Versagen die Eliten Teil 49


Versagen die Eliten?

Teil 49

ABS und MBS

 

16. September 2010

 

Wer ab dem Jahr 1980 geboren wurde, wird sich an die Pleite der Kölner Herstatt Bank im Jahre 1974 kaum erinnern können. Es sei denn, dass Thema

Bankpleiten

stand oder steht auf dem Lehrplan der Volks- oder Betriebswirtschaftslehre einer Universität. Damals führte die „kleine und lokale” Bankkrise in Köln / NRW zu schwierigen internationalen Konsultationen zwischen Politikern, Notenbanken und Finanzbeamten der EWG [ Europäische Wirtschaftsgemeinschaft ]. Man war fest entschlossen, dass sich ein derartiges negatives Szenario nicht wiederholen sollte. Ohne die Mitwirkung der USA einigten sich die Sicherheitsakteure aus Politik, Wirtschaft und Verwaltungen, auf ein kaufmännisch sinnvolles Prinzip, Banken und sonstigen Finanzhäusern Obergrenzen für eine Kreditvergaben aufzuerlegen.

Diese so genannten Eigenkapitalregeln bezeichnete man als

Basel I.

Damit wollte man allen Bankkunden seriöses Handeln signalisieren, denn Basel ist der Hauptsitz der

BIZ

Bank für Internationalen Zahlungsausgleich.

Vom logischen Ansatz her eine vermeintlich vernünftige Maßnahme zur Wahrnehmungssteuerung. Doch wie so oft im Leben, haben besonders die gut gemeinten Ratschläge oder Regelungssysteme ungeahnte

Nach- und Nebenwirkungen,

zu denen weder „ihr Arzt” noch „ihr Apotheker” hilfreich zur Seite stehen können.

Das durchaus sinnvolle Regelungsprinzip

Basel I

hat solche Nach- und Nebenwirkungen, die sich Jahrzehnte später, quasi als

Brandbeschleuniger”,

für die aktuelle US – Finanz- und Wirtschaftskrise erweisen sollte. Denn die andauernde gefährlichste Finanz- und Wirtschaftskrise seit acht Jahrzehnten hat die Wirtschaftsordnung in der Welt schwer erschüttert. Wer sich in der Welt der Banker und deren verquirltem Sprachgebrauch nicht auskennt, wer die Buchstabenkombination

ABS

für ein „Antiblockiersystem” oder für das „Aktionsbündnis gegen Studiengebühren” hält und die Buchstabenkombination

MBS

mit „Microsoft Business Solutions” oder mit der „Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam” verwechselt, sollte jetzt konzentriert weiterlesen.

ABS und MBS

bilden im fatalen Zusammenwirken mit Basel I einen symbiotischen Kreis, der auch in den kommenden fünf bis zehn Jahren unabsehbare Folgen für Sparer, Versicherungskunden und ganze Wirtschaftszweige haben könnte.

Gehören Sie zu der Gruppe der Millionen Menschen

in unserer Heimat, die gutgläubig eine Kapitallebensversicherung oder eine Riesterrente abgeschlossen haben?

Gehören Sie zu der Gruppe der Millionen Menschen

in unserer Heimat, die fest daran glauben, ihre Spargroschen bei Banken seien eine sicherer Kapitalanlage?

Gehören Sie zu der Gruppe der Millionen Menschen

in unserer Heimat, die noch immer die Hoffnung pflegen, dass die getätigten Fondsanlagen später eine Zusatzrente auslösen?

Auch dann sollte man aufmerksam weiterlesen, denn die aktuelle US – Finanz- und Wirtschaftskrise wird mittel- und langfristig auch in unserer Heimat Banken, Fondsgesellschaften und Versicherungsgesellschaften reihenweise zusammenbrechen lassen. Die ersten erkennbaren Anzeichen sind die so genannten

Bad Banks

und dass einzelne Versicherungsgesellschaften bereits jetzt schon größere Teile ihrer Kapital – Rücklagen auflösen müssen, um den Kunden noch die versprochene Verzinsung des Sparanteils gutbringen zu können. Das gleiche Szenario spielt sich in den meisten Fondsgesellschaften ab, die gezielt ihre Reserven angreifen und oftmals nur noch von der Substanz leben. Viele Menschen in unserer Heimat fragen sich schon längere Zeit:

Wie ist so etwas möglich?

Die zahlreichen

Nach- und Nebenwirkungen

[ Schlupflöcher ]

des Regelungsprinzips nach Basel I führten dazu, dass ganze normale Geschäftsbanken die Obergrenzen der Kreditvergabe gemäß Basel I aushebeln konnten, indem man existierende Kredite in den Kapitalmarkt abschob und somit neue Spielräume für Kreditvergaben erhielt. Man entfernte „alte” oder „lästig” gewordene Kreditverpflichtungen aus den Bilanzen. Völlig legal durch einen Verkauf in den „wilden” Finanzmarkt. Dazu benötigte man aber ein innovatives System von Zweckgesellschaften, die vermeintlich besicherte Wertpapiere herausgaben. Eine recht einfache Übung für international operierende Banksysteme, denn die

Asset - BackedSecurities

[ ABS ]

waren aus unterschiedlichen Kreditarten leicht zusammen zu mixen. Handelte es sich um Hypotheken, dann bezeichnete man diese angeblichen Wertpapiere als

MortgageBackedSecurities

[ MBS ].

Kredite und Hypotheken wurden also bedenkenlos in festverzinsliche Wertpapiere umgewandelt und an professionelle Investoren verkauft. Für die Millionen Bankkunden, die als Kredit- oder Hypothekennehmer ihre Darlehen zurückführen mussten, änderte sich nicht viel, denn es wurden lediglich die Geldflussfaktoren umgeleitet. Das Vermögen oder die Schulden von

Asset - BackedSecurities oder MortgageBackedSecurities

tauchten durch diese Form der Transformierung in keiner Bankbilanz mehr auf. Denn wären diese „verkauften” festverzinslichen Wertpapiere in den Bankbilanzen erkennbar aufgetaucht, hätte man das „Modell” nicht Jahre lang durchziehen können.

Jetzt dämmert es so langsam vielen Leser, warum es zu einer explosionsartigen Vermehrung von unterschiedlichen Fondsgesellschaften kam, die oftmals auf äußerst exotischen Inseln beheimatet sind, deren Mitarbeiter aber in Frankfurt, London, Zürich oder New York arbeiten. Man brauchte eine große Anzahl von Investoren, die die verbrieften ABS- und MBS – Papiere der Zweckgesellschaften kauften.

Wie konnte oder kann noch

ein so hinterhältiges Modell funktionieren?

Die Erklärung ist genauso einfach wie gefährlich:

Jeder Kredit, jede Hypothek ist grundsätzlich zunächst ein Vertrag zwischen zwei Vertragsparteien und kann somit nicht an einer Börse gehandelt werden. Formt man aus diversen Kredit- und Hypothekenverträge aber so dargestellte

festverzinsliche Wertpapiere

[ ABS / MBS ],

dann hat man eine handelstaugliche Börsenware. Der Preis dieser frischen Börsenware richtet sich ausschließlich nach der Wahrscheinlichkeit, dass die Kredit- oder Hypothekennehmer ihre Verpflichtungen ordnungsgemäß zurückzahlen. Mit ein klein wenig mathematischer Kosmetik kommt man zu erstaunlichen Ergebnissen. Und durch die willfährige Hilfe der Ratingagenturen wurde es möglich gemacht, dass selbst vormals seriöse Bankhäuser kaum noch nach den Kredit- und Hypothekenrisiken fragten. Man vertraute nahezu blind auf die Gütesiegel der Ratingagenturen. Nur so scheint es erklärbar, dass selbst erfahrene Banker auf diese Mutation der ABS- und MBS – Papiere reihenweise hereinfielen. Denn man bestimmte die Ankauf – Preise für die

festverzinslichen Wertpapiere

nicht mehr nach der herkömmlichen Spielregel von Angebot und Nachfrage, sondern stützte seine Ankaufentscheidungen auf reine mathematische Kosmetik. Das klingt alles fürchterlich verrückt, aber genauso wurden die dubiosen Transaktionen durchgeführt. Man kaufte entweder wie wild Kredite, Hypotheken und sonstige Wertpapiere auf und verformte sie nach bestimmten Mutationsregeln in andere Wertpapiere. Ob nun in unserer Heimat IKB, WestLB oder HRE sich an solchen fragwürdigen Geschäften beteiligten, ist zunächst von untergeordneter Bedeutung, denn solange Zins und Tilgung in den Kreislauf der Kapitalflussfaktoren stabil blieben, freute man sich über Milliarden [ Luft - ] Gewinne. Womöglich, in fortwährenden Anfällen von Euphorie und Wahnsinn übersah man bei den verantwortlichen, dass die ABS oder MBS – Papiere keinesfalls den sicheren Status von

AssetBacked Commercial Paper

[ ABCP ]

hatten. Dies besicherten Geldmarktpapiere sind mit ausreichenden Sicherheiten hinterlegt. Spätestens wenn auch in unserer Heimat die eine oder andere Bank noch in Schwierigkeiten gerät, wird man höchstwahrscheinlich von den verantwortlichen Bankern die Ausrede zu hören bekommen, dass man ABS- oder MBS – Papiere mit den sicheren ABC Paper verwechselt hat. Damit versucht man vom eigenen Versagen oder vermutlich von der eigenen Gier abzulenken. Die Realität sieht aber gänzlich anders aus, denn die Spekulationsblase im US – Hypothekenmarkt entstand hauptsächlich durch die so genannten

CovernantLightKredite

[ lockere Vertragsregelung ].

Diese in den USA speziell ausgeprägte Kreditvergabeform verzichtet weitgehend auf Sicherungs- oder Vorsichtmaßnahmen [ zum Beispiel kein Grundbucheintrag ] und wurde mit großer Vorliebe für Hypotheken eingesetzt. Die fehlenden Absicherungsmaßnahmen sollten durch höhere Zinsen abgedeckelt werden. Bekanntlich hat das Modell versagt, denn die „Subprime – Kredite” waren der erste Stein, der die Lawine ins Rollen brachte. Die problematische Zone erreichten diese hochriskante Kreditvergabeform bereits 2003 / 2004, was zu einer ungeahnten Vermehrung von ABS- und MBS – Papieren führte. Dunkelrote Warnsignale waren ausreichend vorhanden und wurden aufgrund der vermeintlich zu erzielenden Gewinnmarge vermutlich vorsätzlich überfahren. Noch heute unterliegen selbst die direkt betroffenen Bankhäuser dem fulminanten Fehlurteil, dass Liquidität in ausreichender Menge am Weltmarkt vorhanden ist. Man jongliert also „lustig” weiter mit den Milliarden herum und versucht den Eindruck zu erwecken, dass „ALLES” völlig in Ordnung ist. In den unendlichen Weiten der Finanzmeere warteten die nächsten Schockwellen auf ihren Auftritt. Das versagende Zusammenspiel von kollabierenden Kreditmärkten, gierigen und abgebrühten Bankern sowie völlig überforderten Zentralbanken wäre selbst für verstehende Politiker äußerst schwer in den Griff zu bekommen. Hektisch zusammengeschusterte milliardenschwere Rettungsschirme zur Beruhigung der Menschen in unserer Heimat sind ab 2011 kaum noch darstellbar. Benutzen wir einmal den verdrechselten Sprachgebrauch von

McKinsey.

Deutschland benötigt einen

Systemrelevanten Wechsel

für Banken, Versicherungsgesellschaften und Finanzmärkte. Nur dann können wir gemeinsam mit allen europäischen Partnern der noch vor der Tür stehenden

Weltschuldenkrise

auf Dauer trotzen. Die Milliardengräber von IKB, WestLB und HRE sind lediglich die Spitze des Eisbergs. Ein Zusammenbruch der HRE könnte vermutlich das Ende der privaten Renten einläuten und wäre für zukünftige und aktuelle Rentenbezieher ein HYPER – GAU. Denn ganz offensichtlich steckt das angesparte Geld der Renten – Sparer in ungesichterten vermeintlichen Wertpapieren.

BAD BANKS

verschleiern die Realität und sind somit keine Lösung für das Problem und schädigen wahrscheinlich die Altersversorgung von Millionen Menschen in unserer Heimat.

 

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ABS und MBS

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