Die Nachwehen der US Kriege – 10. November 2011

Die Nachwehen der USKriege
Teil 103

Feuerwasser

 

10. November 2011

 

Die Tataren sind das bekannteste Turkvolk. Im Zuge der Invasion der Mongolen fielen sie in Russland ein und verblieben auch nach dem Ende der Mongolenherrschaft im diesem Land. In den Wirren des Auflösungsprozesses der Sowjetunion erklärte sich das Gebiet

Tatarstan

am 30. August 1990 zur souveränen Republik. Die Unabhängigkeitserklärung wurde in 1992 durch ein eindeutiges Referendum bestätigt.

Im November 1992 gab

sich die Republik Tatarstan eine eigene Verfassung.

1994 schloss man einen Föderationsvertrag mit Russland und vereinbarte mit dem Moskauer Kreml Sonderrechte, die unter anderem eine erweiterte wirtschaftliche Autonomie vorsah. Erst sechs Jahre später, im Jahr 2000, übernahm die

Republik Tatarstan

auch die in der neuen Russischen Föderation geltenden staatsrechtlichen Normen zur Ablieferung von Einnahmen an den föderalen Haushalt. Tatarstan ist mit rund 3,8 Millionen Einwohnern die bevölkerungsreichste der autonomen Republiken Russlands. Der Anteil der Tataren an der Bevölkerung Tatarstan liegt knapp über 53% und steigt wegen der höheren Geburtenrate der ethnisch tatarischen Bevölkerungsanteile jährlich leicht an. Die

Republik Tatarstan

liegt westlich des Uralgebirges am Zusammenfluss der Flüsse Wolga und Kama.

In Tatarstan wird Russisch und Tatarisch gesprochen. Beides findet gleichberechtigt Anwendung als Amtssprache. Tatarisch wird sowohl mit dem kyrillischen wie auch mit dem lateinischen Alphabet geschrieben. Die tatarische Hauptstadt

Kasan

gilt weltweit als das Zentrum des Islam in Russland, denn die Tataren bekennen sich zu gut 65% zum sunnitischen Islam oder sind Christen und Atheisten. Der Handelsplatz Tatarstan war selbst unter der strengen russischer Herrschaft von großer wirtschaftlicher Bedeutung für Osteuropa und vielen muslimischen Staaten in Zentralasien. Aus der Sicht der Mächtigen in Washington ist die Republik Tatarstan also ein etablierter Staat des Orients. In Washington bezeichnet man solche Staaten auch als

BROADER MIDDLE – EAST.

In der Sowjetunion war man genau wie andere Völker der sowjetischen Politik, der sowjetischen Wirtschaft, dem Kommunismus und natürlich dem KGB verbunden. Trotzdem erhielten sich die Tataren ein profundes koranisches Wissen, dass man heute an der Islam – Universität in der Hauptstadt Kazan weitergibt. Man lebt und durchlebt den Koran wieder, denn die lange Zeit der Zarenherrschaft und die Unterdrückung durch die gottlosen Kommunisten haben tiefe Spuren auf den tatarischen Seelen hinterlassen. Die Ablehnung einer russischen Vorherrschaft ist bei den Tataren tief verwurzelt. Man assoziiert den gottlosen Kommunismus immer noch mit der Unterwerfung durch den Wodka. Denn mit reichlich Wodka versuchten die Russen das Volk der Tataren an der Rückbesinnung auf ihren Glauben zu hindern. In dieser instabilen Phase war der Islam, war der Koran für das tatarische Volk überlebenswichtig. Die Religion bewährte sich als Stahlband des solidarischen Zusammenhalts in allen Teilen der Bevölkerung. Was als sogenannte Politik des

Feuerwassers

in den USA das Ende der indianischen Kultur einläutete, war mit den sehr strengen Fastenvorschriften des Korans und dem Alkoholverbot nicht vereinbar. Der massive Wodka – Einsatz, der in der Sowjetunion von den kommunistischen Funktionären als Betäubungsmittel für die Religionsentfremdung und zur biologischen Schwächung benutzt wurde, scheiterte am Überlebenswillen der muslimischen Tataren.

Der Wolga – Islam hat seine ganz besonderen Ausprägungen und ist aus der Sicht der Tataren die geographische und kulturelle Schnittstelle zwischen Ost und West. Die Tataren wollen sich keinesfalls nach Saudi – Arabien ausrichten oder gar zum christlichen Europa. Man hat eine ganz besondere Form von Subkultur herausgebildet, die man liebt und fördert. Möglicherweise der Hauptgrund dafür, dass man dem Liebeswerben der USA bis heute nichts abgewinnen konnte. Trotz der tiefen Ablehnung einer russischen Vorherschaft kommt in der

Republik Tatarstan

nicht die geringste pro – amerikanische Stimmung auf. Man verachtet sogar die Ukrainer, Bulgaren, Rumänen und Polen, die sich aus der Sicht der Tataren an den Hals der Amerikaner geschmissen haben und dadurch ihre Selbstachtung verloren. Litauen, Estland und Lettland straft man mit Nichtbeachtung. Wer das Wort für die USA führt, der bekommt unverhohlen die Horrorgeschichten des US – Gefängnisses von Abu Ghuraib erzählt und wie man Iraker zum Glauben an die Demokratie foltern wollte. Wenn solche Schilderungen nicht ausreichen, erzählt man von Greultaten der Amerikaner sowie auch sehr gerne von den wahllosen Bombardierungen der afghanischen Bevölkerung, der nach der Meinung der Tataren noch immer mehr Zivilisten zum Opfer fallen, als afghanische Freiheitskämpfer. Wer dann noch immer das hohe Lied von der amerikanischen Demokratie verkündet, der bekommt die ungeschminkten tatarischen Betrachtungen zum Agieren der USA in Ägypten, Saudi – Arabien und Lybien aufs Brot geschmiert. Man hat sich in der Republik Tatarstan mit dem Neukapitalismus der Russen arrangiert und zieht den Nutzen aus Wandel durch Handel. Die ganz besondere Art und Mischung des

Wolga - Islams

ist somit ein solider Brückenschlag zwischen Orient und Okzident. Der Islam ist in der Republik Tatarstan nicht Selbstzweck oder eine kultische Ausprägung der Folklore, sondern bietet den Menschen in diesem Land ein Modell der Freiheit, der Gerechtigkeit sowie des kollektiven Verständnisses. Aus den vorgenannten Gründen wirkt die tatarische Philosophie extrem überzeugend. In einem solchen gesunden politischen Umfeld musste die amerikanische Politik des

Feuerwassers

und die globale Ideologie der Grenzenlosigkeit sowie des ungezügelten Freihandels scheitern.

 

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