Das Wort am Sonntag
Lohnt sich „Das Riestern“ nicht?
09. Oktober 2011
In immer mehr Familien, in Vereinen und am Arbeitsplatz kursierte bis vor kurzem die humorvolle Frage:
Wer verdient an den vielen Riester – Renten?
Die Antwort war stets schnell und – aus der humorvollen Sicht der Mehrheit – richtig gefunden:
Walter Riester natürlich!
Doch spätestens nach der Sendung von Frontal 21 am 20. September 2011 scheint die Stimmung bis heute ungebremst zu kippen. Humor wechselt in Ironie, Ironie wechselt in Zynismus und Zynismus schlägt in Verärgerung oder blanken Hass um. Denn Walter Riester wird nicht müde die untaugliche Riesterrente bei Banken, Versicherungskonzerne und Strukturvertrieben anzupreisen.
Es vergeht kaum ein Tag ohne Riester Schlagzeilen und ohne Werbung für die Riestermodelle. Trotzdem sind erst rund 14 Millionen [ Mini ] Riesterverträge im Umlauf, die mehr schlecht als Recht rund laufen. Lange Antragslaufzeiten und Bearbeitungsrückstau sind an der Tagesordnung. Wer einen Riestervertrag hat, bekommt auch in der Regel die Unzulänglichkeit dieser untauglichen Altersvorsorge zu spüren. Die einen sofort und die anderen spätestens zu zweiten Vertragsjahr
Wer verdient also an den Riester – Renten?
Auf jeden Fall Walter Riester mit sehr guten Honoraren für seine Vorträge, denn nach Banken, Versicherungskonzernen, Bausparkassen sowie Strukturvertrieben verdient sich der ehemalige Minister nun auch noch an deutschen Schulen eine goldene Nase. Das ist für viele Eltern ein Vergehen an unseren Kindern.
Quasi das ganz individuelle Konjunkturpaket für Walter Riester.
Laut den Berichten von Frontal 21 vom 20. September 2011 ist die
Riester - Rente kein Erfolgsmodell.
Dass sich die Riester – Verträge verschlechtert haben und das so genannte Riestern sich nicht für alle lohnt, kann jeder im
Video „Riester“ von Frontal 21
nachprüfen. Die Berichterstattung fußt auf den diversen DRSB – Studienergebnissen und deren Veröffentlichungen und wurde durch eigene Recherchen vom Sender wesentlich erweitert. Im Kern sind aber alle Aussagen deckungsgleich. Bekanntlich sind die meisten Altersvorsorgeangebote ohne staatliche Förderung lukrativer als die staatlichen mit Steuergeldern geförderten untauglichen Riestermodelle. Hohe Vertragskosten, überzogene Provisionen und sinkende Garantiezinsen sowie unvorteilhafte Sterbetafeln, Unisextarife und utopische Rentenlaufzeiten haben die Renditen der Riesterverträge weitgehend uninteressant gemacht. Die untauglichen Riestermodelle werden seitens der Verkäufer [ meistens Mitarbeiter von Strukturvertrieben ] schön geredet und schön gerechnet, sodass die extrem hohen Provisionen und Kostenbelastungen verschleiert oder verkompliziert werden.
Die wenigsten Riester – Marktschreier
verstehen selbst was sie da wirklich verkaufen.
Noch immer geben viele Vorgesetzte der Banken, Versicherungen, Bausparkassen und Strukturvertriebe unverantwortlich eiskalt Verkaufszahlen vor wie viel Riesterverträge abgesetzt werden müssen. Wer da als abhängig Beschäftigter oder Handelsvertreter nicht mithält und seine „Zahlen“ nicht regelmäßig bringt der fliegt oder wird nicht weiter befördert.
Unmenschlicher Druck, der auf allen Seiten Leiden schafft.
Verbraucherschutz?
Verbraucherschutz bleibt schon seit Jahren auf der Strecke.
Transparenz?
völlige Fehlanzeige.
Immer mehr Menschen bezweifeln zu Recht, dass unsere oberste Hüterin für die Verbraucher, Ministerin Ilse Aigner, jemals ein Riestermodell und den Ablauf verstehen wird. Denn nur so ist zu erklärbar, dass die oberste Hüterin für die Verbraucher zu der Aussage kommt
Zitat:
„Der Verbraucher muss sich selber informieren,
dazu gib es das Informationsblatt zur Riester - Rente“
Zitat Ende.
Höchstwahrscheinlich kennt Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner den Inhalt dieser Schriften nicht, denn wer diese
Monster - Informationsblätter
gelesen hat ist vor dem Lesen genauso schlau wie nach dem Lesen. Besonders das Thema Bausparen schmeißt regelmäßig sogar erfahrene Steuer – Fachleute aus der Bahn. Selbst in Gewerkschaftskreisen hält man das so genannte Riestern in der Zwischenzeit für eine vorsätzliche Volksverdummung und sinnlose Verschleuderung von Steuergeldern, die lediglich Strukturvertrieben und Fondsgesellschaften das Überleben sichern sollen. Auch bei den Gewerkschaften hat sich die Erkenntnis offensichtlich langsam durchgesetzt.
Das böse Erwachen kommt aber wesentlich schneller als vermutet.
Und wer möchte dann zum Beispiel für die wahrscheinliche Geldvernichtung in der Metaller – Rente aus der DGB – Führungsriege den Kopf hinhalten? Schon raten aufgewachte Politiker zur alternativen privaten Altersvorsorge, um noch ein minimales finanzielles Auskommen im Rentenalter zu sichern. In wieweit solche Appelle in Anbetracht der demografischen Entwicklung in unserer Heimat noch greifen – erscheint nach dem Stand der Dinge zweifelhaft. Denn das Renten – Niveau wird bis zum Jahre 2020 dramatisch absinken. Während das vom DRSB definierte
Alterssicherungsniveau
in der Vergangenheit noch circa 50% betrug, wird zukünftig nur noch geschätzte 43% erreicht werden. Unter dem Alterssicherungsniveau versteht man das Verhältnis zwischen der Rente vor Steuern, die ein Durchschnittsverdiener nach 45 Jahre erhalten würde – und dem aktuellen Durchschnittseinkommen. Im Jahre 2007 betrug es noch stolze 54%. Diese Entwicklung zeigt einmal mehr, dass dem Grunde nach jeder Mensch in unserer Heimat angehalten werden muss, zusätzlich privat für seine eigene Zukunft vorzusorgen. Denn der vom DRSB ermittelte Alterssicherungsrichtwert von rund 43% könnte bereits im Jahr 2018 unterschritten werden. Laut der Politik soll allerdings die Marke von 43% ab 2021 nicht mehr unterschritten werden. Die DRSB gehört seit 1988 zu den Vorreitern für eine sinnvolle und nutzmehrende Alterssicherung. Doch bis heute fehlen die validen Produkte, obwohl diese vom DRSB entwickelt, getestet und allen Parteien sowie den Banken und der Versicherungswirtschaft vorgestellt wurden. Nun stehen wir in unserer Heimat kurz vor dem kollabieren des Alterssicherungsumfeld und noch immer wird nicht gehandelt.
Stattdessen verfolgt für die untauglichen Riestermodelle ein TOP – Ranking nach dem anderen die Medien und Marketingprofis. Einige glauben vermutlich schon selbst daran was sie in Artikel und Werbebroschüren schreiben. Sie alle werden bereits in fünf Jahren grandios widerlegt sein.
Und dann?
Dann ist es für sehr viele Menschen zu spät geworden noch etwas Sinnvolles und Nutzmehrendes für ihr Alterssicherungsniveau auf den Weg zu bringen. Hochwertige Eigensicherung oder die Absicherung von Hinterbliebenen rückt dann ins Traumland.
Wer möchte dafür heute schon die Verantwortung übernehmen?
Wer ist noch frei von Schuld?
Und – Wer möchte oder kann noch rechtzeitig Gegensteuern?
________________________
Ihre Leserzuschriften und Leserinformationen können für alle DRSB – Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein.
Bitte schreiben Sie uns Ihre Kommentare
als Brief, Telefax oder E – Mail.
Der DRSB e.V. freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, auch wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt sein sollten.
Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu!
Wünsche nach Anonymität werden durch den DRSB e.V. respektiert und gewahrt.
