„Dampf ablassen”
Das demokratisch soziale Ventil – 20. Kalenderwoche 2011
Leserbriefe von DRSB - Lesern
20. Mai 2011
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E – Mail / anonymisiert
Zensus 2011 – es trifft doch jeden
Hallo Herr Piasetzky,
der 09. Mai war der Stichtag für den Zensus 2011 – oder besser ausgedrückt die Volkszählung im Verborgenen, denn der wichtigste Teil der Erhebung findet nicht in den Fragebögen, sondern wieder einmal im Verborgenen statt:
Viele amtliche Register werden „einfach so mal” zusammengeführt und ganz unterschiedliche Datensysteme abgeglichen und harmonisiert. Für die Statistiker ist das wie Geburtstag, Ostern und Weihnachten auf einen Schlag. So ganz wohl ist selbst meinen „nicht befragten” Freunden dabei nicht.
Die letzte Volkszählung in der BRD, die aus dem Jahre 1987, ist mir vor allem deswegen in Erinnerung, weil sie schon 1983 hätte stattfinden sollen, aber damals im Sturm der öffentlichen Empörung über die staatliche Schnüffeltaktik unterging. Unsere Politiker lernen manchmal schnell. Nach dieser Erfahrung findet die Volkszählung diesmal im Verborgenen statt:
Die individuelle direkte Beschnüffelung der Bürger mit Fragebögen ist diesmal nur die Spitze des Eisberges, denn der fulminante Rest findet im Dunkeln statt.
Ein wirklich „irrsinnig tolles” Demokratieverständnis!
Viele Grüsse
DER VERFASSER
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E – Mail / anonymisiert
Volkszählung?
Sehr geehrter Herr Piasetzky,
der Zensus ist heute schwerpunktmäßig registergestützt, sodass aus den öffentlichen Registern sämtliche Daten zusammengeführt werden. Nur deshalb belassen es die Statistiker bei der Befragung der Menschen auf Stichproben.
Nennt man diesen Vorgang jetzt Datenschutz?
Das so gezimmerte Zensusvorbereitungsgesetz hat doch erst dafür gesorgt, dass aus den riesigen Datenmengen von Melde- und Vermessungsbehörden, Finanzämtern sowie Abwasserverbänden eine Gebäudedatenbank entstehen konnte. Das Zensusgesetz sorgt dafür, dass aus den zusammengeführten Daten von Einwohnermeldeämtern, Arbeitsagenturen und sonstigen Verwaltungsbehörden eine zentrale und durchsichtige
Bevölkerungsdatenbank
entstehen kann. Für mich sieht echt gewollter Datenschutz anders aus. Will man im Grunde ein einheitliches Bundesmelderegister entstehen lassen?
Doch die Begehrlichkeiten werden wachsen und mit dem Argument „Terrrorgefahr” wurde schon so manches grundrechtliche Tabu gesprengt. Es ist kaum zu glauben, wie ruhig die diesjährige Volkszählung aufgenommen wird. Mein größter Zweifel besteht darin, dass die gesammelten Zahlen tatsächlich zu besseren Entscheidungen für unser Land genutzt werden.
Oder möchte man die Armutsagenda, Hartz IV und die Tricks mit ALD 1 und ALG 2 noch wesentlich verschärfen? Haben wir am Ende nur noch rund 120.000 Arbeitslose, also statistisch gesehen eine Vollbeschäftigung und rund 6 Millionen Arme in Hartz IV? Diese armen Bürger suchen zwar dann weiter nach Arbeit – sind aber nicht mehr arbeitslos.
Am Ende bleibt uns ein superteurer Datenfriedhof ohne Verbesserung für das Volk. So was nenne ich:
Volksverarschung!!!
Mit freundlichen Grüssen
DIE VERFASSER
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