Das Wort am Sonntag
Steht unsere Zukunft in den Sternen?
23. Oktober 2011
Im Januar 1978 wurde die Astrodata AG von Claude Weiss gegründet. Astrodata war damals weltweit die erste Gesellschaft, die vierfarbige Horoskope zusammen mit genauen Planetenpositionen anbot. Ab 1979 ging man dazu über, auch interpretierte Horoskope anzubieten, damit auch Laien das Geschriebene besser deuten und verstehen konnten. Seit Anfang 1990 spielt die Astrodata im Bereich der computergestützten Horoskoperstellungen in Europa quasi eine führende Rolle.
Das erklärte Firmenziel ist, durch das Aufzeigen von individuellen Chancen, Möglichkeiten und Aufgaben, Menschen zu ermutigen, ihr brachliegendes Potenzial zu aktivieren und einzusetzen.
Die Astrodata AG zeigt aber auch, dass in schwierigen Zeiten viele Menschen Trost oder Hoffnung in den Konstellationen der Sterne suchen. Denn seit der Amtszeit von Ronald Reagan wissen wir, dass selbst im Weißen Haus die Sterne vor Entscheidungen befragt wurden. Donald Regan, Stabschef im Weißen Haus von 1985 bis 1987, legte in seinen Memoiren schonungslos offen, dass Astrologen den Terminkalender des damals mächtigsten Politikers der Welt bestimmten. Gemäß den Aussagen von Regan wurden politische Entscheidungen nach dem Horoskop getroffen. Donald Regan beschrieb seinen Präsidenten als einen geistig trägen, verwirrten Politiker, den seine Frau Nancy nach Belieben manipulieren konnte. Ganz sicherlich waren es niedrige Rachegelüste und blanker Hass, denn nach der Entlassung am Abend des 27. Februar 1987 sank der Stern des Beraters doch erheblich in den USA ab. Für viele Amerikaner landete Regan damals einen Volltreffer, denn er entzauberte mit seinem Geschriebenen auch den Kult um den sogenannten Reaganismus. Die Gegner von Ronald Reagan sprachen schon während seiner Amtszeit von der
Voodoo – Ökonomie
und meinten damit, dass ihr Präsident in fast schon sklavischer Form die Thesen und Vorstellungen von Milton Friedman [ Chicagoer Schule ] – eins zu eins – umsetzte.
Heute wissen wir, weiß es der Rest der Welt, dass der vermeintliche Wirtschaftszauberer Ronald Reagan, die Grundlagen für alle später folgenden US – Finanz- und Wirtschaftskrisen legte. Doch damals [ 1988 ] sorgten die Sternseher im Weißen Haus weltweit für Schlagzeilen und großes Gelächter. Die große Tageszeitung US Today nannte damals Nancy Reagan einen weiblichen Rasputin. Trotzdem erlebte der sprühende Okkultismus eine Hochkonjunktur in den USA, von dem selbst die sogenannten Denkfabriken [ think - tanks ] und seriöse Wissenschaftler angesteckt wurden. Anders ist die Vielzahl der gravierenden Fehlentscheidungen kaum noch erklärbar, denn ohne Astrologen flimmerte keine Nachrichtensendung mehr über die US – Bildschirme. Rund 20.000 professionelle Sternendeuter erstellten damals schon Politikerhoroskope am Fließband. Wassermänner, Skorpione, Krebse, Löwen sowie natürlich auch alle anderen Sternzeichen wurden sprichwörtlich sternenmäßig verarbeitet. Die wirtschaftliche Lage der amerikanischen Nation zeigt Jahre später, dass höchstwahrscheinlich keine brauchbare Beschreibung eines Wandels zum Wohlstand für das amerikanische Volk dabei gewesen ist. In wie weit die historischen Sternendeutungen die Hauptschuld trifft, lässt sich heute nicht mehr genau feststellen. Fest steht jedoch, dass der radikale Reaganismus die wirtschaftlichen und industriellen Strukturen in den USA nachhaltig zerstören half. Seit dem Medien – Hype um die Ex – CSUlerin und Ex – Vorsitzende der Freien Union, Gabriele Pauli, wurde bekannt, dass auch in unserer Heimat Politiker vermutlich in allen Parteien auf den Rat der Sterne bauen. Dem DRSB ist bedauerlicherweise nicht bekannt, in wieweit Politiker, zum Beispiel von der FDP, die Sterne vor der Installation der Boy – Group befragten und welche Empfehlungen man erhielt. In Kreisen der GRÜNEN, so munkelt man, soll auch Claudia Roth auf das Urteil der Sterne vertrauen. Leider ist auch hier dem DRSB bis heute verborgen geblieben, was möglicherweise die Sterne vor der Einführung der Agenda 2010 vorhersagten. Denn hätten die Sterne die schnelle Verwüstung unserer Sozialsysteme prognostiziert, dann würden die Vorhersagen in den damaligen Horoskopen zutreffen. Wenn aber nicht – tja dann müsste man gezielt Nachfragen, was damals in den Sternen stand. Streng genommen hätten sich die verantwortlichen Sternendeuter in unserer Heimat der Beihilfe zur Exklusion und Segregation schuldig gemacht. Astrologie, Kartenlegen, Kaffeesatzlesen und andere Formen der Wahrsagerei waren deshalb zum Beispiel in San Francisco verboten. Der Ausbruch der letzten US – Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Diskussionen in den USA über die vermeintliche Macht der Sterne über den Terminkalender von Ronald Reagan erneut angeheizt. Denn seit der Amtszeit von Ronald Reagan protestierten anerkannte amerikanische Wissenschaftler regelmäßig gegen die überheblichen Ansprüche der astrologischen Scharlatane und klagen zusätzlich die Medien an, für die völlig unkritische und unsinnige Verbreitung von Horoskopen und deren Folgen die Verantwortung zu tragen.
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