Versagen die Eliten?
Teil 44
Das soziale Pflichtjahr
23. Juli 2010
Jeder hört es gerne aus dem Freundeskreis, wenn es heißt, ich tue etwas für Dich, weil Du es mir wert bist. Dadurch entsteht ein angenehmes Gefühl der Wärme und der Solidarität. Man fühlt sich verstanden und integriert.
Doch was ist unseren Politikern das anvertraute Volk wert?
„Frag nicht, was Dein Land für Dich tun
kann, frag, was Du für Dein Land tun kannst”.
Diesen markanten Satz von US – Präsident John F. Kennedy kennen viele Menschen in der Welt. Häufig wird er in „schönen” Sonntagsreden von Politikern zitiert und findet sofort ungeteilte Zustimmung bei allen Zuhörern. Etwas für das eigene Land zu tun – das klingt gut und ist mit edlen Motiven verknüpft. Doch sehr selten wird dieser löbliche Kennedy – Satz in die Tat umgesetzt. Besonders unsere Politiker sind von dem Wahn befallen, dass immer die „anderen” – wer immer das auch sein soll – etwas für unser Land tun könnte. So etwas nennt man auch
„Verschiebebahnhof der Moral und Werte”.
Unsere Volksvertreter, zumeist aus den Reihen der CDU / CSU, FDP oder der SPD, hatten offensichtlich mal wieder Langeweile in Berlin und haben über die Abschaffung der Wehrpflicht nachgedacht. Was immer dieses „Nachdenken” auch bedeuten mag, es führte extrem schnell zur Gesetzesvorlage über die Wehrdienstverkürzung auf sechs Monate.
Eine Verkürzung der Wehrpflicht ist so unnötig wie ein Knopf an der Backe. Die Wehrpflicht hat keinesfalls ausgedient, denn sie hat sich seit 1955 bewährt und gleichzeitig den sozialausgerichteten Zivildienst sichergestellt. Die Wehrgerechtigkeit ist inzwischen unerreichbar und mutierte zum zentralen Argument für die Abschaffung der Wehrpflicht. Für die Gegner der Wehrpflicht ist sie vorgeblich eine willkürliche Wehrschikane.
Durchleuchtet man das gesamte Szenario, so gibt ein sehr gewichtiges Argument für die Beibehaltung der Wehrpflicht.
Denn mit der Aufhebung oder radikalen Verkürzung verliert das chronisch unterfinanzierte Sozial- und Gesundheitssystem mit einem Schlag zehntausende Zivildienstleistende, die dann als soziale Arbeitskräfte wegfallen oder kaum noch auszubilden sind.
Viele dreißigjährige oder vierzigjährige Volksvertreter, die heute vehement eine Berufsarmee fordern und über die Forderung des DRSB e.V. für die Einführung eines
sozialen Pflichtjahrs
spotten, werden froh sein, wenn sie in dreißig Jahren junge Menschen in unsere Heimat vorfinden, die ein soziales Pflichtjahr ableisten. Denn aller Voraussicht nach werden in dreißig Jahren die heute Dreißigjährigen oder Vierzigjährigen nicht mehr über die finanziellen Mittel verfügen, um sich den Luxus einer privaten Pflege leisten zu können. Die Botschaft der FDP, die sie quasi wie eine Monstranz vor sich herträgt
„Privat vor Staat”
beherrscht dann ein soziales Elend, das sich heutzutage niemand vorstellen kann oder gar möchte.
Dass man in Zeiten von knappen Haushaltskassen sehr gerne überall an sozialen sowie kollektiven Leistungen, also auch an der Wehrpflicht, sparen möchte, ist auf den ersten Blick vielleicht noch verständlich.
Beim zweiten Hinschauen sollte man aber heftig drüber nachdenken, was so eine Entscheidung für Folgen haben könnte.
In fast allen Ländern, die eine Berufsarmee unterhalten müssen, zeigte sich bereits nach kurzer Zeit, dass der Übergang von der Wehrpflicht zur Berufsarmee langfristig wesentlich mehr Kosten verursachte. Das Einsparpotenzial erwies sich immer als Trugschluss. Auch die Verkürzung der Wehrpflicht von neun auf sechs Monate ist an Verantwortungslosigkeit nicht mehr zu steigern, denn die modernen Waffensysteme erfordern eine gründliche Ausbildung, damit jeder Soldat im Einsatz die bestmögliche Nutzung zu seinem Schutz entfalten kann.
In unserer Heimat besteht schon lange die Möglichkeit, auf freiwilliger Basis ein soziales Jahr abzuleisten. Junge Menschen, die sich dazu entschließen, durchlaufen einen persönlichen Reifeprozess und lernen „ihre” Welt mit anderen Augen zu sehen.
Denn wer sich um hilfsbedürftige ältere Mitmenschen bemüht, erkennt sehr schnell, dass unser Leben nicht nur aus „DSDS” oder vergleichbaren flachen Unterhaltungssendungen besteht. Tugenden wie zum Beispiel Bescheidenheit und Besonnenheit gewinnen durch ein soziales Jahr an Wert und zeigen, dass der Dienst an der Gemeinschaft sehr wertvoll und nützlich ist.
Wenn also die heutigen dreißigjährigen oder vierzigjährigen Volksvertreter zu der Einsicht gelangen, dass ein
soziales Pflichtjahr
für alle jungen Menschen nicht nur ein Akt der Solidarität, sondern ein Zeichen für den Zusammenhalt unserer Gemeinschaft sein könnte, dann hätten wir in unserer Heimat einen großen Schritt in eine sichere Zukunft getan.
Wie und in welcher Höhe ein soziales Pflichtjahr zu entlohnen ist, darüber gibt es genügend Zahlenmaterial, das die Kostengünstigkeit belegt. Viele junge Menschen rutschen nach Beendigung ihrer Schule in eine Orientierungskrise oder in die Arbeitslosigkeit.
Mit einem
sozialen Pflichtjahr
erhielten alle eine Grundausbildung in unterschiedlichen Berufen und hätten zwölf Monate Zeit, sich für ihr zukünftiges Berufsleben in Ruhe zu orientieren. Dass Jugendliche im sozialen Pflichtjahr auch unterste Arbeiten verrichten müssen, schärft das Verständnis für ein Zusammenleben in Respekt. Selbst diejenigen, die aus egoistischen oder materialistischen Gründen ein soziales Pflichtjahr ablehnen, erhalten die Chance, sich nutzmehrend in die Gesellschaft einzubringen.
Es muss allen Menschen bewusst sein, dass der eigentliche Wert eines
sozialen Pflichtjahrs
die Verbesserung des Lebens in Deutschland für alle bedeuten könnte.
„Frag nicht, was Dein Land für Dich tun
kann, frag, was Du für Dein Land tun kannst”.
Dieser markante Satz von US – Präsident John F. Kennedy wäre für alle Menschen in unserer Heimat plötzlich mehr als nur eine Fußnote in einer „schönen” Sonntagsrede.
Echte Werte sind die gesunde Grundlage für jede Form der Gemeinschaft, die sich durch moralische Regeln zu einer nutzmehrenden Gesellschaft entwickeln kann.
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