DRSB
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
Redaktionsteam
Leitung:
Udo Johann Piasetzky und Hans – Josef Leiting
Düsseldorf, den 26. November 2007
Die Krise nach der Krise?
Wann bricht das amerikanische Wirtschaftssystem zusammen?
Am 07. November 2007 räumte
GM
General Motors
ein, dass der Gesellschaft im Quartalsabschluss für das 3. Quartal 2007 eine Abschreibung von fast 40 Milliarden Dollar zu verkraften hätte.
Der ohnehin schon gebeutelte US – Autobauer hatte einen Tag vor Bekanntgabe seiner Quartalsbilanz Sonderbelastungen in zweistelliger Milliardenhöhe angekündigt.
Der Autokonzern muss demnach aus steuerlichen Gründen im 3. Quartal 2007
39 Milliarden US – Dollar
oder umgerechnet
26,6 Milliarden Euro
abschreiben.
Als Begründung führte der Finanzvorstand an, dass der Autokonzern den Wert seiner Steuergutschriften neu abgleichen müsse, um sich „neuen”
US – Bilanzbestimmungen
„anzupassen”.
Gleichzeitig ließ man verlauten, dass sich diese Belastungen nicht auf die Liquidität von GM auswirken würden und die Verluste in der Zukunft als Verlustvorträge nutzbar wären.
GM
General Motors
verwies in der Mitteilung auf steuerliche
Faktoren in Bezug auf seine Geschäfte in den
USA sowie in Kanada und in Deutschland.
Der Hinweis auf „steuerliche Gründe” löst damit sofort Fragen zu der enorm erklärungsbedürftigen Wertberichtigung aus.
Auch beim Umsatz musste GM Federn lassen, denn dieser fiel im 3. Quartal 2007 im Jahresvergleich von
48,9 Milliarden US – Dollar
auf
43,8 Milliarden US- Dollar.
Eine Aktivierung von latenten Steuererstattungsansprüchen in nicht unerheblicher Höhe auf Verluste der Vergangenheit unter der Prämisse, zukünftig ausreichender Gewinnerzielung, so die Meldung von GM, könnte womöglich im Nachhinein als
„wirtschaftliches Abenteuer”
der besonderen Art angesehen werden.
Diese Meldung heißt im Klartext, dass ohne eine Aktivierung eines
Steuererstattungsanspruches
in den Bilanzen der Vorjahre, der Quartalsverlust 2007 schon viel früher angefallen ist und auszuweisen gewesen wäre.
Schon Ende 2005 war GM
angeblich auf einen Fehler in der Bilanz 2001 gestoßen.
Nach eigenen Angaben seien Lieferantenkredite falsch verbucht worden. Darüber hinaus könnten auch in den darauf folgenden Jahren ähnliche Fehler aufgetaucht sein.
Im Januar 2007 musste GM die Bekanntgabe seiner Geschäftszahlen wegen vermutlicher Bilanzierungsfragen und der Verzögerung der Finanzergebnisse der Finanzsparte GMAC verschieben.
Gleichzeitig wurde mitgeteilt, dass GM seine Bilanzen „rückwirkend” von 2002 bis zum
3. Quartal 2006 revidieren werde, weil die Gewinne nach dem 31. Dezember 2001 um 450 bis 600 Millionen Dollar zu niedrig ausgewiesen wurden.
Diese Mitteilungen erweckte damals den Eindruck, als wäre
„Harry Potter”
mit dem Zauberstab zur Bewältigung des Chaos beteiligt gewesen.
Wie diese völlig unterschiedlichen Meldungen von GM miteinander in Einklang gebracht werden können, ist aus den Nachrichten der Medien nicht zu erkennen.
Wirtschaftsprüfern ist es bei der täglichen Arbeit am angenehmsten, Jahresabschlüsse von Konzernen zu prüfen, die einen stetigen Geschäftsverlauf mit ausreichendem Profit ausweisen.
Der Grund ist einleuchtend, Kontinuität ist einfach zu prüfen.
In der Bankenwelt geht man bei einer Bilanzanalyse sogar von dem Grundsatz aus:
Wenn die Bilanzen
so richtig „ verhagelt ” sind, können
die tatsächlichen Verluste in Wirklichkeit noch viel höher ausfallen.
Auf den DRSB – Artikel:
„Offshore”
Die neue Kunst der Buchungsfehler?
erhielt der Verein aus der Fachwelt der Wirtschaftsprüfung und des Steuerrechts viele Hinweise und kritische Anmerkungen zum „Offshore – System”.
Mit einem „Offshore – System” könnte theoretisch nicht nur Liquidität und Ertrag aus den Konzernbilanzen herausgesaugt, sondern umgekehrt auch in die Konzernbilanzen hineingepumpt werden.
Im umgekehrten Fall würden Erträge in den Bilanzen ausgewiesen, die wirtschaftlich nicht vorhanden sind, um Verluste eines Konzerns kleiner erscheinen zu lassen.
Neben dem Grundsatz der Vollständigkeit eines Konsolidierungskreises dürfen nach internationalen Bilanzierungsgrundsätzen Gewinne erst dann ausgewiesen werden, wenn diese tatsächlich und nicht nur
„offshore”
realisiert sind.
Ein solches „Spielen mit Bilanzen” ließe sich im theoretischen Fall, aber nur so lange durchführen, wie die Bonität einer Offshore – Konstruktion dies zulässt.
Gemäß dem amerikanischen hedonistischen Wirtschaftssystem steht der „lustige” Konsum als Faktor für Wirtschaftswachstum an erster Stelle.
Die Krise auf dem amerikanischen Immobilienmarkt zeigte, dass aufgrund des Wertverfalles im Immobilienmarkt auch in Amerika die Bäume nicht in den Himmel wachsen.
Bonitätsprüfungen von Darlehensnehmern, wie sie in Deutschland üblich sind, und das planmäßige Tilgen von privaten Hypothekendarlehen kennt man in dem amerikanischen Finanzmarkt nicht.
Im Falle einer Offshore – Konstruktion innerhalb von Konzernen wäre es somit theoretisch denkbar, dass Forderungen wegen fehlender Werthaltigkeit abzuschreiben wären.
Andererseits wäre es theoretisch auch möglich, dass nach außen noch nicht realisierte Gewinne im Rahmen einer nachträglichen Konsolidierung und Änderung des Konzernabschlusses wieder neutralisiert werden könnten.
Das Ergebnis ist aber immer das gleiche:
„Wertberichtigung”.
Jeder wirtschaftliche Vorgang endet mit einer
„Zahlung”,
ansonsten fallen „Buchungsfehler” erst Jahre später auf.
Unabhängig von der zukünftigen Entwicklung von GM wurde der Status des
„größten Automobilherstellers der Welt”
möglicherweise für alle Zeiten an Toyota verloren.
Auch deshalb erwägt
GM
General Motors
den Abbau von 40.000 Arbeitsplätzen in den USA.
Die Krise von GM zeigt deutlich, dass die verantwortlichen Manager viel zu spät auf veränderte Kundenwünsche und / oder Marktverhältnisse reagierten und wahrscheinlich die Konkurrenz aus Japan und Europa nicht ernst genommen wurde.
Womöglich bleibt als Ausweg nur der Versuch,
„Anteile des Megaverlustes”
den europäischen Tochtergesellschaften über Verrechnungspreise „anzulasten”.
In den Opel – Werken
leitete der US – Finanzvorstand von GM bereits den Abbau von
12.000 Arbeitsplätzen ein.
Sollten sich die Hiobsbotschaften der Krise von GM in den USA verschärfen, sind höchstwahrscheinlich nochmals tausende von Arbeitsplätzen in Europa und Deutschland gefährdet.
Das Ergebnis des Manager – Desasters in den USA bedeutet für deutsche Bürger aber schon heute
Altersarmut, Not und Elend.
Nach wie vor drücken den US – Autobauer geschätzte
300 Milliarden US - Dollar Schulden
bei rapide sinkenden US – Marktanteilen.
Hinzu kommen jetzt zusätzlich horrende Pensionsansprüche von den Mitarbeitern des in Pleite gegangen Teilelieferers
Delphi.
Der einstige Konzernbereich von GM war als so genannter
„Spin – Off”
verselbständigt worden und wurde damit auf extrem wackelige Füße gestellt.
GM musst aber weiterhin für alle Pensionsverpflichtungen haften.
Für
GM
General Motors
erscheint womöglich die Versuchung nach wie vor sehr groß, durch einen Konkurs nach
Chapter 11
auf legale Weise den Löwenanteil dieser Schulden loszuwerden, denn dass die
Konzernschulden jemals aus erzielten Gewinnen bezahlt werden könnten, glaubt sogar in den USA ernsthaft niemand.
Bei einem Konkurs nach
Chapter 11
würden die Aktien von GM wertlos, weil die Ansprüche der Aktionäre nachrangig gegenüber denen der so genannten Bond – Halter sind.
Wer dann noch annimmt, für
Aktionäre oder für die Mitarbeiter
würde noch etwas übrig bleiben, ist ein unverbesserlicher Träumer.
Ist das bereits der von der Fachwelt befürchtete Beginn des Zusammenbruchs der
US - Wirtschaft?
DRSB
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