Saat der Angst
Wer Wind sät – > wird Sturm ernten. Dieser reichlich strapazierte Spruch dokumentiert aber die derzeitigen Auswirkungen der amerikanischen Außen- und Sicherheitspolitik. Seitdem George Walker Bush den Krieg gegen den Terrorismus ausrief wurden Freiheits- und Bürgerrechte der Menschen in den USA sowie bei vielen NATO – PARTNERN beschnitten und mit Füßen getreten. Reisende in die USA werden quasi wie Schwerverbrecher behandelt. Noch immer muss man Fingerabdrücke, Mobiltelefone und Fotos abgeben, werden Kosmetiksachen eingezogen und Mütter müssen von den Trinkflaschen ihrer Kinder trinken. Man muss die Hose runterlassen und die Schuhe ausziehen und seit dem Anschlag in Boston soll man größere öffentliche Plätze meiden. Wer gegen diese Auflagen verstößt – > der macht sich strafbar. Boston hat einmal mehr bewiesen, dass die Sicherheit, die solche Maßnahmen vorgaukeln sollen, in der realen Welt nicht gibt. Terroristen verfolgen vor allem nur ein Ziel – > man will Angst und Schrecken verbreiten, denn gegen die Saat der Angst gibt es kein Allheilmittel. Gegen die Saat der Angst lässt sich nicht Krieg führen. Jedoch kann man mit der Saat der Angst bequem ganze Völker im Schach halten.
Der abscheuliche Anschlag in Boston zeigt der amerikanischen Öffentlichkeit, dass die Bedrohung zurückgekehrt ist. Gleichzeitig wurde wieder einmal das Vertrauen der Amerikaner in ihre Regierung destabilisiert. Wer auch immer hinter den Anschlägen steckt – > die Saat der Angst ist bereits aufgegangen. Rund 12 Jahre nach NINE ELEVEN keimen wieder Zweifel an der Sinnhaftigkeit der amerikanische Politik auf. Man hofft darauf, dass Barack Obama nach dem blutigen Bombenattentat besonnen reagiert, denn schneller als nach NINE ELEVEN – > tauchen überall in den USA Verschwörungstheorien auf. Auch kommen Diskussion darüber auf – > ob Washington bei der Terrorabwehr nachlässig geworden ist. Sollte der Terrorakt sogar von den eigenen Sicherheitskräften gesteuert worden sein? Will man einen neuen Krieg im Namen des Antiterrorkampfes führen?
Man spricht offen vom Pearl – Harbor – Syndrom.
Funktionierende Demokratien und Rechtsstaaten müssen gegen jede Art von Terror Widerstand leisten und sich verteidigen. Doch sollte man den Abwehrkampf ohne Ausnahmegesetzgebung und ohne Gesetzesverletzungen führen. Wer Bürgerrechte willkürlich einschränkt und ganze Volksgruppen, ganze Regionen sowie Glaubensgemeinschaften in den Schmutz zieht – > der Verspielt leichtfertig jede Legitimation. Wenn die Rechte aller mit Füßen getreten und Werte missachtet werden, dann wird der legitime Kampf gegen den Terror zum Manipulationsinstrument der Machthaber. Terroristen wollen vor allem eines: Angst und Schrecken verbreiten, deshalb wird der Anschlag in Boston Folgen für alle NATO – PARTNER, für muslimische Staaten und die EU haben. Vor allem die Veranstalter der Marathonläufen oder sonstigen größeren Events müssen die Sicherheitsvorkehrungen verstärken. Für die EU sowie für muslimische Staaten bleibt zu hoffen, dass Angst vor Terror nicht wieder zum schrecklichen Alltag mutiert.
Obwohl weder konkrete Aufklärungserfolge oder Bekennerschreiben gibt, rollt bereits eine weitere Hasswelle auf alle Muslime zu. Ohne Zweifel: Der Terroranschlag von Boston schadet dem Islam. Das war vermutlich im Kern auch die Absicht der Täter von Boston. Stets wurden nach Bombenanschlägen, die Muslimen zugeordnet werden konnten, unschuldige Menschen aus islamischen Ländern verfolgt, diskriminiert, getötet und aus den Ländern ausgewiesen, in denen sie lebten. Von diesen Opfern spricht man in den am amerikanischen Medien nicht.
Will man die amerikanische Außen- und Militärpolitik nun noch aktiver, menschenverachtender und härter gestalten? Nimmt man dafür Tote, Verstümmelte und Verwundete in Kauf? Im US – Bundesstaat Texas kam es zu einer schweren Explosion in einem Düngemittelwerk. Man berichtet von bis zu 70 Toten und vielen Verwundeten. Ein nahes Altenheim soll eingestürzt sein. Für immer mehr Amerikaner stellen sich deshalb die Fragen: War Boston womöglich nur der Anfang einer neuartigen Kampagne von Anschlägen? Steckt die eigene Regierung hinter den ablaufenden Szenarien? Was passiert mit der Glaubwürdigkeit der USA, wenn der Attentäter gar calvinistischer Christ – > weiß oder schwarz sein sollte? Richtet sich die Saat der Angst dann weltweit gegen die USA?
Wer Wind sät – > wird bekanntlich Sturm ernten.
