Gastbeitrag Erwin Hausen

Gastbeitrag

von

Erwin Hausen

[ Dipl.-Ing. und Dipl.-Oen. ]

Chefredakteur versicherungstip / markt intern

 

23. August 2011

 

Vermittler auf Liebesentzug zur Ergo

[ aus: versicherungstip 31 / 2011 vom 02. August 2011 ]

 

„Bleiben uns Ergo – Skandale im Wochenrhythmus bis zum Herbstanfang erhalten?“, befürchtete ‚vt’ bereits im Juni [ vgl. ‚vt’ 25 / 11). Leider zu Recht, allenfalls im Zeitabstand - unterwöchentlich - haben wir uns geirrt. Aktuellste Enthüllung im ‚Handelsblatt‘: „Ergo: Tricks bei Betriebsrenten“ (vom 27.07.2011 ]. So soll Ergo den Unternehmen Rahmenverträge mit Sonderkonditionen für deren Mitarbeiter geboten haben. War der Vertreter aber durch das „trojanische Pferd“ Rahmenvertrag im ‚Geschäft’, sei in den Einzelgesprächen mit den Beschäftigten allerdings die [ besser vergütete aber ] für den Kunden ungünstigere Standardpolice angeboten worden. Die Dimensionen hinsichtlich Vertragsanzahl – spekuliert wird im ‚Handelsblatt‘ über „womöglich Hunderttausende von Betriebsrenten“ – und finanziellem Schaden, für den die Ergo einzustehen haben dürfte, sind noch unklar.

Klar ist, daß das Image weiter leidet und die Düsseldorfer erneut einen kapitalen Bock bei der Problem – Aufbereitung und Kommunikationsstrategie geschossen haben.

„Dem Versicherer muß

das Fehlverhalten seiner Vertreter seit Jahren bekannt sein“,

schreibt das Handelsblatt. Getan hat sich scheinbar nichts, und auch von offensiv -transparenter Kommunikation ist nichts zu erkennen:

„Unsere Task – Force hat

dieses Problem vor einigen Wochen identifiziert“,

zitiert das Handelsblatt einen Ergo – Sprecher. Die Salami – Taktik findet also weiterhin Anwendung. Statt Tabula rasa zu machen, wird abgewartet, bis die Skandale den Weg an die Öffentlichkeit gefunden haben. Da paßt der Ratschlag des Branchenkenners Wolfgang Fuchs, FC FuchsConsulting / Erftstadt:

„Ergo braucht ein klares Bekenntnis für

einen soliden, seriösen und glaubhaften Neuanfang.

Die Weiterführung

der aktuellen Werbekampagne ist kontraproduktiv!

Konsequente Entscheidungen sind notwendig:

Trennung vom HMI – Ergo – Vertrieb oder Verkauf Ergo.“

Kommen wir damit zu weiteren Kommentaren und der Auswertung unserer ressortübergreifenden Vertriebs – Blitzumfrage [ vgl. ‚vt’ 29 / 11 ]

„Ergo – Wie sehr leidet Ihre

Kundenberatung unter den Dauer – Skandalen?“

von ‚investment intern’, ‚kapital-markt intern’ und ‚versicherungstip’:

 

Teilgenommen haben mit 85 % deutlich überwiegend Versicherungsmakler. Immerhin knapp 55 % der Teilnehmer vermitteln zumindest für eine Gesellschaft der Ergo -Gruppe.

Um so deftiger die Klatsche für die Ergo, daß knapp 94 % aller Umfrageteilnehmer

[ und 88 % der teilnehmenden Vermittler mit Ergo-Anbindung ] nicht [ mehr ] an eine ehrliche und transparente Aufdeckung der Vorkommnisse durch den Vorstand glauben! Speziell dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Torsten Oletzky wird eine verantwortungsvolle Krisenmeisterung von weniger als 10 % aller Teilnehmer zugetraut, mit nur 18 % bei den Ergo vermittelnden Teilnehmern sieht es kaum weniger duster aus.

„Dr. Oletzky schafft es nicht einmal, dafür zu sorgen,

daß Folgecourtagen pünktlich und vollumfänglich gezahlt werden. Weil angeblich durch uns als Versicherungsmakler

drei Verträge nicht betreut worden sein sollen, zahlte man uns

nur 50 % der Folgecourtage.

Eine Klage ist in Vorbereitung!“,

moniert Versicherungsmakler Wilfried E. Simon, Compact Consulting/Nistertal.

 

Verunsicherung bei den Kunden, verbunden mit mehr Zeitaufwand in Beratungsgesprächen, registriert die Mehrheit mit 58 %, für eine Entschädigungszahlung seitens Ergo plädieren 78 %, unter den Ergo -Geschäftspartnern sogar über 90 %.

Denn „schlimmer geht’s nimmer“,

sagt Versicherungsmakler Wolfram Laub / Hirrlingen. Fast 84 % aller Teilnehmer erkennen einen Schaden für die gesamte Versicherungsbranche.

„Der Schaden für unseren Beruf ist sehr hoch.

Die Werbung sollte Ergo sofort einstellen“,

fordert Versicherungsmakler Klaus Stegmann / Bamberg. Das bestätigt das Umfragergebnis: Über 84 % sehen Ergo werblich nicht auf dem Weg zur besten, sondern zur schlechtesten Versicherung. Unter den Ergo – Partner teilen knapp 70 % diese Einschätzung. Ein deutlich unterschiedliches Meinungsbild resultiert bei der Frage, ob Ergo – Versicherungen nicht mehr vermittelbar sind.

Über 90 % der Teilnehmer ohne Anbindung an Ergo werten dies so, unter den Ergo-Partnern sind das immerhin mehr als 45 %.

„Zum Glück habe ich stets Gesellschaften gemieden,

die mit Klopper – Truppen wie der HMI zusammenarbeiten“,

waren die Produkte der Ergo – Töchter für Versicherungsmakler Oliver Jürgen Spelkus / Pohlheim – Grüningen noch nie ein Thema. Keine Rolle spielte eine ggf. vorhandene Anbindung an Ergo bei der Frage nach dem Geschäftsgebaren der Gruppe: Hier distanzieren sich fast 98 % [ bzw. 96 % ] von den Vorkommnissen bei Ergo. Viele nicht erst seit den Skandalen der jüngsten Zeit:

„Seit den 60er Jahren geht das so!

Da mir diese Praktiken der HMI und auch anderer Versicherer

bekannt sind, habe ich mich als Makler niedergelassen.

Strukkis ticken eben so:

Erst Porno, dann Storno!“,

ärgert sich Gunnar Pietsch, Pietsch & Pietsch Versicherungs-Makler GmbH / Zell über die Unsitten.

 

vt’ – Fazit:

Die Aufklärungsarbeiten der Ergo werden größtenteils als Pseudo – Bemühungen des Vorstandes wahrgenommen. Krisenkompetenz wird dem Vorstand, speziell dem früheren McKinsey – Unternehmensberater Oletzky, nicht bescheinigt. Hinter vorgehaltener Hand wird uns berichtet, Ergo – intern würden bereits Wetten abgeschlossen, wann Oletzky fällt.

„Ich schätze Herrn Oletzky persönlich

und als Manager seit vielen Jahren. Er ist auch jetzt der

richtige Mann, um die Vorfälle aufzuklären und die notwendigen Konsequenzen zu ziehen“,

zitierte indes ‚Welt Online’ aus einem im Intranet des Versicherers veröffentlichten Interview mit dem Ergo – Aufsichtsratsvorsitzenden und Munich Re – Chef Dr. Nikolaus von Bomhard. Ob Bomhard angesichts immer wieder auftauchender Skandale, der massiven Kritik der Vermittler und dem

Vertrauensentzug in Oletzkys Krisenstrategie

dies noch lange so sehen wird, erscheint nun mehr denn je als fraglich.

 

 

 

 

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