Das Wort am Sonntag 2010 11 07

Das Wort am Sonntag

 

Tödliche Finanzblasen

[ Die unkalkulierbaren Gefahren der BAD BANKS ]

 

07. November 2010

 

Mit Finanzkrisen verhält es sich ähnlich wie mit Erdbeben. Man weiß, es gibt sie, man kennt ihre verheerende Wirkung, aber man weiß nie genau, wann sie tatsächlich kommen und was sie auslöst. Milliardenschwere, oftmals im Chaos hektisch geschnürte Rettungspakete zur Stützung von Banken und Wirtschaftsunternehmen, sind ohne Ausnahme lediglich Beruhigungspillen für die Menschen in unserer Heimat, die sie selbst durch ihre Steuergelder bezahlen müssen.

Die anhaltende US – Finanz- und Wirtschaftskrise hat bis heute mehrere hundert Banken ausradiert und den Rest, bis auf ganz wenige Ausnahmen, an den Rand der Katastrohe getrieben.

Aufgrund der sozialen Marktwirtschaft und der noch zum Teil unbeschädigt gebliebenen Organisationsstrukturen der mittelständischen Unternehmen sowie der Volksbanken und Sparkassensystemen, ist es in unserer Heimat relativ umgehend gelungen, die bevorstehende Kernschmelze in der globalen Finanzwirtschaft für kurze Zeit zu verzögern. Die erfreuliche Entwicklung für unsere Heimat sollte uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass die anhaltende US – Finanz- und Wirtschaftskrise die gesamte Weltwirtschaft auf Jahre hinaus lähmen und recht bald auch bei uns die Arbeitslosigkeit sowie die prekären Arbeitsverhältnisse nach oben treiben könnte.

Denn gerät der Zufluss von stabilem frischem Auslandskapital in den USA weiter ins Stocken, werden sich bereits in wenigen Wochen die Ereignisse überschlagen.

Der US – Dollar könnte vor dem völligen Verfall stehen, die US – Zinsen beginnen das Tanzen, drücken die Börsenkurse in den Keller und vernichten quasi jedes aufkeimende Wirtschaftswachstum.

Eine Abwärtsspirale kommt in Gang und wird sich vor allem mit den inneren Ungleichheiten in den USA zu gefährlichen Spiralbewegungen vereinen, die das Zeitalter der Hedonisten in Amerika auslöschen wird. Eine neue Manipulation der breit angelegten Massenmeinung, wie zum Beispiel

Wachstum durch Verschuldung

oder gar der Beleg hedonistisch interpretierter Wachstumszahlen als Begründung für

Pseudo – Booms

werden keinerlei Illusionen mehr auslösen können. Die Börse kann nicht in alle Ewigkeit weiter und weiterwachsen und ohnehin wird die immer noch großangelegten Werbekampagnen ad surdum führen. Die statistischen Tricks der Investmentbanker haben somit Millionen von Opfern gefunden. Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler wissen natürlich, dass alle Menschen zu irrationalem Verhalten fähig sind und das auch über längere Zeiträume.

Jede so genannte

Finanzblase

ist immer ein prägnantes Beispiel für irrationales Verhalten einer großen Mehrheit von Investoren. Denn während jeder ungesunden Aufblähung einer

tödlichen Finanzblase

glauben alle Beteiligten an ihr rationales Handeln. Erst nach dem Platzen wird im Nachhinein den meisten Beteiligten klarer, wie irrational sie sich über den Aufblähungszeitraum verhalten haben.

Tödliche Finanzblasen

sind seit Jahrhunderten nachweislich immer böse Geschichten finanzieller Massen – Euphorie.

Die Szenarien laufen immer nach der gleichen Regie ab. Am Anfang erzeugen die

Finanzblasen – Protagonisten

eine ansteckende Euphorie, die mit der Hilfe von vermeintlichen Experten und diversen Medienhyps wie ein Lauffeuer verbreitet wird. Menschen und auch Wirtschaftsunternehmen, die normalerweise niemals in riskante und undurchsichtige Transaktionen investieren, lassen sich magisch in den Bannstrahl der tödlichen Finanzblasen ziehen.

Einmal im Bannstrahl der tödlichen Finanzblasen gefangen, glaubt man sogar abstrusen Scheinargumenten, die die exponentiell ansteigenden Preise rationalisieren möchten. Oftmals werden auch diffuse, angeblich mathematische Innovationen ins Feld geführt, um weitere vermeintlich lukrative Finanzprojekte am Leben zu halten.

In einem derart aufgeheizten Umfeld passieren dann extrem merkwürdige Geschäftspraktiken. Kreditabteilungen von Banken verkaufen ihre Kredite, die dann blitzartig zu

neuen Wertpapieren

umgeformt werden und danach von der Anlageabteilung derselben Bank zu überhöhten Preisen angekauft werden. Das befeuert den gesamten Kreislauf und fordert ständig Nachschub. Denn hier werden keinerlei volkswirtschaftliche Aktivitäten oder gar Werte kreiert, sondern lediglich das Geld von gutgläubigen Anlegern von einem Ort zum anderen geschaufelt.

Die Folgen sind heute unverkennbar für jedermann. Das ungesunde Aufblähen der tödlichen Finanzblasen bewirkt ein gigantisches, plötzliches Anwachsen der Kredite.

Investmentbanken oder sonstige Investoren [ Hedgefonds etc. ] verspekulieren nicht ihre eigenen Gesellschaftskapitalien oder Vermögen, sondern leihen sich das Geld, um die verantwortungslosen Zockereien zu finanzieren. Das Wettszenario bewirkt also, dass vermeintliche Wertpapiere durch ungeheuerliche Spekulationen mit Krediten finanziert werden. Damit dieser

Teufelskreis

nicht direkt explodiert, muss regelmäßig von Millionen Kleinanlegern Geld eingesammelt werden. Da ein solcher gigantischer

Geldeinpflege - Apparat

von den Banken nicht sicherzustellen ist, mussten weltweit diverse Vertriebsdivisionen die Arbeit übernehmen. Hierin ist der eigentliche Grund zu suchen, warum in unserer Heimat noch immer die Strukturvertriebe ihr Unwesen treiben dürfen. Besser und schneller kann man nicht an das Geld der Menschen kommen. Denn wer möchte nicht wie Carsten Maschmeyer ein Schloss besitzen und seine Gäste mit sündhaft teuren Weinen verwöhnen? Im Grunde trifft es damit den philosophischen Kern des Problems. Es geht nämlich nicht um die Frage, ob Kleinanleger [ abhängig Beschäftigte, Handwerker, Freiberufler oder Selbständige ] eine gesicherte Altersvorsorge haben, sondern ausschließlich darum, möglichst viel frisches Geld einzusammeln.

Überspitzt formuliert:

Was die ungesunde Aufblähung zu einer tödlichen Finanzblase macht und machte, ist nicht die betrübliche Tatsache, dass aktuelle und zukünftige Rentenbezieher noch immer gedrängt werden, ihre Sparkonten aufzulösen, sondern dass die aktuellen und zukünftigen Rentenbezieher das Fünf- bis Siebenfache der Sparsummen als Kredit erhielten, um dann mit Sparsumme und Kredit hochbrisante Derivate zu kaufen.

Finanzderivate, deren Funktionsweise die meisten Banker, Versicherungsmanager und Profiinvestoren selber nicht verstehen, weil man die angeblichen Garantien, zum Beispiel durch bolivianische Staatsanleihen, weder begreifen noch ihre Bonität überprüfen noch valide bewerten kann.

Die allgemeine Voraussetzung für das Entstehen jeder

tödliche Finanzblase

ist selbstverständlich das Vorhandensein eines breiten Marktes. Wie die Wirtschaftsgeschichte des 17. Jahrhunderts bewiesen hat, brauchte man dazu keine wertlosen Aktien oder vermeintliche Wertpapiere. Im 17. Jahrhundert wurde die Tulpe in den Niederlanden zum Gegenstand der wildesten Spekulationen. Damals wurden zum ersten Mal Tulpenzwiebeln aus Istanbul nach Amsterdam gebracht. Die Nachfrage nach Tulpen aus der Familie der Liliaceae wuchs bereits im Jahr 1636 so stark, das man einer Zwiebel, die vorher keinen großen Wert darstellte, einen extravaganten Wert zuschrieb, der eigentlich durch nichts zu belegen war. Das Ende des Tulpenwahns kam im Jahr 1637. Selbst bekannte Wirtschaftshistoriker wissen nicht, wie, wo und warum die

Tulpenzwiebel - [ Finanz- ] Blase

zum Platzen gebracht wurde. Man weiß nur, dass sich urplötzlich einige Amsterdamer und Rotterdamer Spekulanten vom Tulpenmarkt zurückzogen und dadurch eine Massenpanik verursacht wurde. Das dubiose Szenarium rund um die

Tulpenzwiebel - [ Finanz- ] Blase

gehört für jeden Wirtschaftswissenschaftler zu den merkwürdigsten Phänomenen in der globalen Wirtschaftsgeschichte. Trotzdem sind die Ereignisse im 17. Jahrhundert mit heutigen Finanzszenarien vergleichbar, obwohl im 17. Jahrhundert die Finanzmärkte nicht annähernd so entwickelt waren wie heute und die Computertechnik erst dreihundert Jahre später zum Einsatz kam. Die völlig irrationale Kaufwut nach Tulpenzwiebeln mag vielen Menschen aus heutiger Sicht unverständlich erscheinen, denn sie führte zum exorbitanten Ansteigen der Preise. Auch schon damals verschuldeten sich Kaufleute oder Privatinvestoren, um an der vermeintlichen

Reichtumsexplosion

teilhaben zu können. Und was genau die Tulpenzwiebel – Euphorie auslöste, bleibt womöglich für alle Zeiten in den Tiefen der Geschichte verborgen. Diese Begebenheit im 17. Jahrhundert um die

Tulpenzwiebel - [ Finanz- ] Blase

zeigt aber, dass immer und überall ungerechtfertigte Euphorie erzeugt werden kann, die dann unweigerlich die Bereitschaft wachsen lässt, irrationale Risiken einzugehen.

An dieser Stelle beginnt die Verantwortung für alle Politiker, die willens und fähig sind, die ihnen anvertrauten Menschen vor gierigen Bankern, Finanzhaien und skrupellosen Fondsmanagern zu schützen. Denn niemand weiß genau, wie viel verfaulte, wertlose

Tulpenzwiebeln

[ Finanzderivate ]

in den Katakomben von Banken und sonstigen Finanzhäusern lagern.

Denn die so genannten

BAD BANKS

sind nur eine kurzfristige Zeiterscheinung und keine Langzeitlösung. Niemand sollte sich deshalb einbilden, dass man mit BAD BANKS zukünftige Finanzblasen oder Wirtschaftskrisen verhindern kann. Die Wirtschaftsgeschichte zeigt uns allen:

Nach einer

tödlichen Finanzblase ist immer vor einer tödlichen Finanzblase.

Es sei denn, man ist bereit,

die Spielregeln zu ändern, wie sie erst kürzlich der

DRSB unseren Politikern vorgeschlagen hat.

 

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Deutscher Rentenschutzbund e.V.

 

Wir kämpfen seit 22 Jahren mit der Stimme der Demokratie für einen modernen Sozialstaat, sichere, langfristige Arbeitsplätze, sinnvolle, gerechte und lernfähige Rentensysteme, sichere, gerechte und leistungsfähige Sozialsysteme und für korruptionsfreie Demokratie in Deutschland und der Europäischen Union.

 

 

 

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