Symbiotische Kreise?
Das gescheiterte Projekt der viel gepriesenen und in den Medien hochgejubelten Welt AG steckt den abhängig Beschäftigten von Mercedes noch immer in den Knochen. Denn trotz riesiger Transfers an Mitarbeitern, Know – How und Geld nach Amerika wird vermutlich der heutige Chrysler – Konzern nur noch mit weiteren Geldspritzen aus Washington sowie vom FIAT – KONZERN überleben können. Nun müssen die Italiener den Kopf hinhalten. Warum aber wurde die damalige Daimler – Benz AG in dieses Abenteuer gestoßen? Höchstwahrscheinlich lag bereits zum Zeitpunkt der Fusion der Chrysler – Konzern auf dem wirtschaftlichen Sterbebett, so dass man mit den deutschen Geldspritzen den Einsatz eigener Steuergelder heraus zögern konnte. Denn man musste GM retten.
Steht nun den neuen Gesellschaften der früheren Behörde „Deutsche Bundespost“ ein ähnliches Szenario bevor? In der Amtszeit von Ex – McKinsey – Berater, Klaus Zumwinkel, übernahm die Deutsche Post AG, im Kalenderjahr 2002 die amerikanische Gesellschaft DHL und im Kalenderjahr 2005 die englische Gesellschaft EXEL. Fortan trat man weltweit unter dem „glorreichen“ Namen Deutsche Post World Net auf. Die sich in den USA auch aufgrund der übermächtigen Konkurrenz von UPS und FedEx abzeichnenden Milliardenverluste sind alleine nur von der Deutschen Post zu tragen und werden weiteres Geldverbrennen in den USA nicht mehr rechtfertigen können. Wird aufgrund der relativ geringen Eigenkapitalausstattung im Verhältnis zu den exorbitanten Kaufpreisen der Beteiligungszugänge für die Deutsche Post AG zukünftig hierfür der deutsche Staat erneut einen hohen Tribut an Steuergeldern zollen müssen?
Denn aufgrund der sich abzeichnenden Milliardenverluste in Amerika erfolgte zwangsläufig der Verkauf der Postbank an die Deutsche Bank. Was steht der deutschen Post noch bevor? Seit dem 01. Januar 2008 hat die Post in Deutschland für den Geschäftsbereich „Briefverkehr“ keine Exklusivlizenzen mehr. Parallel dazu baute sich im Inland im ehemaligen exklusiven Geschäftsbereich „Briefverkehr“ Konkurrenz durch private Zustellgesellschaften, wie zum Beispiel PIN und TNT, auf. Im Kalenderjahr 2004 hatte sich der Axel Springer Verlag und die Verlagsgruppe Holtzbrinck mit jeweils 30% an der PIN MAIL AG beteiligt und die Aktien der Unternehmensgründer und der DKB Wagniskapital GmbH übernommen. Weitere Gesellschafter wurden unter anderen die WAZ Mediengruppe und die Rheinische Post. Im Kalenderjahr 2007 erhöhte der Axel Springer Verlag den Anteil an der PIN MAIL AG auf 71,6 %. Die Gesamtinvestition des Axel Springer Verlages in dieses Projekt beträgt mehr als 620 Millionen Euro.
Deshalb wird es jetzt auch immer besser nachvollziehbar, warum nicht nur die Springer – Medien in der Vergangenheit extrem positiv über neue Zustellmöglichkeiten und negativ über die „alte“ Post berichteten und die öffentliche Diskussion über Mindestlohn und Dumpinglohn desavouierend begleiteten. Eine grundlegende Voraussetzung für die Öffnung des Postmarktes war eine Ergänzung des Arbeitnehmerentsendegesetzes, das als Weichspülgesetz für zukunftsfeste langfristige Arbeitsplätze in die deutsche Geschichte eingehen wird.
Wegen der Mindestlohn – Einführung mussten zahlreiche Tochtergesellschaften der PIN – Gruppe Insolvenzantrag stellen, weil die Kalkulation der Lohnkosten einen Mindestlohn nicht vorsah. Aufgrund der hohen Verluste hat der amerikanische Finanzinvestor Hellmann & Friedman weitgehend sein Engagement beim Axel Springer – Verlag wieder eingestellt und mit dem Verkauf der Aktien einen herben Verlust hinnehmen müssen. Der Aktienerwerb am Springer – Verlag wurde über die Deutsche Bank vorfinanziert. Als Sicherheit diente die Hinterlegung der Aktien. Inwieweit bei der Deutschen Bank aus diesem Kreditengagement noch ein Verlust entstehen könnten, war noch nicht zu ermitteln.
Die Absichten der Amerikaner für den deutschen Post- und Fernmeldemarkt wurden durch diesen Rückzug enttarnt:
1. Beherrschung des deutschen Post- und Fernmeldewesens. 2. Finanzierung über die Sozialisierung von Verlusten. 3. Zerstörung bewährter und zuverlässiger Poststrukturen. 4. Vernichtung von sicheren Langzeitarbeitsplätzen. 5. Unterlaufung von hoheitlichen Aufgaben. 6. Destabilisierung von Infrastrukturen durch Schließung von Postämtern. 7.Statt vertraulichem Briefverkehr mehr offene und einsehbare E – Mails.
Der bereits eingesetzte Qualitätsverlust der Postzustellung führte schon dazu, dass deutsche Bürger zwangsläufig auf Informationswege wie zum Beispiel E – Mail, ausweichen, die bis heute noch kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Es scheint die meisten User noch nicht zu stören, dass man sehr leicht mit der Hilfe von E – Mail – Überwachungssystemen heute schon den Informationsaustausch deutscher Bürger flächendeckend erfassen und gezielt nach Stimmungsbildern auswerten kann.
So wird auch besser verständlich, dass trotz eines kontinuierlichen Kursverlustes amerikanische Heuschrecken, sich an der deutschen Telekom beteiligen, obwohl unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten dieses Engagement zurzeit keinerlei Sinn macht. Sobald sich aber der E – Mail – Informationsverkehr gegenüber der vertraulichen Briefzustellung durchgesetzt haben wird, werden kostenfreie E – Mails der Vergangenheit angehören. Das finanzielle Engagement von amerikanischen Heuschrecken im Bereich Post- und Fernmeldewesen in Deutschland mutiert dann quasi von heute auf morgen zum Mega – Deal.
Die derzeitige Diskussion der Wasser – Privatisierung in Brüssel lässt freundlich grüßen.
Es verwundert deshalb nicht, dass im Vorfeld überwiegend Behörden den Vorreiter beim Wechsel von der bewährten alten Post zu den privaten Zustelldiensten gespielt haben. Der Ex – McKinsey – Berater Zumwinkel stürzte die Deutsche Post AG im Zeichen des Globalisierungswahns in unübersichtliche finanzielle Abenteuer, während er gleichzeitig in Deutschland widerstandslos den privaten Postzustellern das Feld überließ.
Darüber hinaus schwächte Zumwinkel die eigene Marktposition durch die Schließung von Postfilialen und die Reduzierung von Briefkästen noch zusätzlich. Es ist besonders auffällig, dass sich die Deutsche Post mit keiner Aktion gegen das Aufkommen der privaten Postzusteller ernsthaft zur Wehr setzt und man dadurch die eigenen wirtschaftlichen Interessen sträflich vernachlässigt. Die Deutsche Post hat sich durch die unpopulären Maßnahmen Stellenabbau und Standortschließung die wirtschaftliche Marktteilnahme vorsätzlich selbst verbaut. Der Marktvorsprung aus dem flächendeckenden Filialnetz und der Nähe zum Kunden wurde ohne erkennbaren Grund leichtfertig verspielt. Mit diesem dubiosen Vorgehen wurde gezielt die Zuverlässigkeit der Postmitarbeiter unterlaufen und ihre Loyalität regelrecht zermürbt. Kritisch betrachtet kann der Eindruck entstehen, dass die Privatisierung der Postzustellung eine gemeinsame konzertierte Aktion aus den verantwortlichen Vorständen der Deutschen Post AG und den privaten Postzustellern PIN und TNT sei. Denn es ist doch kein Zufall, dass alle Schlüsselpositionen in den Vorständen der ehemaligen staatlichen Deutschen Bundespost, der Deutschen Telecom, der Deutschen Post AG und der Postbank ausschließlich von Ex – Beratern von McKinsey besetzt gehalten werden. Denn ohne die Hilfe von willfährigen Ex – Meckies und den sklavisch agierenden atlantischen Netzwerkern in Politik und Medien könnte die amerikanische Strategie nicht aufgehen.
Vermutlich soll sogar unter der Führung von Ex – Meckies das verfassungsrechtlich verankerte deutsche Post- und Fernmeldegeheimnis versenkt werden. Wahrscheinlich spielen hier bereits neoliberale und korporatistische Politiker den Steigbügelhalter, damit zukünftig deutsche Bürger für ehemals kollektive Leistungen erneut kräftig bezahlen müssen. Bei einem völligen Zerfall der Grundstrukturen der ehemaligen Deutschen Bundespost sowie bei einem anhaltenden Aderlass durch Verluste der ausländischen Abenteuer wird demnächst ein weiterer Rettungsschirm der Bundesregierung notwendig werden, um einen minimalen Restbestand der Deutschen Post noch zu gewährleisten. Vertrauliche oder förmliche Postzustellungen gehören dann der Vergangenheit an und werden durch kostenpflichtige Lesebestätigung einer E – Mail abgelöst.
