Versagen die Eliten?
Teil 59
Weltsozialforum
Der hohe Preis für die unerfüllten Ansprüche
15. Juni 2011
Das Licht am Ende des Tunnels kann auch ein entgegenkommender ICE sein. Ähnlich verhält es sich mit der Entwicklung des Bewusstseins für die tatsächliche Bedeutung der Menschenrechte in den meisten Staaten der Welt. Die diversen Solidaritätsbewegungen in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts stellten in der Geschichte des Imperialismus ein bis dahin unbekanntes Moment dar. Niemals zuvor stellten sich so viele Menschen aus den imperialen Gesellschaften auf die Seite der Schwachen und Opfer. Die daraus entstandenen internationalen Organisationen [ NGOs ] sind heutzutage in fast allen Teilen der Welt tätig und rufen in repressiven Staatsgebilden Misstrauen und Ablehnung hervor. Man trifft sich jedes Jahr auf dem
Weltsozialforum,
um sich über die Verbreitung der Menschenrechte sowie deren demokratischen Kontrollmöglichkeiten auszutauschen. Welche Perspektiven die Menschheit hat, hängt aber augenscheinlich nicht vom politischen Erfolg der teilnehmenden Organisationen ab. Der Nobelpreisträger für Literatur,
Bertrand Arthur William Russell,
äußerte mehrfach seine Gedanken über die Zukunft des Weltfriedens sowie über die Herausforderungen an die Politiker:
„Jahrelang hat die Erde harmlose Trilobiten und Schmetterlinge hervorgebracht, bis die Fortschritte der Evolution zur Entstehung von Neros, Dschingis Khans und Hitlers führten. Aber das ist, wie ich glaube, nur ein Alptraum, der vorübergeht, irgendwann wird die Erde wieder unfähig sein, Leben zu erhalten, und dann kehrt der Friede zurück”
Russells
Gedanken sorgten für ein allgemeines intellektuelles Erwachen, obwohl sie von der Dimension her jenseits der realistischen Betrachtungsweise liegen. Denn könnten man jedes Maß an Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit erreichen, dann würden die konstruktiven Formen des Denkens und Handelns den Lauf der Geschichte bestimmen.
Stellen wir einmal die drei vom DRSB beschrieben Hauptprobleme der exponentiell ansteigenden Armut, Bevölkerungswandel, Klima, Wasser sowie Umweltschutz auf den globalen Prüfstand des 21. Jahrhunderts und vergleichen, wieviel von den Millenniumsversprechen der Staatengemeinschaft tatsächlich erfüllt werden konnte.
Armut
Die Herausforderung für unsere Politiker:
Wenn nichts getan werden sollte, dann bleiben mehr als 1 Milliarde Menschen in der Armutsfalle sitzen und die Armut steigt weiter an.
Das Millenniumsversprechen:
Senkung der extremen Armut und des Hungers um die Hälfte, Reduzierung von Krankheiten um mehr als die Hälfte [ definiertes Millenniums - Entwicklungsziel ].
Die geplante Umsetzung der Ziele:
Die tatsächliche Umsetzung der Millenniums – Entwicklungsziele ist bis 2015 vorgesehen. Die komplette Beseitigung der extremen Armut plant man bis 2025. Massive Finanzhilfen für arme Länder, um der Armutsfalle zu entkommen.
Die Folgen des Scheiterns:
Weltweite Instabilität und der Zusammenbruch der staatlichen Ordnung sowie der unkontrollierte Ausbruch von gefährlichen Pandemien. Das Risiko weltweiter Konflikte, ausgelöst durch wachsende wirtschaftliche Instabilität und soziales Versagen der Politiker, steigt rasant.
Bevölkerungswandel
Die Herausforderung für unsere Politiker:
Der Bevölkerungsanstieg auf über 9 Milliarden Menschen gilt als wahrscheinlich. Realistischer dürften die Hochrechnungen sein die bis zu 11 Milliarden prognostizieren.
Das Millenniumsversprechen:
Weltweiter unbeschränkter Zugang zur Familienplanung bis 2015. Internationale Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung.
Die geplante Umsetzung der Ziele:
Stabilisierung der Weltbevölkerung bei maximal 8 Milliarden bis 2050 durch freiwillige Senkung der Geburtenrate. Verbal herausgestellte Bewältigung der Herausforderung einer nachhaltigen Familienplanung.
Die Folgen des Scheiterns:
Hoher Anteil an Jugendlichen an der Bevölkerung. Exponentiell ansteigender Druck auf die Umwelt sowie stark ansteigende völlig unkontrollierte globale Migrationsströme.
Klima, Wasser sowie Umweltschutz
Die Herausforderung für unsere Politiker:
Ein Klimawandel der die kritische Schwelle bereits in 5 Jahren überschreitet, verbunden mit einem massiven Artensterben. Zunehmende Dürreperioden in fast allen Weltregionen verbunden mit dramatischem Trinkwassermangel.
Das Millenniumsversprechen:
Senkung der Treibhausgase, damit der Klimawandel bei unter 2 Grad Celsius bleibt. Nachhaltiges Management zur Arterhaltung und zur Verbesserung der Ökosysteme. Sicherstellung der Wasserversorgung für weltweit alle Haushalte und der Landwirtschaft. Globale Kooperationen zur Umsetzung der Milleniumsversprechen.
Die geplante Umsetzung der Ziele:
Eine gefährliche, vom Menschen verursachte Störung des Klimas vermeiden. Geplant ist eine sogenannte Klimarahmenkonvention. Eindämmung der Wüstenbildung Geplant ist eine sogenannte Wüstenkonvention. Rückgängigmachung des Artensterbens. Geplant ist eine sogenannte Biodiversitätskonvention.
Die Folgen des Scheiterns:
Massiv anschwellende Flüchtlingsströme und explosionsartig ansteigende Todesfälle aufgrund von Missernten. Regelmäßige Hungersnöte und der Kollaps der Ökosysteme weltweit. Dadurch zunehmende Spannungen zwischen Industrie- und Drittländern und das Scheitern der globalen Ziele.
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Urteilen Sie nun selbst wieviel von den hochtrabenden Zielen bereits erreicht werden konnte. Recherchieren Sie im Internet und sind Sie nicht enttäuscht, wenn Sie feststellen, dass die diversen NGOs und globalen Verbände nicht das Geringste bis heute in Gang setzen konnte, außer der Verbesserung der verbalen Darstellung der Probleme sowie deren fatale Auswirkungen. Die weltweiten Armutsfallen entwickeln eine Eigendynamik die alle Vorstellungen übersteigt und korrigiert sich nicht von selbst. Die Überwindung der weltweiten Armutsfallen erfordern auch in unserer Heimat sofortige nutzmehrende Maßnahmen und vermehrte Anstrengungen zur Beseitigung der Ursachen. Die Armut in Afrika oder auch in unserer Heimat ist nicht unabänderlich. Sie erfordert jedoch eine zielstrebige Bekämpfung mit tauglichen Systemen. Das Überlassen der Armutsbekämpfung durch den Neoliberalismus ist nachweislich „grandios” gescheitert. Die blinden Kräfte des Marktes sind bis heute nicht in der Lage gewesen Armut und die direkten Folgen zu verhindern. Nur nachhaltige Entwicklung bedeutet in allen Staaten Wohlstand für die Menschen. In der praktischen Arbeit erfordert es grundlegende Veränderungen der bisherigen Vorgehensweise, denn selbst die wissenschaftliche Forschung insgesamt, auf der unsere nachhaltigen Technologien beruhen, ist streng genommen ein öffentliches Gut, dass durch die neoliberalen Kräfte des Marktes nicht vernichtet werden darf. Nachhaltige Technologien bringen jeder Gesellschaft die sie hervorbringen kann enorme Vorteile, wenn sie nicht dem
Killer - Kapitalismus
zum Fraß vorgeworfen werden. Wissenschaftliche Forschung und deren Erkenntnisse sollten deshalb von marktdominierenden Maßnahmen befreit und mit finanziellen Mitteln jedes Staates unterstützt werden. Denn solange rund 1,3 Milliarden Menschen vom Wirtschaftswachstum ausgeschlossen werden steigt die Gefahr, dass die sozialen Krisen an Häufigkeit zunehmen ins unendliche. Die Protagonisten in den Parteien, Staaten, der UNO sowie in allen NGOs haben zwar alle die beschriebenen Probleme erkannt, exakt aufgelistet und in gewisser Weise auch inhaltlich verstanden, aber sie behandeln sie nach wie vor nur als lästige Symptome, die es „irgendwie” zu beseitigen gilt. Doch man hat kaum realistische Chancen, auch nur ein einziges Problem zu lösen, solange man nicht erkennen möchte, dass alle Probleme durch Ursache und Wirkung miteinander eng verbunden sind. Die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts ist, dass wir uns der Tatsache vorbehaltlos stellen, dass auf unserem blauen Planeten die Schicksale aller Menschen, ob
GELB, ROT, SCHWARZ, BRAUN oder WEISS
untrennbar miteinander verbunden sind. Bedauerlicherweise haben viele Staats- und Regierungschefs diese offenkundigen grundlegenden Tatsachen noch immer nicht akzeptiert.
