Das Wort am Sonntag – 10. April 2011

Das Wort am Sonntag

 

Die Epoche der Aufklärung

 

10. April 2011

 

Es gibt tausende Beispiele für die positive Wirkung des Internets für die Menschen. Informieren, lesen und Zusammenhänge verstehen führt zur Aufklärung der Menschen.
Als zum Beispiel im Herbst 2002 der SPDler und Ex – Kanzler Gerhard Schröder die Bundestagswahlen gewann, weil die überwiegende Mehrheit der Menschen in unserer Heimat eine deutsche Beteiligung am Irakkrieg ablehnte, wurde er für seinen paranoiden sowie konspiratorischen Anti – Amerikanismus gerügt.
Der allgemeine Tenor in den US – Medien:

Die deutsche Regierung hat Angst vor den eigenen Wählern.
Ein ernstes Problem, das man umgehend
in Deutschland bewältigen muss, wenn man in Zukunft von der
zivilisierten Welt akzeptiert werden will.

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Mit der zivilisierten Welt waren natürlich die USA und alle Teilnehmer am Irakkrieg gemeint. Das Umspringen der US – Medien mit Gerhard Schröder war aber noch relativ harmlos, wenn man bedenkt, wie nahezu brutal man mit dem NATO – PARTNER Türkei verfuhr. Das türkische Parlament versagte damals den USA die Möglichkeit, den Norden des Landes als Aufmarschgebiet für den geplanten Irak – Feldzug zu nutzen. Die Reaktionen aus Washington kamen prompt und ließen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig:
Der Bodenkrieg im Irak bereitet Schwierigkeiten, weil die Türkei, erneut aus unverständlichen Gründen, ihre Rolle als Gastgeber für die nördlichen Fronttruppen nicht akzeptiert. Angesichts der türkischen Antikriegsgefühle ist die Regierung in Ankara vor dem Volk in die Knie gegangen. Starke Regierungen setzen sich über den Willen der Bevölkerung hinweg und akzeptieren die Rolle, die ihnen von der globalen Supermacht zugewiesen wird, während schwache Regierungen vor den Gefühlen der Bevölkerung kapitulieren.

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Jeder Mensch hat sein eigenes Demokratieverständnis und sucht, wenn möglich, nach konstruktiven und nutzmehrenden Lösungen. Formale Demokratie ist sicherlich nützlich, wenn sie umgesetzt werden kann. Doch solange Politiker sie missachten, wie zum Beispiel Brent Scowcroft, der ehemalige Sicherheitsberater von Bush Senior, wird es schwierig Demokratie auch in unserer Heimat umzusetzen.

Zitat Brent Scowcroft zum Irak:
Falls Radikale [ gemeint waren Schiiten ] die Wahlen gewinnen,
dann werden wir sie sicher nicht an die Macht kommen lassen”.
Zitat Ende.

Die Grundlinien dieser amerikanischen Denkweise von Brent Scowcroft verdeutlichen auch das Durchpeitschen der Atom – Energie, der Agenda 2010, von Hartz IV sowie der Riesterrente und der Kriegseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan in unserem Parlament. Es drängt sich also für immer mehr Menschen in unserer Heimat der Eindruck auf, dass dort wo der Einfluß von Washington am größten ist, es am wenigsten Demokratie gibt.
Rund 85% lehnen Atomkraft ab und möchten alle Standorte schließen. 69% halten die Agenda 2010 für volksschädlich und 73% möchten Hartz IV abschaffen. Die Medienveröffentlichungen zum Thema Solvency II haben die untaugliche Modell der Riesterrente erneut in den Fokus geschoben, sodass auch diese Fehlleistung der Politik wieder auf den Prüfstand der Bevölkerung kommt.

Nach wie vor lehnen satte 78% den Kriegseinsatz in Afghanistan ab.

Wer tatsächlich noch wählt, gehört eher zu den Menschen, die mit dem Stimmzettel ihre Interessen wahrnehmen möchten.
Was dann noch von der Demokratie übrigbleibt, ist nur das Recht, zwischen SCHWARZ, GELB, GRÜN oder ROT sowie DUNKELROT wählen zu können. Die Epoche der Aufklärung hat diese Entwicklung besonders durch die Ereignisse in Japan schonungslos offengelegt.

Nie zuvor war in unserer Heimat
das Gefühl von Machtlosigkeit so stark verbreitet wie heute.

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