Sprengsatz Rohstoffe 2011 02 23

Sprengsatz Rohstoffe

Wie gefährlich können Fondskonstrukte werden?

23. Februar 2011

 

Die Geschichte wiederholt sich immer wieder. Das Thema der privaten Altersvorsorge musste schon als zweckdienliches Versuchskaninchen für viele Fehlleistungen der Politik herhalten.
Der Fondsbranche winken künftig die gleichen Steuervorteile wie vormals den deutschen Lebensversicherungen.

Nicht nur deutsche Fonds sterben seit Jahren wie die Fliegen.
Nun wollen deutsche Politiker
das große Massensterben in der Finanzbranche aufhalten?

Viele Anbieter wie DWS und Allianz misten regelmäßig ihre Fonds aus, denn noch immer ziehen die Anleger in Scharen ihr Geld ab.

Ein Fünftel aller Fondsprodukte
wird die Finanz- und Wirtschaftskrise nicht überleben.
Für die verbleibenden Anleger
wird das Sterbeszenario der Fonds zum großen Problem.

Denn frei nach dem Motto, nur der Stärkere überlebt, sortieren die professionellen Anleger ihre Fondsengagements grundlegend neu. Einzelne Fonds werden geschlossen oder aber mit anderen fusioniert. Der DRSB berichtete bereits mehrfach darüber. Für Großinvestoren muss das große Fondssterben nicht zwangsläufig ein Grund zum Trauern sein. Viele Minivehikel lohnen sich für die Anleger kaum noch. Und für Kleinanleger [ Monatssparer ] drohen in vielen Fällen sogar steuerliche Nachteile.
Seit Januar 2009 sind bereits rund 200 Fonds völlig vom Markt verschwunden. Und die Bereinigung dürfte sich in diesem Jahr noch beschleunigen. Experten rechnen damit, dass bei den Fondsschließungen in diesem Jahr der Rekord aus dem Jahr 2003 egalisiert werden könnte. Vor sieben Jahren verschwanden sang und klanglos 347 Vehikel quasi über Nacht. Die Kosten für unrentable Fonds wurden und werden meistens den Kleinanlegern [ Monatssparern ] aufgebürdet. Diese übliche Praxis schmälert von vornherein die Renditechancen. Viele Gesellschaften entscheiden sich zur Quersubventionierung, um eine möglichst breite Produktpalette anzubieten. Doch in schlechten Zeiten werden aus Effizienzgründen auch Fonds geschlossen, die sonst mitgeschleppt worden wären. Denn viele Fondsbetreiber haben ein Kernproblem. Kursverluste einerseits und Abflüsse andererseits haben die Fondsvolumen derart zusammenschmelzen lassen, dass sie sich für alle Anbieter nicht mehr rechnen. Allein bei den größten zwölf Fondsanbietern Deutschlands weist knapp die Hälfte der 3500 hierzulande angebotenen Portfolien Volumina von unter 50 Millionen Euro aus. Unter dieser Größe lässt sich ein Portfolio eigentlich nicht mehr wirtschaftlich verwalten, denn die Gebühren für die jährlichen Prospektpflichten oder auch die Transaktionskosten für Portfolio Umschichtungsaktionen fallen bei kleineren Anbietern noch stärker ins Gewicht. Nach dem Fortfall des Steuerprivilegs von Lebensversicherungen mit dem Alterseinkünftegesetz im Kalenderjahr 2005 wurden für neue Verträge in Anlehnung an das so genannte Halbeinkünfteverfahren die Kapitalerträge aus Lebensversicherungen zur Hälfte steuerfrei gestellt. Die Laufzeit der Lebensversicherungsverträge muss hierbei mindestens 12 Jahre betragen und darf nicht vor dem 60. Lebensjahr ausgezahlt werden. Mit diesem „Kompromiss” lebt die Assekuranz mehr oder weniger recht und schlecht. Auch für den Menschen in unserer Heimat ist diese Änderung für den Aufbau einer sinnvollen und nutzmehrenden Altersvorsorge weder Fisch noch Fleisch. Nach den bestehenden Finanzregeln können Anteilsscheine an Investmentfonds in der Regel an jedem Börsentag gehandelt werden.

Die Erträge aus den Fonds unterliegen der Abgeltungssteuer.

Bei einer Gleichstellung der Fondsbranche mit Versicherungen könnten Erträge ebenfalls zunächst steuerfrei über mindestens 12 Jahre thesauriert werden. Dieser Steuervorteil könnte dazu führen, dass Bürger aus reiner Gier an einem vermeintlich neuem

„Altersvorsorgemodell Fonds”

langfristig festhalten und die Investmentbanken somit relativ sicher sein, mit dem Kapitalstock ihre Saat über den Zeitraum von mindestens 12 Jahren ernten zu können. Denn es gilt, die eingefahrenen

„Missernten”

aus den ABS – und MBS – Wertpapieren sowie Derivaten aus dem US – Immobilienmarkt in einem neuen Markt

„Rohstoffe und Agrarrohstoffe”

ratierlich wieder einfahren zu können. Möglicherweise der Hauptgrund für das aufziehende Szenario. Einer Pressemeldung in n-tv.de zufolge, welche zeitgleich mit der Veröffentlichung zur angedachten Neuregelung von Investmentfonds unter dem Titel

„Spekulanten am Pranger”

erschien, könnte womöglich als reine Einwandvorwegnahme verstanden werden. Denn als vermeintliche Ursache für mögliche drastische Preisanstiege von Agrarrohstoffen den extremen Wetterverhältnisse zuzuschieben, mit der Folge, dass Nahrungspreise zum Sprengsatz werden können weil Millionen Menschen hungern, ist schon ziemlich unverschämt und zynisch.

Schlechtes Wetter
hat es schon immer gegeben genauso wie gierige Spekulanten.

Menschen in Ländern, die Rohstoffe und Lebensmittel für Zwecke einer sinnvollen Wertschöpfung und nicht als Spekulation nutzen wollen, werden vermutlich einer grenzenlosen Preistreiberei tatenlos zuschauen müssen.

Doch für die Fondsanbieter gibt es gesetzliche Hürden. Bei Fonds aus deutschen Landen müssen die Betreiber ihre Anteilseigner mindestens drei Monate vor einer Schieflage und Löschung informieren. Oftmals sind sogar längere Fristen festgeschrieben. Vermutlich wollen die CDU / CSU und die FDP auch noch diese Schutzhürde schleifen.
Der Sprengsatz Rohstoffe wird also in der kommenden Zeit seine Wirkung entfalten.

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