DRSB
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
Redaktionsteam
Leitung:
Udo Johann Piasetzky ⋅ Andreas Kallen ⋅ Hans – Josef Leiting
Düsseldorf, den 18. November 2008
Das bevorstehende Ende einer Illusion
Lebensversicherungsmodelle der deutschen Assekuranz
Monströse Pläne, monströse Leistungsversprechen,
monströse Produktmodelle, monströse Vertriebskosten
und
monströse Verwaltungsbauten
prägten 40 Jahre lang das Bild von der deutschen Versicherungswirtschaft.
Immer mehr, immer größer
und immer auf Pump wurde zum Markenzeichen.
Doch jetzt reißt die US – Finanzkrise die Branche mit, denn die Zeit der billigen und reichlichen Geldeinpflege scheint vorbei zu sein.
Hat sich die deutsche
Versicherungswirtschaft auf allen Gebieten verzockt?
Die verschiedenen Aktivitäten von Versicherungen werden nach dem allgemeinen Sprachgebrauch in das so genannte
Sachgeschäft, Krankengeschäft und Lebensgeschäft
aufgeteilt.
Die neuen Rentenmodelle
„Riester” und „Rürup”
sollten im Bereich des Lebensgeschäftes für neue Impulse sorgen.
Das so genannte operative Geschäft wird dabei in verschiedenen rechtlich selbständigen Versicherungsgesellschaften mit unterschiedlichem Risikoprofil ausgeführt. Die Beteiligungen an den einzelnen Gesellschaften werden in einer darüber stehenden Holdinggesellschaft – ohne Risiken – konsolidiert.
Der Deckungsstock aus dem Lebensgeschäft darf nach geltendem Recht für Verluste anderer Versicherungsbereiche nicht zweckentfremdet werden.
Amerikanische Verhältnisse wird es vermutlich in Deutschland deshalb nicht geben können, wo jetzt mit Sondergenehmigungen riesige „Anleihen” innerhalb der Holdingstruktur auf den Deckungsstock aufgenommen werden dürfen.
Obwohl bei den deutschen Versicherungsgesellschaften die Einzahlungen der Bürger für ihre Altersvorsorge in der Gewinn- und Verlustrechnung als Umsatzerlös ausgewiesen werden, erbringen die Versicherungskonzerne im eigentlichen Sinne noch keinerlei fassbare Gegenleistungen.
Im Vergleich hierzu weist die Automobilindustrie jeden Verkauf eines PKW als Umsatz aus und die Bürger erhalten als fassbare Gegenleistung ein Auto.
Anders als bei deutschen Versicherungskonzernen werden bei Banken die Einzahlungen der Bürger für ihre Altersvorsorge auf ein Sparbuch in der Bilanz korrekt als Verbindlichkeit ausgewiesen.
Den Bürgern werden auf ihren Sparbüchern die vereinbarten Zinsen gutgeschrieben.
Die Leistungen der Bank für die Einrichtung eines Sparbuches werden weder mit
Vertriebskosten noch mit Verwaltungskosten
unnötig belastet, da die Bank mit dem eingezahlten Geld selbständig arbeiten und Einnahmen durch das Verleihen des Geldes erzielen kann.
Aus der erwirtschafteten Marge der Zinsdifferenz
bestreiten die Banken dann ihre Vertriebs- und Verwaltungskosten.
Die deutschen Versicherungskonzerne erwirtschaften mit den eingezahlten Geldern ihrer Kunden nach dem gleichen System wie Banken Zinsen.
Trotzdem müssen die Bürger für ihre Einzahlungen in die Altersvorsorge – Modelle die
Vertriebskosten und Verwaltungskosten
zusätzlich selbst tragen. Über die Gesamtlaufzeit des Versicherungsvertrages erfährt der Kunde wenig über die tatsächliche Verwendung und den Stand seines tatsächlich angesparten Geldes, da dieses Geld Jahr für Jahr als Umsatzerlös für Namen und für Rechnung der Versicherungskonzerne in den Büchern vereinnahmt wird.
Es ist erscheint immer mehr Bürgern unzumutbar und unhaltbar, dass treuhänderisch gehaltenes Vorsorgevermögen ohne jegliche verpflichtende Zuordnung in den
Jahresabschlüssen
der deutschen Versicherungskonzerne – nach wie vor – als
„Umsatz”
in deren Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesen werden. Die garantierten und prognostizierten Rentenzahlungen werden von den Versicherungskonzernen nach selbstgegebenen versicherungstechnischen und statistischen Methoden mit Hilfe von Sterbetafeln berechnet und lediglich als so genannte Rückstellung ausgewiesen. Für die Kalkulation der Versicherungsverträge und deren Deckungsrückstellungen werden unterschiedliche Sterbewahrscheinlichkeiten angenommen und gegenüber den „realistischen” Werten je nach Ausrichtung mit „großzügigen” Sicherheitsmargen versehen.
In dem Fall, dass das Risiko im Tod des Versicherten besteht
- Lebensversicherung -,
werden die Sterbewahrscheinlichkeiten mit einem Zuschlag versehen.
Im umgekehrten Falle, dass das Risiko im Überleben besteht
- Rentenversicherungen -,
wird ein Abschlag auf die Sterbewahrscheinlichkeit vorgenommen. Für diese beiden möglichen Fälle wurden deshalb unterschiedliche Sterbetafeln entwickelt.
Bis vor kurzer Zeit freuten sich noch viele Versicherungskunden über die guten Jahresergebnisse „ihrer” Versicherungsgesellschaften und verharrten im Glauben, die richtige Gesellschaft gefunden zu haben.
Ausgelöst durch die US – Finanzkrise erfahren diese Gutgläubigen heutzutage, dass die erwirtschafteten Jahresergebnisse ausschließlich den Aktionären für
Dividendenzahlungen
und als großzügige Bonifikationen für die Vorstandsmitglieder Verwendung finden.
Zum weiteren Ärgernis entwickelt sich die Methode der Topmanager, dass zur Steigerung des Umsatzes der deutschen Versicherungskonzerne vielfach die eingezahlten Versichertengelder dazu genutzt werden, um über extrem teure Strukturvertriebe und mit gigantischen Werbekosten noch mehr Neugeschäft eingefahren werden soll.
Auf den Jahreshauptversammlungen der Aktionäre lassen sich die Topmanager dann kräftig feiern, wenn die erzielten Umsatzsteigerungen einmal wieder über dem Branchendurchschnitt lagen. Auch dafür gibt es dann reichlich zusätzliche Zahlungen zu den ohnehin schon überdimensionierten Jahresgehältern.
Im Falle einer vorzeitigen Auflösung seines Vertrages erhält der überraschte Versicherungskunde einen nach dem freien Ermessen der Versicherungskonzerne nicht nachvollziehbaren Rückkaufswert, unter dem Abzug von undurchsichtigen hohen Verwaltungskosten, ausgezahlt.
Bei der völlig untauglichen
Riesterrente
werden daneben noch die staatlichen Riesterzulagen abgezogen und an den Staat zurückgeführt.
Der verbleibende kümmerliche Restbetrag aus
„Riesterrenten” und „Rüruprenten”
unterliegt dann noch in voller Höhe der, nach Ansicht der grünen Politikerin Claudia Roth, modernen nachgelagerten Besteuerung.
Ein solch übles
„Überraschungsbonbon”
gibt es bei einem Sparbuch der deutschen Banken und Sparkasseninstitute nicht.
Bis heute versäumten die deutschen Politiker, mit einfachen und zukunftsfesten Systemen die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Deutsche Bürger haben deshalb keine Chance erhalten, sinnvoll und nutzmehrend für den Ruhestand vorzusorgen.
Nur in einer geordneten Vorsorgewelt aus sicheren und soliden Kapitalanlagen kann langfristig eine zukunftsfeste und mündelsichere private Altersvorsorge aufgebaut werden, die auf den grundsoliden Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches aufbaut und vererblich bleiben muss. Bei einem Sparbuch besteht für keinen Bürger ein Risiko. Konstruktionsfehler und versteckte Fallen wie sie zu Hauff in den bestehenden untauglichen
„Fördermodellen”
zu finden sind, gibt es beim Sparbuch nicht.
Mit der
Initiative 20 / 70
forderte der DRSB e.V. bereits im Kalenderjahr 1989 die Einrichtung einer unabhängigen
Rentenbank mit vorgelagerten Versorgungswerken,
die losgelöst von privaten Interessen nicht von Aktionären beeinflusst werden kann.
Damit könnte man zum Beispiel auf die gigantischen Werbeaufwendungen und Vertriebskosten der Versicherungskonzerne verzichten und die eingezahlten Beiträge deutscher Bürger ausschließlich zum eigentlichen Zweck der Altersvorsorge verwenden.
Die deutsche Versicherungswirtschaft hatte mehr als 50 Jahre die Chance unter Beweis zu stellen, dass man ein zuverlässlicher Partner die private Altersvorsorge sein kann.
Diese einmalige Chance haben die
Protagonisten der Assekuranz leichtfertig verspielt!
Mit den untauglichen Riester- und Rürupmodellen sind die Politiker und die deutsche Versicherungswirtschaft auf breiter Front gescheitert.
Sollte es hart auf hart kommen, bleibt den Bürgern zurzeit kein anderer Weg offen, als temporär auf eine fragwürdige
„staatliche Förderung”
zu verzichten und ihr Geld sicher und steuerunschädlich in eigener Verantwortung selbst anzulegen.
Die US – Finanzkrise und deren Auswirkungen in Deutschland lässt sich nicht mit noch mehr Subventionen an die Falschen lösen.
Wie viel
Altersvorsorgevermögen und Steuergelder der deutschen Bürger
sollen noch sinnlos verbrannt werden,
bis verantwortungsbewusste Politiker mit Rückgrat endlich handeln?
DRSB
Wir kämpfen seit 20 Jahren mit der Stimme der Demokratie
für
einen modernen Sozialstaat,
sichere, langfristige Arbeitsplätze,
sinnvolle, gerechte und lernfähige Rentensysteme,
sichere, gerechte und leistungsfähige Sozialsysteme,
und für
korruptionsfreie Demokratie in Deutschland und der EU.
