Das Wort am Sonntag
Sterben für den deutschen Adel?
27. Februar 2011
In einem Bundeswehraußenposten in Nordafghanistan sind schon wieder drei deutsche Soldaten unserer Bundeswehr getötet worden.
Sechs weitere Soldaten wurden zum Teil schwer verletzt. Damit kamen seit dem Beginn des Kriegseinsatzes in Afghanistan – im Jahr 2001 – bereits 48 deutsche Soldaten ums Leben.
30 deutsche Soldaten starben in Gefechten oder bei Terroranschlägen. Diesmal war der Anschlag besonders heimtückisch, denn der Attentäter trug die Uniform der befreundeten afghanischen Streitkräfte.
Unsere Soldaten waren ursprünglich in Niederbayern stationiert. Dort müssen nun wieder Angehörigen den Tod von geliebten Familienangehörigen betrauern, deren vertrauliche Feldpostbriefe womöglich auch unerlaubt geöffnet worden sind. Im Jahre 1919, also nunmehr vor genau 92 Jahren endete in unserer Heimat die viele Jahrhunderte andauernde unsägliche Monarchie.
Mit dem Ende des Kaiserreiches entfielen alle Privilegien des Adels, lediglich die sogenannten
„Adelsprädikate”
wurden zum Namensbestandteil.
Ein Sieg der bürgerlichen Gesellschaft?
Ein Sieg der Demokratie? Ein Sieg der Sozialdemokratie?
Eher – NEIN – denn bis heute, also nun bereits mehr als 1000 Jahre, lebt der historische Adel als in sich geschlossene elitäre Gruppe in der deutschen Bevölkerung.
Die nicht völlig heruntergekommenen, zum Teil sogar verarmten Adelshäuser, pflegen mit großer Hingabe ihre Geschichte und so weit es möglich ist ihre Vermögen und Besitztümer.
Auf regelmäßigen „Elitetreffen” wird hingebungsvoll über die lange Geschichte des Adels in unserer Heimat philosophiert.
Man verschweigt dabei gerne die Untaten, wie zum Beispiel die brutale Ausbeutung von Leibeigenen und abhängigen Landwirten.
Viel lieber sonnt man sich im vermeintlichen Glanz einiger Adelsfamilien die bekannte Schriftsteller hervorbrachten. Dazu gehört nicht nur
von Münchhausen,
sondern auch von Arnim, von Aue, von Bassewitz, von Bingen, von Clausewitz, von Droste – Hülshoff, von Eschenbach, von Goethe, von Hardenberg, von Hofmannsthal, von Humboldt,
von Kleist, von Knigge, von Moltke, von Schiller, um nur einige bekannte zu nennen.
Hinzu kommt die recht große Anzahl der Diplomaten, Gesandten, Geschäftsträger, die adeliger Abkunft sind oder waren und heute noch über unzählige Kontakte sowie Adelsnetzwerke verfügen.
Die ohne Zweifel damit verbundene Machtausübung zeigt sich in der prekären ansteigenden Wahrnehmungsverschiebung mit und um unseren Verteidigungsbaron.
Denn bekanntlich gibt es in Europa noch viele durch Monarchien repräsentierte Länder.
Belgien, Dänemark, Groß Britannien, Niederlande, Luxemburg, Monaco, Spanien, Schweden, Norwegen.
Bei genauer Durchleuchtung zeigt sich, wie eng die vorgenannten Länder mit den deutschen Adelshäusern verbunden sind.
Politisch tätige Adelige standen schon zu allen Zeiten oftmals im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Namen wie zum Beispiel
von Weizäcker, Graf Lambsdorff, zu Guttenberg
prägen diesen Eindruck. In deutschen Palarmenten sowie auch im europäischen Parlament sind Sprösslinge von deutschen Adelsfamilien vertreten.
In den Führungsetagen der Ministerien, der Wirtschaft und den Medien haben sie sich ebenfalls festgesetzt.
Man wird es kaum glauben wollen, doch die heutige Finanz- und Wirtschaftskrise wurde von den deutschen Adelsfamilien bereits 1989 in einem schriftlich verfassten Verhaltenscodex als latente Gefahr erkannt.
Gemäß dem Verhaltenscodex sollten andere Verhaltensweisen im Umgang mit Kapital und Besitz Vorrang haben.
Adelige Menschen sollten eine besondere soziale Haltung pflegen, die sich nicht an unmittelbarem Profit und an Macht orientiert.
Bedauerlicherweise scheint der Verhaltenscodex aus dem Jahr 1989 den meisten Adeligen nicht bekannt zu sein oder wird vorsätzlich vollkommen anders ausgelegt.
Keinesfalls darf das deutsche Militärwesen in Vergessenheit geraten, denn gerade hier zeigt sich bis in die jüngste Vergangenheit die prägende Umsetzung von dem fehlgeleiteten adeligen Ehrenkodex an Werten wie Tapferkeit und Gemeinschaftsgefühl. Diese schleichenden Entwicklungen wird heute aufgrund des Medienrummels um unseren Verteidigungsbaron wieder in der Bevölkerung deutlicher wahrgenommen, wenn zurzeit noch mit unterschiedlichsten Ausprägungen und Akzeptanz.
Viele Menschen in unserer Heimat wünschen sich, in den Zeiten der Sorge, der Unsicherheit das Altbewährte und vermuten im Adel und der Monarchie eine wegweisende Staatsführung.
An dieser Stelle sei an die euphorische Berichterstattung von
„bürgerlichen Journalisten”
nach der Ernennung von Baron zu Gutenberg zum damaligen Wirtschaftsminister erinnert.
Auch die exponentiell anwachsende Wähler- und Parteiverdrossenheit sowie die immer größer werdende Anzahl der Nichtwähler, sind ein gefährliches Zeichen für das Sterben der demokratischen Staatsführung.
Welche Zukunft und welche Chancen hätte Deutschland mit einer auflebenden Monarchie?
Vielleicht hilft der „kleine” DRSB – Rückblick?
Die Lebensbedingungen der Menschen waren während des ganzen Mittelalters extrem miserabel. Man war Unfrei und musste unter der Grundherrschaft des Adels leben.
Bauern und sogar Städter litten permanent unter dem sehr hohen Leistungsdruck, der von den Adelshäusern ausgeübt wurde.
Die meisten Menschen mussten damals Tag für Tag sehr harte körperliche Arbeit ertragen und auf den Feldern der Adeligen die sogenannte Fronarbeit verrichten.
Die Familien fürchteten ständig um ihre Gesundheit und Existenz, da die Frondienstler an den Adelsherrn völlig abhängig waren.
Schon eine Dürreperiode oder tagelange schlechte Wetterverhältnisse verminderten die Ernteerträge sowie die Einkünfte ganzer Bauernfamilie und entließen sie ins Elend [ soziale Ausgrenzung / Exklusion ].
Aufgrund äußerst geringer finanzieller Einkommen war die Bauernschicht stets ärmlich gekleidet, vergleichbar mit dem heutigen Exklusionsprozess im Bereich der Hartz – IVler.
Selbst die tägliche Ernährung der gesamten Bevölkerung war abhängig von der miserablen sozialen Stellung. In
SAUS und BRAUS
mit hochwertiger Nahrung und vielen Gewürzen sowie Salz lebten nur die Adeligen, was sich schon damals im größeren Körperwuchs bemerkbar machte.
Obwohl in allen Gesellschaftsklassen das Hauptnahrungsmittel Brot war, gab es für jede soziale Klasse ein qualitativ unterschiedliches Brot.
Das heute noch sogenannte „Bauernbrot” war damals ein meist minderwertiges Schwarzbrot, das meist aus Hafer und Roggen hergestellt wurde.
Trotzdem sind besonders viele jüngere Menschen in unserer Heimat wieder Stolz auf unsere Geschichte von Baronen, Grafen, Fürsten und Königen.
Ohne jeden Zweifel ein fragwürdiger Verdienst der sogenannten
YELLOW – PRESS
und deren Bejubelungsorgien auf den Adelsstand. Noch immer streben zu Reichtum gekommene Menschen den Kauf von Adelstiteln an, um vermutlich ihr angeknacktes Selbstwertgefühl zu heben.
Denn es gibt keine Gesetzesvorschrift die es verbietet Adelstittel zu verkaufen.
1000 Jahre
und mehr nun sind vergangen, die damals noch echten Sozialdemokraten bezahlten ihren Freiheitskampf mit ihrer Existenz oder dem Leben dafür, dass man die Adels- und Kapitaleliten abzuschaffen wollte.
Doch die gelebte Monarchie der Adelsfamilien- und Häuser existiert ungebremst weiter. Fruchtbarer Ackerbodens, blühende Wälder, Wiesen und sowie Seen zählen noch immer zum Besitzt weniger Adelsfamilien.
Die Lebensbedingungen der adligen Bevölkerung in unserer Heimat ist durch Jahrzehnte der Demokratie exzellent geworden, da es ihnen bis heute an nichts fehlte und sie alle beruflichen und geschäftlichen Möglichkeiten uneingeschränkt mit ihrem Kapitalvermögen dominieren können.
Durch den Medienhype um die Adelsfamilie „zu Guttenberg” ist nun offensichtlich, dass die Adligen ganz andere Ziele und Absichten verfolgen.
Hierbei zeichnet es sich in aller Deutlichkeit ab, wie viel angenehmer und luxuriöser das Leben der adligen Deutschen war und ist.
Denn ganz offensichtlich dreht sich der Lebensmittelpunkt des adligen Lebens, um Vermögensmehrung, Machterhalt- und Ausbau.
In diesem Umfeld träumen trotz ansteigender sozialer Ausgrenzung einige Gutgläubige noch immer von der sozialen Marktwirtschaft.
Metaphysische und transzendentale Träume, die durch das Mordspektakel um unseren Verteidigungsbaron in den Medien täglich aufs Neue befeuert werden.
Es mutet deshalb schon sehr Seltsam an, dass das praktische Treiben unserer Adeligen kaum Beachtung findet. Die Doktoraffäre und der tragische Tod von unseren Soldaten hat die Windrichtung drehen lassen.
Überall wird die Frage gestellt:
„Wieviel Soldaten müssen noch für die Karriere unseres Barons sterben?”
Denn wer etwas Liebes verloren hat, der hinterfragt den Sinn des Geschehens.
Und sei es auch nur im eigenen Kopf.
Wie quasi zu jeder Zeit drohen Adelige und Machtpolitiker beständig mit den Schreckbildern des Terrorismus und Neoliberale versprechen uns zusätzlich die schönen Szenen aus der großen weiten Welt. Das Ziel ist klar:
Man möchte an den Schalthebeln der Macht verbleiben.
Der Charakter der französischen Revolution war geprägt von dem moralischen Zustand des französischen Volkes und besonders von seiner geringen politischen Bildung. Vor dem plötzlichen Ausbruch der Revolution in Frankreich gab es dort zwar eine gelebte Zivilisation – aber nur für den Adel und wenigen höheren Ständen. Der damalige bürgerliche Mittelstand sowie die unteren Klassen waren geistig verwahrlost und durch engherzigsten Despotismus von jedem Emporstreben ferngehalten. Interessierte können in Merciers
Tableau de Paris
diese Tatsachen bequem nachlesen. Man muss keinesfalls danach wundert sein über die krasse politische Unwissenheit der Franzosen, die natürlich zur direkten Folge hatte, dass die Mehrheit von den neuen politischen Ideen mehr geblendet als erleuchtet wurde. Deckungsgleichheiten mit aktuellen Entwicklungen in unserer Heimat sind da rein zufällig [ Wutbürger / Bürger in Wut etc.
