geschäftsbetriebs oder Insolvenz sowie Massenentlassungen, Arbeitslosigkeit und Armut. Viele Veränderungen in unserer Heimat kommen daher auch nicht überraschend, sondern die Trends waren schon über Monate und Jahre im voraus klar erkennbar.

 

Zu den einfachen Beispielen von sich abzeichnenden Bifurkationen und damit vorausgehenden Trends gehört zum Beispiel die sogenannte Börsenblase und der DotCom – Hype [ Neuer Markt ]. Beide platzten bekanntlich im Jahr 2000. Dieser BIG BANG kam nicht überraschend. Auch der Finanzmarktcrash der USA im Jahr 2007 ist eine besonders bemerkenswerte Bifurkation mit nachhaltiger Wirkung. Denn es handelt sich hier um eine gefährliche Entwicklung auf Raten. Das interessante an dieser Bifurkation ist, dass wir Europäer schon seit sechs Jahren mittendrin sind. Wieso haben die Bundesbank oder deutsche Politiker nicht rechtzeitig eingegriffen? Wenn Berlin oder die Bundesbank nicht frühzeitig Bescheid wussten – wer dann? Wieso haben alle im Bundestag vertretenen Parteien seit 2003 nichts unternommen? Wollte oder konnte man der kritischen Bifurkation nicht entgegenzuwirken? Wieso haben alle Parteien erst ab 2012 / 2013 diesen sich frühzeitig abzeichnenden Megatrend „mit großer Überraschung“ wahrgenommen? Konnte überhaupt jemand diesen Megatrend in politisch verantwortlicher Position verfolgen? Wenn – JA – Wer? Der möge sich umgehend beim DRSB melden.

 

Die volksschädlichen Auswirkung der anhaltenden US – Finanz- und Wirtschaftskrise auf die internationalen Volkswirtschaften aller Länder ist mittlerweile allgemein bekannt und seit 2008 auch teilweise im Fokus der Medien. Der bisherige Schaden und die Auswirkungen liegt weltweit irgendwo im zweistelligen Billionenbereich von Euro und US – Dollar. Und diese noch in Aktion befindliche Bifurkation, deren weiterer Verlauf allenfalls spekulativ abgeschätzt werden kann, setzt sich ungebremst durch das Versagen von Brüssel und Washington fort. Durch eine saubere und emotionslose Analyse diverser Szenarien und Zeitreihen hätte man eine solche Entwicklung durch eine Bifurkation vermeiden können.

 

Alle Untersuchungsberichte des DRSB belegen eindeutig: Was bereits 2007 / 2008 die gesamte Politikszene nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Staaten Europas sowie in den USA angeblich „völlig überrascht“ haben soll, war bestens bekannt und erzeugte keinesfalls die vermeintliche Betroffenheit.

 

Werden deshalb die brisanten Themenbereiche: Bankenrettung, BAD BANKS, Euro – Desaster, Riesterwahn und die volksschädliche Agendapolitik auch auf Bundesebene eventuell von Strafverfolgungsbehörden noch aufgegriffen? Oder wird „ALLES“ wieder unter der Hand geregelt? Wollen sich alle vor der Wahl im September 2013 die Hände in Unschuld waschen, weil man den Megatrend der Abwärtsspirale und die Bifurkationen nicht rechtzeitig erkannt haben will und nicht gehandelt hat?

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