Das Wort am Sonntag 2010 11 14

Das Wort am Sonntag

 

Finale furioso

14. November 2010

 

Schon wieder stehen mehr als 300 US – Banken auf der Kippe. Die Reaktionen darauf sind in Frankfurt kaum noch zu steigern. Die Bandbreite der Gleichgültigkeit reicht von:

Ist weit weg”, „Wen interessiert so was

bis hin zu

Geht mich nichts an”.

Deutsche Banken sind aber die Hauptgläubiger in den USA. Spätestens jetzt müsste der Cent doch eigentlich gefallen sein. Wie nah die Einschläge bereits gekommen sind, zeigt der Blick in die Bilanzen der Banken in unserer Heimat. Selbst unsere Aufsichtsbehörde BaFin warnt schon seit längerem vor der Gefahr deutscher Bankenpleiten und dem damit verbundenen Dominoeffekt. Dann wird der so genannte

Einlagensicherungsfonds”,

mit dem Kundengelder abgesichert werden sollen, plötzlich völlig wirkungslos. Die US – Einlagensicherung hatte zum Beispiel Ende 2009 ein Volumen von

66 Milliarden US – Dollar.

Klingt zunächst gigantisch!

Doch im direkten Vergleich dazu hatten amerikanische Kunden bei den US – Banken Einlagen in Höhe von rund

7.700 Milliarden USDollar.

Rein rechnerisch bekäme nicht einmal jeder hunderste Kunde bei einem zu erwartenden Bankensturm sein Geld ausbezahlt. Es sei denn, die US – Notenbank lässt die Druckmaschinen noch schneller laufen. Viele Menschen erinnern sich höchstwahrscheinlich an die Schlangen vor der britischen

Northern Rock Bank

im Jahr 2007.

Möglicherweise der Grund dafür, dass man sich in unserer Heimat die frei zugänglichen Bilanzen der Commerzbank oder der Deutschen Bank einmal genauer ansieht. Schon der kleinste Funke am Pulverfass genügt und genau dasselbe kann in Kürze in Serie in Europa passieren. Das explosive Spiel mit wertlosen Derivaten wurde jahrelang gefeiert. Bereits eine Fehlannahme von nur einem Euro – Cent könnte das gesamte Kapital mit allen Leichen, die im Keller oder in Bad Banks lagern, innerhalb von Sekunden verglühen lassen.

Wird nun der Handlungsbedarf deutlich?

Zinsen sind keine Erfindung der Neuzeit. Damals gab es jedoch einen Sicherheitsgurt, eine Rückfallebene, eine Begrenzung. Anders als Papiergeld, ließ sich Gold nicht beliebig vermehren. Natürlich konnten die Mächtigen zu allen Zeiten so genannte

infame Münzen

prägen lassen, die einen deutlich verringerten Gold-, Silber- oder Kupfergehalt hatten. Damals ließen sich die

guten Geldstücke

von den neuen, schlechteren Geldstücken unterscheiden. Die guten Geldstücke blieben also in den persönlichen Schatztruhen. Das schlechte sowie teils wertlose Geld wurde zum Handeln benutzt.

Bereits 2000 / 2001 hätten wir

den Absturz in die Depression erleben können.

Stattdessen wurden Immobilienblasen aufgepumpt und das nicht nur in den USA, sondern vor allem in Großbritannien und Spanien. Ein einmaliges Experiment, denn das Schneeballsystem funktionierte aus der Sicht der Banker einfach wunderbar. Leider gibt es die wunderbare Geldvermehrung nur im Märchen. Die großartigen Gier – Jahre sind vorbei. Die noch vorhandenen Spargelder der Menschen in unserer Heimat gehören nicht auf dem Spieltisch der internationalen Finanzmanipulatoren. Die Versprechen der Börsen – Junkies vom immerwährenden Wohlstand für alle, dürfte eigentlich nur noch in kommenden Geschichtsbüchern auftauchen. Wenn wir uns nicht heute schon darauf vorbereiten, die Finanzen und Bankinstitute auf Krisensicherung umzustellen, dann haben wir auch bei uns das Szenario langer Warte – Schlangen vor den Banken. In den TV – Medien hat man dann die Möglichkeit, sich wüste Szenen auf den Straßen anzusehen:

Menschen, die vor Banken demonstrieren!

Menschen, die gewaltsam in Banken eindringen!

Verzweifelte Polizisten, die den Menschen vergeblich Einhalt gebieten wollen!

Und Politiker, die beschwichtigen und von oben herab behaupten, dass alles unter Kontrolle sei.

Doch lassen Sie sich nichts vormachen, denn seit Stuttgart 21 und der Baumallee in Franken ist nichts, aber auch gar nichts mehr unter Kontrolle. Weitere Eskalationen

sind genau genommen täglich zu erwarten. Außerdem kursieren in fast allen Gesellschaftsklassen wilde Gerüchte, nach denen die Banken sich darauf einstellen, dass riesige Kundenanstürme und Massen – Kontoabhebungen bevorstehen. Das Perpetuum Mobile der Finanzwelt ist noch nicht erfunden und solch ein Wundergerät wird auch allzeit der Fiebertraum der Banker bleiben. Was wir aber sofort zur Verfügung haben, sind die Beruhigungssysteme des DRSB. Die Gründung der

DRSB Deutsche Volksbank

wäre bundesweit und europaweit ein deutliches Zeichen, dass das Kredit – Kartenhaus nicht einstürzen wird.

Vertrauen bildet man nicht mit

obsoleten Strukturen,

sondern ausschließlich mit wertbeständigem Handeln.

Auf diese Weise gewinnt man ein Volk für sich. Die Menschen in unserer Heimat erwarten von den Politikern, dass sie mitziehen, um Nutzmehrendes zu bewirken.

Ansonsten wird es vermutlich unüberhörbar zu einem großen Knall kommen.

Und was verbirgt sich hinter den schnöden Wort Knall?

Wie lange haben wir noch Zeit? Dreizehn Tage, neun Wochen, sechs Monate? Niemand weiß es genau. Das ist leider die einzige Sicherheit, die wir auf absehbare Zeit im Finanzsystem haben werden. So zu sagen das Warten auf das

Finale Furioso.

 

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Deutscher Rentenschutzbund e.V.

 

Wir kämpfen seit 22 Jahren mit der Stimme der Demokratie für einen modernen Sozialstaat, sichere, langfristige Arbeitsplätze, sinnvolle, gerechte und lernfähige Rentensysteme, sichere, gerechte und leistungsfähige Sozialsysteme und für korruptionsfreie Demokratie in Deutschland und der Europäischen Union.

 

 

 

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