Das Wort am Sonntag – 26. Juni 2011

Das Wort am Sonntag

Wann ist ein Staat pleite?

 

26. Juni 2011

 

Die Unruhe in der deutschen Bevölkerung wächst von Tag zu Tag. Zuerst war es nur Irland, doch dann folgten in schneller Reihenfolge andere europäische Staaten – quasi ein Dominoeffekt. Griechenland ist lediglich der vorüberziehende Tiefpunkt der zurzeit erkennbaren Staatspleiten. Völlig zu Recht fürchten alle beteiligten Politiker die Aufdeckung der kompletten finanztechnischen Misere in ganz Europa.
In dieser aufgeheizten Phase mit der Schlagzeile:

Staatspleiten sind kein Grund zur Sorge”,

aufzumachen ist ein besonderer Akt von journalistischem Fatalismus – oder der gezielte Versuch einer verunglückten Wahrnehmungssteuerung. Viele Menschen in unserer Heimat stellen sich immer öfter die Frage:

Müssen wir uns Sorgen machen?

Die eindeutige Antwort lautet:

JA!

Betrachtet man die Vorgänge mit dem sprichwörtlichen rheinischen Humor, so ist es bisher immer gut gegangen.

Aber wie lange noch?

Staatliche Pleiten hat es in der Geschichte fast in jedem Jahrhundert gegeben. Selbst das hochgelobte ROM stand mehrfach vor der staatlichen Insolvenz. Durchleuchtet man das fleißige Gelddrucken in den USA und betrachtet die Zahlungsprobleme einiger US – Bundestaaten, dann spielt sich dort genau das gleiche Szenario, wie in Europa ab.
Der Unterschied besteht daran, dass europäische Medien über die vermutlichen Insolvenzverschleppungen in den USA nicht berichten [ dürfen ].
Man fürchtet – möglicherweise völlig zu Recht – die kriegslüsternden Falken in Washington. Wer da nicht mitspielen möchte – der ist sofort ein „BÖSER” Feind. Denn noch haben die USA die militärische Macht ihre Freunde und Verbündeten auf die Knie zu zwingenden. Mit dubiosen Ratings verschafft man sich von Woche zu Woche finanztechnisch neue Luft und zwingt immer wieder die geostrategische Keule:

Wer nicht mitspielt - bekommt kein Erdöl”.

So einfach ist die amerikanische Außenpolitik, wenn man sie auf einen Punkt bringen möchte. Im 17. Und 18. Jahrhundert ließen die Kaiser, Könige und Fürsten reihenweise ihre Kreditgeber exekutieren, um sich der drückenden Schuldenlast zu entledigen.

So etwas ist heute schwerlich umsetzbar.
Doch warum sollen deutsche Bürger
für die Misswirtschaft anderer europäischer Staaten zahlen ?

Privatpersonen oder Unternehmen gelten als insolvent, wenn man zahlungsunfähig geworden ist. Im Falle der betroffenen europäischen Regierungen sieht das Szenario ein wenig anders aus. Denn insolvent ist ein Staat, wenn er fällige Schulden später als vereinbart, nur teilweise oder gar nicht mehr bedienen möchte.
Sogenannte Staatspleiten enden meist mit einem faulen Vergleich. Man reduziert die Zinsen, verschiebt Fälligkeitstermine oder erlässt einen Teil der Schulden. Letzteres wird oftmals fälschlicherweise als der Königsweg beschrieben.

Bedauerlicherweise ein folgenschwerer Irrtum.

Denn ein Kapitalgeber, der auf Teile seines Geldes verzichtet, möchte diese Verzichtsgelder wieder anderswo hereinholen.
Bei Banken und Versicherungskonzernen geht dies nur über Erhöhungen von Zinsen oder Versicherungsbeiträgen. Doch diese Geldmaschine reicht häufig nicht aus die abgeschriebenen Verluste wieder auszugleichen. In solchen Fällen bittet man erfahrungsgemäß immer „seinen” Staat um Hilfe. Im Klartext:

DEN KLEINEN STEUERZAHLER.

Und wenn diese Karte auch nicht mehr stechen sollt – JA – dann hilft nur eine erneute Währungsreformen. Darin haben wir in unserer Heimat auch Erfahrungen, denn bekanntlich wurden 1923 und 1948 alle Schulden Deutschlands wertlos.

Das ist die andere Form der Staatspleite.
Müssen wir uns also große Sorgen machen?

Die eindeutige Antwort lautet wieder:

JA!

Denn zum Beispiel für die Bezahlung der griechischen Schulden muss unser Staat entweder noch rigoroser sparen, soziale Leistungen streichen, die Steuerlast erhöhen oder demnächst noch mehr Schulden machen.

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