1 Schreiben an Herrn Erich Sixt

DRSB

Deutscher Rentenschutzbund e.V.

 

DRSB e.V. ∙ Ikenstraße 8 ∙ 40625 Düsseldorf

Herrn

Erich Sixt

Vorsitzender des Vorstandes

 

Sixt Aktiengesellschaft

Zugspitzstraße 1

D – 82049 Pullach

 

Düsseldorf, den 04. November 2008

 

Erstes offenes Schreiben an

Herrn Erich Sixt

Vorsitzender des Vorstandes der Sixt Aktiengesellschaft

 

 

Altersarmut? Nicht, wenn man bei Sixt least.”

Hier: Spaßautos günstig: sixt – leasing.de – Werbekampagne mit Johannes Heesters

 

Sehr geehrter Herr Sixt,

 

zwei Nachkriegsgenerationen haben in einer der längsten Friedensphasen in unserem Land dafür gesorgt, dass durch harte, fleißige und systematische Arbeit ein stetig steigender Wohlstand mit guter sozialer Sicherheit entstehen konnte. Mit der Agenda 2010 wurde kontinuierlich mit einem Sozialabbau begonnen, den bis dahin kein Bürger für möglich hielt und der eine weitere Wohlstandsmehrung bis heute nachhaltig vorsätzlich behindert.

 

Allein durch erhebungstechnische Veränderungen in den staatlichen Statistiken und den demographischen Verlaufsdarstellungen konnte bisher verhindert werden, dass die „magische” 5 – Millionen – Arbeitslosengrenze erreicht, ja sogar deutlich überschritten wurde.

 

Die so genannte nachgelagerte Besteuerung sorgt mittlerweile dafür, dass zwanzig Millionen aktuelle Rentenbezieher ihr real gesunkenes monatliches Alterseinkommen versteuern müssen. Diese aktuellen Rentenbezieher werden schon heute von den Finanzämtern in Angst und Schrecken versetzt und in circa einer Million Fällen wie unredliche Steuerzahler oder gar als Steuerhinterzieher gejagt.

 

Beschleunigt durch die Agenda 2010 müssen jetzt erstmalig aktuelle Rentenbezieher schmerzhafte Wohlstandsverluste erleiden und deren Alterseinkommen wird mittelfristig derart dramatisch sinken, so dass die Altersarmut in Deutschland, ganz anders als noch vor zehn Jahren, schon heute zu einer realen Gefahr geworden ist. Prekäre Zeitarbeitsmodelle, das Versagen von Bankmanagern sowie die weltweite blitzartige Ausdehnung der US – Finanzkrise lassen die deutschen Bürger mit ihrer Angst, Ungewissheit und Zukunftssorge in eine Phase der völligen politischen Unordnung schliddern. Wenn wir im 21. Jahrhundert also noch ein Land des Friedens, der Freiheit, der sozialen Gerechtigkeit und des Wohlstands sein wollen, dann muss sich recht bald in Deutschland sehr viel ändern.

 

Aufgrund dieser Entwicklungen ist die so genannte „Volksseele” in unserem Land in einer denkbar merkwürdigen Verfassung. Die meisten Bürger sehen der Zukunft mit mehr oder weniger großen Sorgen entgegen. Von einer positiven Grundstimmung, Optimismus oder sogar Euphorie ist in der Bevölkerung nichts zu spüren. Dagegen nehmen der Leistungsdruck und die Angst rapide zu.

 

In einer solchen ambivalenten Situation eine Werbekampagne zu starten, die den Eindruck vermittelt, dass man Altersarmut durch Sixt – Leasing vermeiden könnte, ist an Geschmacklosigkeit nicht mehr zu steigern und verhöhnt in einer so niemals da gewesenen Werbebotschaft alle aktuellen und zukünftigen Rentenbezieher und Pensionäre.

 

Den bekanntlich mehrfachen Millionär Johannes Heesters als symbiotische Figur darzustellen, der keine Millionen mehr braucht, sondern nur ein Cabrio von Sixt, rundet in zynischer Art und Weise die Philosophie Ihrer Werbeagentur ab.

 

Vertraute Werte und Orientierungen gehen mit Ihrer Werbekampagne verloren, denn der rasche Wandel der vertrauten Werte und Ordnungen erzeugt zusätzlich einen hohen Verlust an Orientierung. Das Gespenst einer maroden Finanzwirtschaft und einer kalten Gesellschaft spiegelt sich somit in der Sixt – Werbebotschaft wieder.

 

Wir bitten Sie deshalb, sehr geehrter Herr Sixt, diese völlig geschmacklose Werbeentgleisung nicht weiter zu publizieren und mit sofortiger Wirkung vom Markt zu nehmen. Die Einstellung der rücksichtslosen Desavouierung, Diskreditierung und Diskriminierung der schon heute von Altersarmut Betroffenen muss auch in Ihrem Sinne Vorrang vor der Profitgier Ihrer Geschäftsmodelle haben.

 

Für ein klärendes persönliches Gespräch mit Ihnen stehen wir gerne jederzeit zur Verfügung.

 

Mit freundlichen und besten Grüßen aus Düsseldorf

Ihr

Ihr

Udo Piasetzky

Andreas Kallen

Vorstandsvorsitzender des

Rechtsanwalt und Vorsitzender der

DRSB e.V.

DRSB – Rechtskommission

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