Sonderinfobrief – 04. Februar 2013 / Zetsche oder nicht Zetsche?

Zetsche oder nicht Zetsche?

 

Der Vorstand von Daimler sitzt inzwischen wieder dort, wo er bis 1990 saß, nämlich im Stammwerk Stuttgart – Untertürkheim. Dort wo die Mercedes gebaut werden – > und man vor dem Abenteuer mit Chrysler Weltmarktführer in Qualität und Zuverlässigkeit war. Der frühere Daimler Chef Edzard Reuter ließ die 13 Gebäude mit einem elf -geschossigen Hochhaus vor den Toren Stuttgarts errichten. Im Jahr 1990 zogen dort rund 3.000 Mitarbeiter ein. Edzard Reuter liebte diese Mercedes -  Zentrale, die im Stil eines Campus angelegt ist. Sein Nachfolger, der willfährige atlantische Netzwerker Jürgen Schrempp, sprach schon mal verächtlich vom

Bullshit Castle,

wenn er über Vorgänge in der Konzernzentrale redete. Die Stuttgarter selbst sprechen völlig emotionslos von

„Daimler City“.

 

Mit dem Beginn des Abenteuers in den USA wurde im Rahmen einer Prüfung des Immobilienbestandes die Liegenschaft in Stuttgart – Möhringen als nicht betriebsnotwendig eingestuft. All dies sollte helfen, das Portfolio zu optimieren, hieß es damals in der Konzernzentrale. Nach den gigantischen Verlusten in den USA und der Trennung von Chrysler sieht man es wieder anders. Bekannter weise musste man an allen Ecken und Kanten sparen, sodass der Verlust der Weltmarktführerschaft in Qualität und Zuverlässigkeit zwangsläufig war. Audi und BMW aber auch Lexus, Jaguar und VW haben Mercedes längst ein- und überholt.

Selbst der Qualitätsabstand zu Mazda, Nissan,

Opel, Kia, Renault, Peugeot oder Ford ist nur noch marginal. 

 

Die zu erwartende Krise beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS wird sich auf den Gewinn von Daimler auswirken wird. Der Autobauer ist mit 22,5% größter Anteilseigner an EADS. Der Automarkt schwächelt und das Jahr 2012 verlief nicht so gut wie gewünscht. Ein sattes Minus von 14,2% musste Mercedes wegstecken. Hohe Lagerbestände könnten die Situation noch erheblich verschärfen. Das alles hat natürlich entsprechende Auswirkungen auf den Konzern – Operating -Profit. Nach Einschätzung von Beobachtern könnte der operative Gewinn wegen sinkender Erträge geringer ausfallen als erhofft. Mercedes zeigt sich dennoch optimistisch, mit neuen Modellen bald wieder kräftigere Gewinne erzielen zu können, obwohl viele Modelle der Konkurrenz nicht mehr das Wasser reichen können. Außen- und Innendesign sowie Verarbeitung stoßen immer häufiger auf Kritik. Und der Mercedes / Kangoo – Verschnitt lässt viele Mercedes – Fans mit Grauen in die Zukunft schauen.  

 

Der Autokonzern musste bereits vorigen Geschäftsjahr seine Position mit großen Anstrengungen verteidigen. Selbst das Flottengeschäft lief nicht so wie prognostiziert. Und 2013 weht der Wind im Automarkt noch rauer. Vermutlich gerät dann die Aktie von Daimler noch stärker unter Druck. Der Daimler-Titel könnte sich also zum Upper – Performer entwickeln. Die Nachwehen des Abenteuers in den USA lassen grüßen. Die wachsende Skepsis im Aufsichtsrat spiegelt die Stimmung der Anleger wider. Niemand ist so richtig zuversichtlich mit der Entwicklung. Der Aktienkurs von Daimler liegt kaum höher als Mitte 2005. Damals galt Zetsche noch als „DER“ Hoffnungsträger.

 

Deshalb pfeifen es die Spatzen in Frankfurt und Stuttgart vom Dach, dass einige Aufsichtsräte die Entscheidung für eine Vertragsverlängerung von Zetsche nur halbherzig mittragen. Entgegen der üblichen Konzernpraxis hat man sogar außerhalb des Unternehmens intensiv gesucht, ob es einen besseren Kandidaten als Zetsche gibt. Der noch amtierende Vorstandsvorsitzende hat zwar konsequent und systematisch die enormen Altlasten der gescheiterten Welt AG von Jürgen Schrempp abgebaut – > doch der gesamte Konzern trudelt, sodass ein realistisches Ziel fehlt, auf das der Daimler – Konzern zusteuern kann.

 

Lange Zeit waren die Auswirkungen der US – Finanz- und Wirtschaftskrise im deutschen Neuwagenhandel kaum zu spüren, doch jetzt hat es die Branche voll erwischt und könnte auch Mercedes in den Abgrund reißen. Dadurch wäre der Daimler – Konzern zweimal abgestraft worden.

Aber – > die Hauptlast werden wieder

einmal die abhängig Beschäftigten von Daimler tragen dürfen.  

 

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