AÜG
DAS VERARMUNGSDESASTER
17. Februar 2011
Ein ganz erheblicher Teil der „günstigen” Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in unserer Heimat ist auf die Schaffung neuer Stellen bei Zeitarbeitsfirmen zurückzuführen. Die Arbeitnehmerüberlassung, im Volksmund auch
Zeitarbeit
genannt, hat sich nach der Agenda 2010, den Hartz – Reformen des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes [ AÜG ] zum
Verarmungsmotor
auf unserem Arbeitsmarkt entwickelt. Zudem ist die Arbeitnehmerüberlassung der Hauptauslöser für die soziale Ausgrenzung von abhängig Beschäftigten. Was vermeintlich als Instrument des flexiblen Arbeitskräfteeinsatzes geplant war, ist heute die schärfste Waffe für die systematische Vernichtung von sichereren Langzeitarbeitsplätzen und dem Wohlstand. Und bitte niemals vergessen: Dafür ließ sich der Ex – Wirtschaftsminister
Wolfgang Clement
in den Medien feiern. So langsam erkennen die demokratischen Parteien welch unübersehbare Schäden das Gesetz zur Regelung der gewerbsmäßigen Arbeitnehmerüberlassung [ (Arbeitnehmerüberlassungsgesetz - AÜG ] noch für unsere Volkswirtschaft bereit hält. Immer häufiger werden Leiharbeiter regelrecht ausgebeutet und sind von Armut bedroht. Die meisten Leiharbeiter verdienen so wenig Geld, dass sie zusätzlich auf Fürsorgeleistungen des Staates angewiesen sind. Das hat nun auch endlich eine Langzeitstudie des Deutschen Gewerkschaftsbundes [ DGB ] erkannt. Das leidige Thema Mindestlohn für Leiharbeiter und deren gleiche Bezahlung wie beim Stammpersonal eines Betriebs ist zurzeit auch ein Streitpunkt in den Verhandlungen von Bundesregierung und Opposition über die künftigen
Hartz – IV – Regelsätze.
Bereits Mitte 2010 stellte der DRSB fest, dass mehr als 94 000 Leiharbeiter gezählt wurden, die trotz sozialversicherter Leiharbeit auf Hartz – IV – Zahlungen angewiesen waren. Das Verarmungsrisiko der Leiharbeiter wuchs seit dem exponentiell an und ist heute bis zu fünf Mal größer als bei einem sichereren Langzeitarbeitsplatz. Wieder einmal werden die braven Steuerzahler für das praktizierte Lohndumping zur Kasse gebeten. Ein grober Vergleich von monatlichen Bruttolöhnen nach Einkommensgruppen zwischen Vollzeitbeschäftigten und prekären Leiharbeitskräften zeige damals schon für das Jahr 2009 eine erschreckende Bilanz.
Das Risiko der Hartz – IV – Abhängigkeit ist seitdem trotz leichter konjunktureller Belebung rasant angestiegen. Unser Land ist also Dank AÜG gezwungen, die Leiarbeiterbranche verdeckt über Hartz IV zu subventionieren. Ex – Wirtschaftsminister
Wolfgang Clement
bescherte den neoliberalen Ausbeutern mit der Deregulierung der Leiharbeit eine
eierlegende Wollmilchsau.
Befristete Arbeitsverhältnisse mit unterdurchschnittlichem Einkommen, wenigen Urlaubstagen, kein Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld, sowie Kündigungsschutz aus dem 19. Jahrhundert. Was noch fehlt ist die Kündigungsfrist innerhalb 24 Stunden und keinerlei staatliche Unterstützung, dann wäre das AÜG aus der Sicht von gierigen Heuschrecken fast perfekt. Das AÜG ist also der Verarmungsmotor für alle abhängig Beschäftigten. Denn treffen kann die Leiharbeit schon morgen jeden in unserer Heimat. Trotzdem hört man nur vereinzelt Aufschreie der Empörung von den Betroffenen. Die Leiharbeit boomt und mit ihr die wachsende Exklusion. Nur ein kurzer Blick auf den Seiten der Personal Service Agenturen zeigt, dass sehr viele hoch- und bestqualifizierte Mitarbeiter gesucht und in die prekäre Leiharbeit für einen Hungerlohn vermittelt werden. Die Leih- oder Zeitarbeit hat nicht nur dramatische Folgen für unseren Arbeitsmarkt, sondern vernichtet Tag für Tag unsere Gesellschaftsstruktur. Das sind keine
Bremsspuren am Arbeitsmarkt,
wie es der Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt vermutet, sondern der kammuflierte Beginn von neuen Klassenkämpfen, denn es trifft in erster Linie die Schwächsten am Arbeitsmarkt, nämlich die Langzeitarbeitslosen und Geringqualifizierten. Der DRSB forderte deshalb bereits vor Jahren, dass die Leiharbeit kein Mittel sein darf, Stammbelegschaften zu ersetzen, Langzeitarbeitsplätze zu vernichten oder Löhne nach unten zu drücken. Und wenn gleicher Lohn für gleiche Arbeit wirklich eingeführt werden sollte, dann ist das untaugliche Modell der prekären Leiharbeit ohnehin wieder obsolet.
Vollzeit arbeiten und trotzdem Hartz IV abhängig sein muss ein sofortiges Ende finden!
