Unter falscher Flagge
Riestern ohne Zulage?
13. November 2010
Besonders gerne verwenden Politiker, Nachrichtendienstler und Militärs den Begriff
„falsche Flagge”.
Der allgemein bekannte Ausdruck stammt ursprünglich aus der Seefahrt und bezeichnete militärische Unternehmungen, die zur Verschleierung der Identität und wahren Absichten bestimmter Missionen dienten. Der tatsächliche Urheber konnte durch die Desinformation von
„falschen Flaggen”
gezielt von den oftmals unredlichen Vorhaben ablenken.
Häufig werden verdeckte Operationen von Geheimdiensten unter falscher Flagge durchgeführt, um beteiligte Staaten und Auftraggeber nicht dem Licht der Öffentlichkeit auszuliefern. Zum Beispiel gerät der amerikanische Geheimdienst CIA regelmäßig nach gescheiterten Operationen in das Kreuzfeuer der Medienkritik.
Unter dem Begriff
„riestern”
versteht die Mehrheit der Menschen in unserer Heimat immer noch den Abschluss von Renten-, Bauspar- oder Sparverträgen, die durch staatliche Zulagen gefördert werden. Bekanntlich hat die so genannte Riester – Rente zu anhaltender Kritik geführt, weil die mit der Zulage verbundenen Auflagen und Bestimmungen zu diversen gravierenden Nachteilen für die Riesterkunden führen.
Die TV – Berichterstattungen in den zurückliegenden Wochen deckte sogar auf, dass bestimmte Versicherungsgesellschaften ihre Rentenversprechen nicht mehr einhalten konnten. Es hat sich langsam in der Bevölkerung herumgesprochen, dass sich das so dargestellte
„riestern”
nicht lohnt und eine verlässliche oder zukunftssichere private Altersvorsorge damit nicht zu erreichen sein wird. Auch die später heftig zuschlagende so genannte
nachgelagerte Besteuerung
hat bereits viele potentielle Interessenten abgeschreckt. Auch hat die schwerste US – Finanz- und Wirtschaftskrise seit 80 Jahren das Vertrauen der Menschen in Banken und Versicherungskonzerne fundamental erschüttert. Die zur Beruhigung der Menschen in Europa geschnürten milliardenschweren Rettungspakete haben dem Grunde nach ihre Wirkung völlig verfehlt. Spürbare Zurückhaltung beim Abschluss von geförderten Renten-, Bauspar- oder Sparverträgen nach dem untauglichen Riester – Fördermodell ist deshalb für Realisten keine allzu große Überraschung. Nach dem
US – Subprime – Wahnsinn
sind auch die Geldströme in die meisten Fondsgesellschaften ausgetrocknet. Die Krise, die im undurchsichtigen Subprime – Geschäft in den grauen Vororten amerikanischer Mittel- und Großstädte ihren eigentlichen Ursprung nahm, hat nicht nur viele Banken, sondern auch Fondsgesellschaften in den Abgrund gezogen. Natürlich ist in unserer Heimat das Problem nicht nur auf HRE, IKB, Landesbanken und sonstigen Geschäftsbanken beschränkt. Überall in Europa haben die Menschen es schmerzhaft verspürt, dass die versprochenen Traumrenditen von bis zu 20% jeder Realität entbehren. Besonders viele aktuelle Rentenbezieher wurden durch fehlerhaft gemanagte Fondsgesellschaften um ihr erspartes Geld gebracht.
Quasi im Hauruck – Verfahren hat man gutgläubige ältere Menschen in unserer Heimat um ihre zurückgelegte Liquidität fürs Alter gebracht. Ein kurzfristiger Käuferstreik wäre für Banken, Fondsgesellschaften und Versicherer der Mega – Gau gewesen, doch die extrem hohen Zahlungsausfälle der amerikanischen Schrottpapiere haben in unserer Heimat nicht nur die
BAD BANKS
aus dem Boden sprießen lassen, sondern den vermeintlichen Käuferstreik verlängert. Überall auf den Chefetagen von Banken, Fondsgesellschaften und Versicherungskonzernen gilt es die Überlebensfrage der kommenden sechs Monate zu lösen:
„Wie können wir uns mit frischer Liquidität versorgen”?
Allerorts ist also Innovation und Kreativität gefragt.
Und siehe da, man glaubt die Lösung gefunden zu haben. Nachdem man mit mäßigem Erfolg beim DRSB versuchte, Plagiat und Markenmissbrauch zu betreiben und von der Fachpresse dafür hart gerügt wurde, weil die Produktversprechen vermutlich vollkommen überzogen waren, versuchen nun seit einigen Wochen verschiedene Fondsanbieter neue Zielgruppen in vermeintlich steuerbegünstigte Fonds zu locken. Der verblüffende Überraschungseffekt:
Man setzt auf „so dargestellte” ungeförderte Riester – Verträge!
Also ohne jegliche staatliche Zulage. Wie man solche Verträge dreht oder wendet:
Es sind kein Riestermodelle!
Deshalb ist das Haupt – Werbeargument neben dem Steuereffekt die vorgebliche Beitragsgarantie. Über die Gefahren von Steuereffekten und deren negative Auswirkungen hat der DRSB regelmäßig berichtet, so dass jeder Interessierte es leicht nachlesen und verstehen kann. Besonders die oftmals leidgeprüften früheren Zeichner der vermeintlich steuerbegünstigten Filmfonds scheinen ganz offensichtlich kuriert zu sein. Ein Blick ins Internet auf die Bloggerseiten der Geschädigten spricht Bände. Wer danach noch vermeintlich steuerbegünstigte Fondsanteile kaufen möchte, dem flattert demnächst womöglich wieder ein Schreiben vom Fiskus ins Haus. Fondssparpläne, die relativ hohe Renditen versprechen, werden dabei immer mehr ins Rampenlicht gestellt, denn die Fondsindustrie lockt wieder gutgläubige Menschen in steuerbegünstigte Produkte.
Die drei größten Anbieter im Geschäft für Fondssparplänen,
Union Investment, DWS und die DEKA,
setzen auf so dargestellte
„ungeförderte Riester – Verträge”.
Stephan Kropp, Leiter Private Altersvorsorge bei Deka möchte beim Produkt
„Zukunftsplan”
mittelfristig sogar eine Quote von 50% mit den so dargestellten
„ungeförderten Einzahlungen”
erreichen. Auch der Mitbewerber DWS setzt auf das ungeförderte Riestern, denn 15% der Kunden verzichten dort bereits bei neu abgeschlossenen Riester – Verträgen auf die staatlichen Zulagen. Gemäß den Veröffentlichungen verzeichnet Union Investment seit Jahresbeginn ein Plus von 50% bei ungeförderten Verträgen.
Ein Beweis dafür, dass die untauglichen Riestermodelle auf breiter Front gescheitert sind. Vor allem Selbstständige und Freiberufler sollen angesprochen werden, denn sie haben sowieso keinen Anspruch auf Riester – Förderung. Spätestens an diesem Punkt wird jedes Verkaufsgespräch zur extravaganten Comedy – Show und führt das gesamte Modell
RIESTER
ad adsurdum. Das zeigt deutlich auf, in welch prekärer Situation die gesamte Branche steckt. Denn wer mit den Nachteilen des Riestermodells für vorgeblich ungeförderte Riesterverträge wirbt, der fährt ohne jeden Zweifel unter
falscher Flagge.
Und selbst der vom DRSB oftmals zu Recht gescholtene Mitarbeiter der Verbraucherzentrale in Baden – Württemberg,
Niels Nauhauser
[ siehe hierzu Schriftwechsel mit der Verbraucherzentrale in BW ],
warnte vor dem vermeintlichen Steuervorteil.
Der ist relativ,
sagte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden – Württemberg den Medien.
Zum Fahren unter falscher Flagge hat Niels Nauhauser bis heute keinen Ton gesagt.
================================================
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
Wir kämpfen seit 22 Jahren mit der Stimme der Demokratie für einen modernen Sozialstaat, sichere, langfristige Arbeitsplätze, sinnvolle, gerechte und lernfähige Rentensysteme, sichere, gerechte und leistungsfähige Sozialsysteme und für korruptionsfreie Demokratie in Deutschland und der Europäischen Union.
