Dampf ablassen – 26. Oktober 2011

Dampf ablassen

Leserbriefe von DRSB - Lesern

Spezialausgabe zum Thema

„Bernd Raffelhüschen III“

 

 

26. Oktober 2011

 

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Die Leserzuschriften werden nach Themengebieten aufgeteilt und nach einem Zufallsgenerator ausgewählt.

An dieser Stelle weisen wir ausdrücklich darauf hin, dass die nachfolgenden Leserzuschriften vom DRSB e.V. nicht auf Wahrheit oder juristische Wahrhaftigkeit geprüft wurden und insofern ausschließlich die Meinungen der jeweiligen Autoren darstellen.

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E – Mail

Karl-Heinz Goll

Prinzenbergweg 13

64367 Mühltal 20.10.11

 

An das Darmstädter Echo

 

Leserbrief

zur SparkassenVeranstaltung mit Professor Raffelhüschen

 

Stilistisch zwischen nordfriesischer Büttenrede und Erweckungspredigt war Raffelhüschens Auftritt der Versuch einer neoliberalen Gehirnwäsche. Mit einem Stakkato anzüglicher Kalauer und provozierender Witzchen mühte sich der „Hiobsbotschafter der demografischen Entwicklung“ (DE) fern jeder ökonomischen Wissenschaftlichkeit um Anklang. Das Geschäft mit der „privaten“ Altervorsorge sollte belebt werden. Zwischenfragen, gar eine Diskussion waren ausgeschlossen – wovor hatten die Veranstalter Angst? Z.B. davor, dass die „Kapitaldeckung“ der privaten Renten zur Sprache gekommen wäre, die weit überwiegend aus Staatspapieren besteht, deren Sicherheit inzwischen sogar Herr Ackermann bezweifelt? Oder dass der einst mit 4% angepriesene Garantiezins der Riesterrenten bald auf 1,75% und damit unter die Inflationsrate abgesenkt werden muss? Oder Angst vor der einfachen Frage, warum die Arbeitnehmerinnen laut Raffelhüschen mit 8% ihres Brutto zusätzlich "privat" vorsorgen, also zusammen mit den 10% gesetzlichem Rentenbeitrag 18% vom Brutto schultern sollen, während die Arbeitgeber nur 10% beitragen? Wo doch ein gesetzlicher Rentenbeitrag mit paritätisch z.B. 14% + 14% die ganze Riester – Bürokratie und den Schwund beim Riestern von 10% – 15% durch die Finanzkonzerne ersparen würde?

Und was das überhaupt mit der demografischen Entwicklung zu tun hat?

Dieses Rätsel löst sich nur, wenn man den wesentlichen Grund der Rentendemontage -

jenseits aller Bevölkerungsstatistik – betrachtet: die Riester – Rentenreform lief unter dem

Mantra der

„Neuen sozialen Markwirtschaft“:

„Arbeitskosten senken, Lohnnebenkosten senken“,

d.h. auch Lohn- und Sozialdumping gegenüber dem Ausland. Und das hat nun in ein heilloses Dilemma geführt. Befeuert u.a. durch diesen Deutschen Dumpingwettbewerb sind die Leistungsbilanzen der Euro-Länder immer weiter auseinandergedriftet. Die Einen machen riesige Überschüsse – das völlig exportlastige Deutschland den Löwenanteil – die Anderen die Schulden – bei den Banken der Überschussländer – und diese Schuldenmühle dreht sich unaufhaltsam weiter.

Mit immer astronomischeren Rettungsschirmen und Sparprogrammen, d.h. einer Rückabwicklung aller sozialen Fortschritte früherer Generationen, soll die Krise auf die Lohnabhängigen Europas abgewälzt werden. Die neue Deutsche Machtelite hat geglaubt, durch „Wettbewerbsfähigkeit“ mittels Niedriglohnpolitik und Sozialabbau Europa wirtschaftlich aufrollen zu können und steht mit der Euro – Krise jetzt vor ihrem

ökonomischen Stalingrad.

Entweder der Euro platzt, oder es müsste eine Transferunion, einen „Aufbau Süd“ geben vom X-fachen des Aufbaus Ost. In beiden Fällen der GAU für den Export-Europameister. Das wird in letzter Konsequenz das historische Fiasko dessen sein, was auch Herr Raffelhüschen als Botschafter der „Neuen sozialen Marktwirtschaft“ vertritt, und wovon die mit ihm in der Rürup – Kommission unter Rot – Grün programmierte „nachhaltige“ Rentendemontage ein Kernelement ist.

 

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