„Die Nachwehen der US – Kriege“
Teil 108
Pledge of Allegiance
24. Januar 2012
Es brauchte eine sehr lange Zeit bis auch die so genannten Durschnittsamerikaner die Fehler im Gesellschaftssystem aufdecken konnten. Aktuelle Studien brachten erstaunliches ans Tageslicht. Fast die Hälfte aller Amerikaner über 18 Jahre glauben, dass sie in einer Gesellschaft von Wirtschaftsverbrechern leben, die für ihre Untaten auch noch fürstlich belohnt und vom Staat beschützt werden. Sie dürfen alle Ressourcen ausplündern und den Shareholder Value als Götzen verehren. Die amerikanischen Bürger sind nicht blöd und eine immer breiter werdende Öffentlichkeit realisiert allmählich, wie der Staat in Armut geratene Menschen willkürlich ausgrenzt und mit einem brutalen Rechtsmodell gnadenlos verfolgt. Gutmenschen, die etwas für das Volk bewerkstelligen möchten, sehen anders aus als Demokraten oder Republikaner. Die anhaltende US – Finanz- und Wirtschaftskrise hat die häßliche und fiese Spielart der Mächtigen in Washington offenbart. Das früher stets charmante Lächeln des Kapitals ist einer erstaunlichen Ernüchterung gewichen. Es scheint so, als ginge ein starker Ruck durch die Menschen in den USA. Immer mehr frei Denkende möchten deshalb die amerikanische Gesellschaft umgestalten, so dass in Zukunft alle Amerikaner als gleich wertvoll angesehen und mit Würde ausgestattet werden. Niemand, egal wie reich er auch sein mag, soll sich jemals wieder über die Gesetze stellen können. Kein Megareicher soll sich zukünftig Politiker kaufen können und dadurch seinen Reichtum steigern. Die Schulkinder, die jeden Morgen die
Pledge of Allegiance
aufsagen, das ist in den USA ein Treuegelöbnis gegenüber der Nation und der Flagge der Vereinigten Staaten, sollen wieder Stolz auf eine Nation mit wirklicher Freiheit, sozialer Gerechtigkeit und echter Demokratie sein.
Dieses gemeinsam gesprochene Morgenritual wird seit 1892, dem 400. Geburtstag der Entdeckung Amerikas durch Columbus, in öffentlichen Schulen jeden Morgen gesprochen:
„I pledge allegiance to the flag of the
and to the republic for which it stands, one nation under God, indivisible, with liberty and justice for all“.
[ „Ich schwöre Treue auf die Fahne der Vereinigten Staaten von Amerika
und die Republik, für die sie steht, eine Nation unter Gott, unteilbar, mit Freiheit und Gerechtigkeit für jeden“ ].
Wenn man bedenkt, wie arme Menschen, Ausgegrenzte und Ausgestoßene Tag für Tag in allen amerikanischen Städten quasi mit System heftig verschaukelt werden, dann erkennt man, dass das amerikanische Rechtssystem überhaupt nichts mit Gerechtigkeit zu tun hat. Recht kostet in den USA viel Geld. Wer es nicht hat, bekommt lediglich ein Urteil mit dem er Leben muss. Für immer mehr Amerikaner ist es eine verdammte Schande, auf der ganzen Welt verhasst zu sein und als leistungsschwach dargestellt zu werden.
Woran liegt das?
Die Mächtigen in Washington und deren Besitzer haben beschlossen, dass es noch immer wichtiger sein soll, neue Bomben, Kriegsschiffe oder sonstiges Militärgerät zu bauen, als den Kindern eine vernünftige Ausbildung zu geben, den Kranken Schutz zu gewähren und Wohlstand für die breite Masse zu schaffen. Dank des Versagens von Ex – Präsident George Walker Bush haben die Amerikaner das Problem erkannt, dass ihre Kinder nichts wissen und die Erwachsenen, die ebenfalls häufig unwissend sind, auch noch durch unsinnige TV – Programme systematisch verdummt werden. Viele erhofften sich von der Lichtfigur Barack Obama Verbesserungen im Schul- und Ausbildungswesen sowie beim flächendeckenden Krankenschutz. Diese Hoffnung wurde, wie schon beim Demokraten Bill Clinton, erneut aufs Schärfste enttäuscht. Man fühlt sich so als wäre man vom Regen über die Traufe direkt in die Scheiße geflogen. Genau genommen läuft zurzeit eine Wut- und Hasswelle durch die Vereinigten Staaten von Amerika. Natürlich berichten die einheimischen Medien nicht darüber. Und was totgeschwiegen wird, darüber können auch die deutschen Medien nicht berichten. Auch Lehrer, in der Ära von George Walker Bush die beliebtesten Sündenböcke für Politiker, sind nicht mehr länger bereit, den Kopf für das ständige Versagen von Bankern, Börsianer, Managern und Politikern hin zu halten. Denn die Übel in der amerikanischen Gesellschaft sind weder auf faule, unfähige oder nachlässige Lehrer noch auf lernunwillige Schüler zurückzuführen. Die Kernübel liegen in den wirtschafts- und sozialpolitischen Fehlentscheidungen der zurückliegenden 70 Jahre. Quasi jeden Tag begreifen immer mehr Amerikaner die schrecklichen Auswirkungen der einst hochgelobten Chicagoer Schule mit und um Professor Milton Friedman. Grenzenlose Gier, brutaler Neoliberalismus und der fatale Hang zur Überheblichkeit sind schuld am immer schneller werdenden Niedergang einer einst stolzen Nation. Es ist schon ein böser und grotesker Treppenwitz aus Washington, dass gerade die Politiker, die sich beharrlich weigern, ausreichend Gelder für die Schulen bereitzustellen, sich fürchterlich über das schlechte Bildungsniveau beklagen. Ähnlich verhält es sich bei den Themenkreisen kollektiver Krankenschutz und sichere Altersrenten. Doch in aller Stille wächst das Bewusstsein der Amerikaner, dass mit ihrem Demokratiemodell etwas nicht mehr stimmt. Selbst die mächtigen Schattenmänner werden in so genannten Denkzirkeln ins Licht gezerrt und von ihrem Glorienschein befreit. Kissinger, Rockefeller, Brzezi
