„Die Nachwehen der US – Kriege”
Teil 93
Leere Sprechblasen
17. Dezember 2010
Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts besuchte ein junger amerikanischer Politiker der Republikaner Seminare am Economic’s Department der Universität in Chicago. Dort entwickelte er bereits nach kurzer Zeit eine besonders enge Beziehung zu seinem Professor Milton Friedman, der sehr gerne den damals jungen und erfolgreichen Republikaner in seiner Jüngerschaft einreihte.
Milton Friedman
bestärkte Donald Rumsfeld in seinen gesellschaftlichen Auffassungen und brachte ihm die Ziele der Chicagoer Schule ständig näher. Rumsfeld, der schon mit dreißig Jahren in den Kongress gewählt orientierte sich fortan an den wirtschaftstheoretischen Grundlagen von seinem Mentor. Friedman und Rumsfeld blieben bis zum Tod des Chicagoer Professors aufs Engste verbunden. Alljährlich besuchte Donald Rumsfeld die Geburtstagsfeiern von Milton Friedman, die der Präsident der Heritage Foundation [ NGO ] , Ed Feulner, organisierte. Als Milton Friedmann sein neunzigstes Lebensjahr vollendete sagte Rumsfeld über ihn:
„Milton hat etwas an sich,
das dafür sorgt, dass ich mich klüger fühle,
wenn ich in seiner Nähe bin und mit ihm rede”.
Auch Milton Friedman bewunderte seinen „Jünger”, der es mit einer antrainierten aufgefeilten Dialektik und Rhetorik verstand seiner republikanischen Kollegen im Senat für die Deregulierung der Märkte zu gewinnen. Möglicherweise ist hierin der Grund zu suchen, dass Milton Friedman Ronald Reagan bedrängte, auf George H. Bush als Kandidat für den Vizepräsidenten [ Wahl 1980 ] zu verzichten und statt dessen Donald Rumsfeld zu benennen. Bekanntlich folgte Ronald Reagan diesem Rat nicht, so dass Milton Friedmann in seiner Nachbetrachtung festhielt:
„Ich glaube, Reagan machte einen Fehler,
als er sich für George H. Bush als Vizepräsidentschaftskandidaten entschied”.
Als Donald Rumsfeld im Jahr 2001 in das Kabinett von George W. Bush eintrat, wurde er nach seiner Tätigkeit in der Ford – Regierung zum zweiten Mal Verteidigungsminister der USA. Vermutlich sah Rumsfeld es als seine ganz besondere Mission an, die Streitkräfte der USA auf die Kriegsführung im 21. Jahrhundert zu trimmen. In der amerikanischen Gesellschaft sowie in Militärkreisen wurde nach der Amtsübernahme von Rumsfeld heftig über seiner Erneuerungsideen gestritten. Seine so genannte
Transformation der Streitkräfte
geriet ins Kreuzfeuer der Kritik und brachte mehrere hochrangige und hochdekorierte Generäle auf die Palme. Noch heute spricht man in Offizierskreisen von der Transformation der Streitkräfte als unsinnige Ansammlung von
leeren Sprechblasen.
Trotzdem gelang es Rumsfeld mit vielen rhetorischen Finten die größte vermeintliche Modernisierung der US – Streitkräfte durchzudrücken. Donald Rumsfeld wollte keineswegs Kosten- oder Steuergelder sparen, denn die von ihm bevorzugte
Transformation der Streitkräfte
bestand hauptsächlich darin möglichst viele Aufgaben des Militärs auf private Kriegsfirmen wie zum Beispiel Blackwater und Halliburton zu übertragen. Noch heute werden von privaten Kriegsfirmen Munitions- und Verpflegungstransporte, medizinische Betreuung sowie auch Verhöre von Kriegsgefangenen durchgeführt. Blackwater und Halliburton stecken die „eingesparten” Kosten in mediale Darstellung und Marketing, so dass Donald Rumsfeld ständig gezwungen war bei den „echten” Soldaten sowie bei der Ausrüstung zu sparen. Aus der Sicht vieler US – Offiziere ist die so genannte
Transformation der Streitkräfte
gescheitert und schwächt die Schlagkraft der ganzen Armee. Deshalb forderten pensionierte und aktive Generäle den Rücktritt von Donald Rumsfeld. Der Druck in den USA wurde so groß, dass der Friedman – Jünger nach den Kongresswahlen im Jahr 2006 tatsächlich zum Rücktritt gezwungen wurde. Donald Rumsfeld, der die US – Armee über die Geschwindigkeit, die Beweglichkeit sowie die Präzision wesentlich effektiver machen wollte hat die ausgegebenen Ziele bis heute nicht erreichen können. In amerikanischen Militärkreisen wird heute über die Rückkehr zur alten Schlagkraft nachgedacht. Immer mehr Offiziere lehnen die Rumsfeld – Visionen von einer
Hollow Army
[ Hohle Armee ]
rundherum ab. Lediglich die geschäftlichen Interessen der Kapitaleigner von Blackwater und Halliburton halten die Politiker in Washington noch davon ab das gescheiterte Modell von der Deregulierten Armee zu revidieren. Als Donald Rumsfeld zum zweiten Mal die Aufgaben des amerikanischen Verteidigungsministers übernahm war er 68 Jahre alt, besaß ein geschätztes Privatvermögen von rund 260 Millionen US – Dollar und hatte fünf Enkelkinder.
Unser Verteidigungsbaron Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jakob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg, wurde am 05. Dezember 1971 in München als Sohn des Dirigenten und Umweltaktivisten Enoch zu Guttenberg und der Gräfin Christiane von Eltz geboren. Am 28. Oktober 2009 übernahm er als Bundesminister der Verteidigung sein Amt. Unser Verteidigungsbaron ist seit 2000 mit Stephanie Gräfin von Bismarck – Schönhausen verheiratet, einer Ur – Ur – Enkelin des ersten Reichskanzlers Otto Fürst von Bismarck. Der Bruder von KT zu Guttenberg
führt das operative Geschäft der Familie, deren Vermögen gemäß einer Liste des Manager Magazins auf circa 600 Millionen Euro geschätzt wird.
Karl Theodor Maria Nikolaus
Johann Jakob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und
zu Guttenberg
wird seit seiner Amtsübernahme fast schon im Wochenrythmus von amerikanischen Politikern sowie von den US – Medien gelobt und gefeiert. Glaubt man den Veröffentlichungen in Wikileaks, dann sind sogar die „Geheimprotokolle” der US – Botschaft in Berlin äußerst positiv, was unseren Verteidigungsbaron betrifft.
Warum wohl?
Am 07. Juni 2010 beschloss die SCHWARZ / GELBE Regierung das bislang größte Sparpaket in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Danach legte KT zu Guttenberg am 23. August 2010 seine Pläne zu einer umfassenden Bundeswehrreform vor. Die von Donald Rumsfeld eingeleitete
Transformation der Streitkräfte
erstickt seit ihrer Einführung mit brutaler Beständigkeit in der US – Armee freies Denken, militärische Innovationen und neue Ideen. Das Vermächtnis von Donald Rumsfeld untergräbt erkennbar die Verteidigung der USA und gefährdet das Leben von amerikanischen Frauen und Männern in Uniform. Da die heutigen Widersacher der NATO asymmetrisches militärisches Vorgehen bevorzugen, subtiler, unberechenbarer und unerbittlicher die Auseinandersetzung suchen, sollten unsere Politiker von unseren amerikanischen Freunden lernen und auf deren Fehler verzichten. Möglicherweise entpuppt sich die vermeintliche Bundeswehrreform bei genauer Durchleuchtung auch noch als
leere Sprechblasen.
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Deutscher Rentenschutzbund e.V.
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