Infobrief – 07. Mai 2013 / Mediales Trommelfeuer ohne Echo

Mediales Trommelfeuer ohne Echo

 

Eine alte römische Juristenweisheit besagt, dass man vor Gericht und auf hoher See in Gottes Hand sei. Das gilt auch für alle Medien, die sich um einen festen Berichterstatter – Platz im sogenannten NSU – Prozess bemüht haben. Eine Tatsache, an dem die wegen Schlamperei des Gerichts nötig gewordene Nachverlosung nicht viel ändern wird. Das anachronistische Spiel um physische Sitzplätze in einem Saal wäre etwa mit der Hilfe von nur einer Kamera einfach zu überwinden.

Einen besseren Beleg für die Unsinnigkeit des Los – Verfahrens gibt es nicht.

Trotz höchstem medialen Trommelfeuer und den verständlichen Rufen nach Gerechtigkeit – > bleibt in den Alltagsgesprächen der Europäer der NSU – Prozess ohne jede Resonanz. Der Themenkreis 

NSU ist quasi ein kommunikatives NULL – THEMA.

Wie kann man diesen erstaunliche Gegensatz zwischen medialer und gesellschaftlicher Aufmerksamkeit erklären? Die deutsche Medienwelt bläst den NSU – Prozess zum spektakulären Großereignis auf und in Frankreich, Belgien, Dänemark, den Niederlanden, Spanien, Italien und sogar in Polen hört man kaum etwas zum Themenkreis der NSU.

Ist es ein Mangel an Sensibilität?

Oder vielleicht anhaltendes Desinteresse?

Die hinterhältigen Morde an türkischen und griechischen Mitbürgern sind natürlich schlimm und verachtenswert – > aber warum regieren unsere Nachbarn darauf nicht? Dieses Phänomen wurde sogar gestern im Deutschlandfunk intensiv behandelt.

Ohne schlüssiges Ergebnis. 

Die Justiz ist die Staatsgewalt in unserer Heimat, sie arbeitet nicht auf dem Mond, sondern mitten in unserer Gesellschaft und wird vermutlich versuchen Licht in das Dunkel dieser Morde zu bringen. Daran ändert auch nicht der wichtigtuerische mediale Zeitgeist. Über nichts redet es sich so leicht wie über fremder Leute Moral und Ethik.

Eine Gesellschaft ist erst dann fair und gerecht,

wenn die Menschen begreifen, dass Mord oder Terror keine Lösungen bieten kann.

Eine Gesellschaft wird als gerecht empfunden, wenn auch ein Hartz IV – Empfänger darauf vertrauen kann, gute und unabhängige Richter zu finden. Völlig zu Recht haben die deutschen Medien darauf hingewiesen, dass es auch im Euroland Deutschland eine Fülle von anderen Problemen gibt. Niedrig- und Dumpinglöhne sowie Alters- und Flächenarmut. Zudem sind die Grenzen der Belastbarkeit erreicht, wenn mehr als 30 Millionen Menschen in der EU ohne festen Arbeitsplatz sind. „DAS“ sind die Themen, die die Menschen in der EU und in den Euroländern unter den Nägeln brennen.  Nicht nur Arm und Reich driften auseinander, sondern auch Fachkräfte und Geringqualifizierte. Während Letztgenannte häufig nur Billigjobs finden, deren Entlohnung zum Leben kaum ausreicht, gehören Erstgenannte oft zu denen, mit deren Steuern auf Lohn und Konsum der Großteil der Staatsausgaben in der EU gedeckt wird.

 

Die deutschen Medien geraten so in die selbst gestellte Zwickmühle, denn eigentlich müssten sie sich vor allem um die Ärmeren und Arbeitslosen kümmern, um DEUTSCHE die das Rückgrat unserer Nation bilden. Mit der gleichen Lautstärke müssten sie anprangern, dass die Christen, die in der Türkei noch immer systematisch gemobbt, gedemütigt und sogar ermordet wurden – > auch Gerechtigkeit erfahren können.

Aber hier herrscht beredtes Schweigen.

NSU hat Hochkonjunktur, denn damit kann man „geschickt“ von allen anderen Problemen in Deutschland ablenken. Im Rest der EU und der Euroländer verfangen die Morde in Deutschland – > wie man unschwer feststellen kann – > kaum. Der sogenannte NSU – Prozess hilft dort nicht zur Ablenkung von den Kernproblemen der Armut und Arbeitslosigkeit.

Das mediale deutsche Trommelfeuer bleibt im Ausland ohne großes Echo.

 

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