Das Wort am Sonntag
Ich gebe, damit du gibst
Wo bleibt noch Raum für Gott?
02. Oktober 2011
In der Nähe der Stadt Qumran wurden im Jahr 1948 in Höhlen uralte Schriftrollen entdeckt. Es handelte sich um eine wertvolle Sammlung hebräischer und aramäischer Schriften, die das Szenario des Judentums zu der Zeit etwas klarer darstellten, als das sogenannte Urchristentum entstand. Das monotheistische Christentum basiert auf der Lehre des dreieinigen Schöpfergottes:
Gott Vater, Sohn Jesus Christus und der Heilige Geist
in der Trinität. Der sogenannte Schöpfer der Welt – Gott Vater – wurde in der Person seines Sohnes Jesus Christus Mensch und starb für die Menschen, um für sie Erlösung von ihren Sünden zu erwirken und so das ewige Leben nach dem irdischen Dasein zu gewinnen.
Gottes Schöpfung ist stets durchdrungen vom Heiligen Geist, der die Gläubigen bis heute inspiriert. Für das Christentum ist der gesalbte Jesus Christus als Erlöser der zentrale Aspekt der Trinität. Viele gläubige Christen richten sich nach seinen Geboten und dem Vorbild seines Lebens.
Jesus Christus
findet weltweit vielfältige Verehrung in Deutungen oder Reliquien. Die merkwürdigste Reliquie der Welt ist das sehr bekannte Grabtuch von Turin. In diesem Tuch soll sich das Bild des gekreuzigten Heilandes eingeprägt haben. Während viele gläubige Christen diese Reliquie verehren, halten sie seriöse Wissenschaftler für eine mittelalterliche Fälschung.
Christi Geburt
bestimmt auch den Kalender der Christenheit.
Wir schreiben also das Jahr 2011 nach seiner Geburt. Das Christentum in der Form einer Religionsgemeinschaft ist selbst zweitausend Jahre alt. Was die wenigsten wissen:
Das Christentum
galt zuerst als jüdische Sekte, die sich mit den Lehren
des Rabbi Jesu beschäftigte.
Durch die immense Missionstätigkeit der Apostel Paulus und Petrus verbreitete sich der Glaube rasch im römischen Reich [ Imperium Romanum ]. Dort wurde das Christentum zunächst vom römischen Staat bekämpft und später dann zur Staatsreligion erhoben. Das Christentum orientiert sich am alttestamentarischen Dekalog, der geschickt ergänzt und vervollkommnet wurde durch diese Zehn Gebote sowie durch das doppelte Liebesgebot Christi
Du sollst Gott lieben
und
Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.
Die meisten Christen beachten zwar nicht immer die beiden Gebote, obwohl sie nach wie vor Gültigkeit haben sollten.
Christen sind auch generell dazu angehalten, Verstöße gegen die göttlichen Gebote, ihre Sünden, zu bekennen, damit ihnen Vergebung gewährt wird. Nur so erwarten sie das ewige Leben im Jenseits, wenn Gott die Schöpfung nach seinem Willen neu gestalten kann. Das dreieinige Gottgebilde trägt nach dem Verständnis der gläubigen Christen drei Attribute:
Gott ist allmächtig, allwissend und allgütig.
Jedenfalls sollte es so sein, denn angesichts der metaphysischen begrenzten Lebenszeit der Menschen, der vielen unheilbaren Krankheiten und der diversen physischen Übel, wie Gewalt, Mord oder Kriege, stellen täglich immer mehr Menschen sich die Frage der Theodizee [ Rechtfertigung Gottes ].
Extrem kritisch betrachtet müsste Gott nach dem logischen Verständnis der Mehrheit zumindest eines seiner klassischen Attribute zur Anwendung bringen. Wäre er allwissend und allgütig, so müsste er gegen die Übel dieser Welt etwas unternehmen. Bedauerlicherweise hat sich der christliche Gott in gewisser Weise aus der realen Welt zurückgezogen, indem er den Menschen die Freiheit des Willens verlieh. Aus der Sicht der Kirchenfürsten auch die Freiheit, sich gegen das Gute zu entscheiden. Dies ist das beste Argument der Kirche, auch wenn es zu einer unvollkommenen Welt führt. Am Ende aller Zeiten, so die heilige Schrift, wird Gott die Schöpfung neu gestalten, so dass kein Übel das ewige Leben der Gläubigen beschweren wird. Dieses Heilige Buch der Christen nennt man auch
Bibel.
Dieser Kanon von christlichen Schriften scheidet sich in zwei Teile. Das Alte Testament umfasst die Schriften des jüdischen Tanach, die um 400 nach Christus kanonisiert und als geltendes Wort Gottes dem Neuen Testament vorangestellt wird. Das Neue Testament versammelt die sogenannten Evangelien und sind dem Grunde nach eine Beschreibungen des Lebens von Jesus Christus.
Apostelgeschichten und Briefe von Aposteln an die Urgemeinden sowie die apokalyptische Endzeitvision des Johannes entstanden im ersten und zweiten nachchristlichen Jahrhundert. Die Bibel wurde in sämtliche Sprachen übersetzt und gilt womöglich zu Recht als das Buch mit der weltweit größten Auflage.
Das Christentum hat die Weltgeschichte entscheidend geprägt. Die Keimzelle des Christentums lag in den Regionen Juda und Galiläa. Vor allem durch die eifrige Missionsarbeit der Apostel breitete sich das neue Gedankengut innerhalb der kleinasiatischen Welt aus. Der Apostel Paulus betrieb dabei vorrangig die Missionierung der sogenannten Heiden, wandte sich also nicht mehr in erster Linie an Juden, sondern an Menschen mit extrem unterschiedlicher Weltanschauung.
Im römischen Reich verbreitete sich die Lehre vom Christentum sehr schnell, so dass sich zu Beginn des vierten Jahrhunderts in allen größeren römischen Städten sogenannte christliche Gemeinden bildeten. Man fand sich zusammen, feierte Messen und aß und trank auch dazu. Die Christen übten ihre Religion zunächst wie ein Geheimbund im Untergrund aus, da sie vom römischen Staat verfolgt wurden. Im Jahr 313 erhob Kaiser Konstantin I. das Christentum in den Rang einer geduldeten Religion. Damit endete die Christenverfolgung. Theodosius der I. erhob das Christentum im Jahr 380 / 381 zur römischen Staatsreligion. So konnte sich eine doxologisch und organisatorisch eigenständige Religion entwickeln und zur Blüte kommen.
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Mit dem Beginn der sogenannten Neuzeit gab es für das Christentum zwei gravierende Veränderungen. Zum einen führte die lutherische Reformation zur Aufspaltung der Konfessionen zwischen Katholiken und Protestanten und in England etablierte sich mit der anglikanischen Konfession eine eigene separate Staatskirche. Im Laufe der fortschreitenden Kolonialisierung reisten die christlichen Missionare im Gepäcknetz mit. Die Christianisierung heidnischer Völker wurde von fast allen Kolonialmächten mit brutalen Mitteln vollzogen, so dass sie oft zur dramatischen Dezimierung der Urbevölkerung führte. Dadurch konnte das Christentum zur größten Weltreligion aufsteigen. In den Ländern der Dritten Welt hält die moderne Missionstätigkeit bis heute an und beschert dem Christentum noch immer großen Zuwachs. Leider zahlt sich dieser Zuwachs für den Vatikanstaat nicht in klingender Münze aus. In Europa und in den USA dagegen schwindet die Zahl der in den traditionellen Kirchen organisierten Gläubigen.
Weltweit gibt es rund 2,3 Milliarden Christen.
Damit ist das aktuelle Christentum noch immer die größte Religionsgemeinschaft der Erde. Doch überall stellen die Menschen das Christentum in Frage. Überall werden Kirchen geschlossen, verkauft oder abgerissen. Viele Bücher der Neuzeit erklären eindrucksvoll, warum die Menschen auf Religion und Gottesglauben verzichten könnten. Möglicherweise wird es niemals eine schlüssige Antwort auf die Frage geben, warum, wieso oder wodurch unser Universum existiert. Wer also darauf eine beweisbare Antwort findet – TJA – der erkennt sofort wie und warum Gott tatsächlich existiert. Aber bis heute wurde niemand getroffen mit einer beweisbaren Antwort.
Selbst der deutsche Pabst
kennt vermutlich die Antwort nicht.
Unterstellt einmal das Universum hätte irgendwo einen klar definierten Anfang, dann dürften sofort alle Wissenschaftler von der Annahme ausgehen, dass ein solches Universum von Gott oder einem Schöpfer geschaffen wurde. Das Universum scheint aber keine Grenzen oder gar einen Anfang noch ein Ende zu kennen.
Wo bleibt da der Raum für einen Gott oder Schöpfer?
Die rein philosophische Frage:
„Was war tatsächlich vor dem Beginn unseres Universums“?
ist deshalb obsolet. Wer hat schon einmal sich „ernsthaft“ die Frage gestellt oder mit Fachleuten darüber „sachlich“ diskutiert:
„Was ist beweisbar nördlich als der Nordpol“?
Definitiv stößt man mit der vorgenannten Frage an Erklärungsgrenzen. Darüber residiert lediglich die Philosophie. Durch Papstbesuch in unserer Heimat scheinen die Emotionen reihenweise losgetreten worden zu sein. Im Vatikan, in der katholischen oder evangelischen Kirche, bei Calvinisten oder Buddhisten – dort suchen ganz offensichtlich nur noch Unwissende und Fehlgeleitete nach verlässlichen Werten, gezielter Orientierung oder Ordnung. Und Trost oder praktische Hilfe gibt es bekanntlich weder im Vatikan noch bei anderen Religionsgemeinschaften.
Salbungsvolle Worte und dann …. ?
Spätestens wenn demnächst Handwerksbetriebe, Freiberufler, Selbständige, AG’s oder Gesellschaften mit beschränkter Haftung von ihren Bankinstituten für die Geschäftskonten die Nachfrage erhalten:
Welche Religion haben Sie?
- könnte es womöglich noch mehr spontane Kirchenaustritte geben. Immer mehr Menschen in unserer Heimat scheinen ohnehin der Ansicht zu sein, dass man für den Besuch von kirchlichen Veranstaltungen Eintritt [ Nutzungsgebühr ] bezahlen sollte. Dies gilt auch für die meisten anderen Veranstaltungen oder Events. Warum sollten also nicht auch die Nutzer von kirchlichen Einrichtungen oder Events, wie zum Beispiel die Sonntagsmesse oder Taufe eine Eintrittsgebühr bezahlen? Stattdessen wird auf die Mehrheit – die in der Regel weder Messen noch sonstige Veranstaltungen der Kirchen besuchen – die Kirchensteuer umgelegt und erhoben. Aus Sicht einer stetig größer werdenden schweigenden Mehrheit volkswirtschaftlich betrachtet ein unsinniges Szenario, denn wenige nutzen die kirchlichen Einrichtungen – aber alle müssen dafür [ dürfen ] Zahlungen leisten.
Wie lange würde sich die katholische oder evangelische Kirche ohne Kirchensteuer am „Markt“ halten?
Zwei Jahre? Drei Jahre?
Oder vieleicht maximal fünf Jahre?
Wer wäre bereit und willens für den Besuch der Sonntagsmesse 25,00 Euro Eintritt zu zahlen?
Wieviel dürfte eine Kommunion / Konfirmation kosten? 200,00 Euro oder sogar 500,00 Euro?
Was nimmt man für eine einfache Beerdigung? 50,00 Euro oder sogar 350,00 Euro?
Wie hoch wären die Kosten für eine Luxusbeerdigung?
Und was kostet eine Beichte? 10,00 Euro ohne Ablass und 100,00 Euro mit dem Erlass aller Sünden?
Wonach berechnet man eine kirchliche Trauung? Anzahl der Besucher? Gewicht der Personen?
Oder Pauschalpreis? Quasi – alles INKLUSIVE – das Wohlfühlpaket für 1.500,00 Euro!
Die vorgenannten Fragen sind lediglich eine kleine Auswahl aus mehr als 400 Fragen, die an den DRSB gestellt wurden. Man sieht also, dass die Kirchen vor riesigen Problemen stehen und nicht lösen können. Und „unser lieber“ Papst kennt auch keine praktikablen Lösungen, denn wo Weitblick, wirtschaftliches Denken und Handeln sowie volksnahe Vernunft gefordert sind [ Abschaffung des Zölibats ] – da hilft auch der beste GLAUBE nicht weiter.
Ich gebe, damit du gibst.
Wo bleibt noch Raum für Gott?
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