DRSB
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
Redaktionsteam
Leitung:
Udo Johann Piasetzky ⋅ Andreas Kallen ⋅ Hans – Josef Leiting
Düsseldorf, den 23. Juni 2008
Versagen die Eliten?
Teil 1
Angeregt durch die DRSB – Artikelserie
- Die Nachwehen der US – Kriege -
bitten seit einigen Wochen täglich mehr Leser darum das mögliche Versagen der politischen und wirtschaftlichen Eliten einmal näher zu durchleuchten.
Dass zahlreiche Staaten der Welt, einer neuen Bertelsmann – Studie zufolge, dabei sind sich von demokratischen Systemen zu Diktaturen oder Alleinherrschaften zu entwickeln, bleibt auch in Deutschland nicht länger im Verborgenen.
Glaubt man der Bertelsmann – Studie so stieg zwar die Anzahl der formalen Demokratien weiter an, doch bedauerlicherweise stagniert deren echte demokratische Qualität erheblich.
Rund vier Milliarden Bürger leben weltweit in einer Demokratie und 2,5 Milliarden in so genannten Autokratien und Diktaturen. 52 der 75 überprüften Demokratien wiesen erhebliche Mängel des Rechtssystems auf. Die Stiftungs – Studie misst Erfolge und Rückschläge auf dem Weg zu rechtsstaatlicher Demokratie und sozialpolitisch flankierter Marktwirtschaft.
Für die Verfasser dieser Aufsehen erregenden Studie der Bertelsmann Stiftung stehen die Verantwortlichen der Misere, dass der Reichtum auf der Welt nur noch von ganz Wenigen abgeschöpft wird, fest:
Die Eliten haben versagt.
Kaum noch profitieren die Bürger vom realen Wirtschaftswachstum in ihren Ländern oder gar von globalen Wirtschaftssystemen.
Die unausweichliche Folge kann auch für Deutschland in der Gestalt einer zu erwartenden
Massenarmut
zu einem zentralen Problem anwachsen.
Nicht nur neoliberale deutsche Politiker lassen sich dazu verleiten, die Früchte und Erträge des wirtschaftlichen Erfolges sofort zu konsumieren, statt sich um eine solide Weichenstellung für die Zukunft zu kümmern.
Obwohl Deutschland zurzeit noch das große Glück hat durch den Leistungswillen seiner Bürger ein Wirtschaftswachstum darstellen zu können, nutzten korporatistisch veranlagte Politiker den gebotenen Spielraum nicht für
Armutsbekämpfung, Bildung, Wohlstand
oder für die Entwicklung eines
modernen Sozialstaates.
Das Versagen der Wirtschafts- und Politikeliten und die damit verbundene zerstörerische Kraft für die deutsche Gesellschaft wiegen mittelfristig vermutlich sehr viel schwerer als die Leistungen, die sie erbringen.
Der Verlust der Glaubwürdigkeit hat nicht bei Klaus Zumwinkel angefangen und auch nicht bei Heinrich von Pierer, denn die Arroganz der Politik- und Manager – Kaste gegenüber den Deutschen hat viele Namen.
Als der Frankfurter Baulöwe Jürgen Schneider mit den faulen Immobiliengeschäften Millionen Verluste für die Deutsche Bank einfuhr, sprach der damalige Chefbanker Hilmar Kopper von „Peanuts” und verschreckte viele Bürger, die heute noch Monat für Monat zuverlässig ihre Kredite abzahlen.
Manfred Kanther und seine Lügengeschichten von den vorgeblichen „jüdischen Vermächtnissen”, sollten die Schwarzgeld – Strategien der CDU verdecken. Als Manfred Kanther aufflog, war der Vertrauensschaden nicht mehr zu beheben.
Korruption und Steuerhinterziehung in der Wirtschaft sowie das ständige Schielen auf den nächsten Wahlabend führten zu einem enormen Verlust an Vertrauen in die Wirtschafts- und Politikeliten.
Diese neue Gewissenlosigkeit ist nicht nur eine Folge der Globalisierung, die eine nicht mehr ortsgebundene Wirtschafts- und Politikelite hervorgebracht hat, sondern orientiert sich offenbar ausschließlich am eigenen Vorteil.
Dadurch verschwinden vollkommen soziale Bindungen und offenbar auch das Verpflichtungsgefühl gegenüber den Bürgern der eigenen Gesellschaft, die sich immer noch überwiegend in den nationalen Grenzen organisiert.
Die nahezu perverse Idee der
„Corporate Social Responsibility”
- das Etablieren entsprechender Unternehmenswerte im internationalen Rahmen – geht voll in diese Richtung.
Wie leicht gewissenlose Finanz – Spekulanten durch die Globalisierung des Finanzmarktes mit riskanten Immobilienkrediten und Hedgefondssystemen ganze Weltregionen in Rezessionsgefahr stürzen können, zeigen die letzten Monate überdeutlich.
Skrupellose Spekulanten und politische Abenteurernaturen sind täglich auf der Suche nach der großen Geldflut und schmeißen bürgerliche Anschauungen und Grundsätze über Bord.
Schon seit einigen Jahren differenzieren deshalb deutsche Bürger nicht mehr zwischen gutem und schlechtem Manager oder gutem und schlechtem Politiker.
Seriöse und erfahrene Wissenschaftler konstatieren bei großen Teilen der Wirtschaftselite eine von der Gesellschaft abgekoppelte Geschlossenheit im Denken bei gleichzeitig regelrechter Verachtung der Politikeliten.
Nur dadurch können
sie noch jeder moralischen Frage aus dem Weg gehen.
Zum Beispiel gezielte Steuerhinterziehung wird damit zu einer tiefen Überzeugung, ja quasi zum Glaubensbekenntnis des Kapitalismus, das einzig Richtige zu tun.
Diese Einstellung der Wirtschaftseliten ist heute populärer denn je. Vom Gedanken getragen, dass der Staat viel schlechter wirtschaftet als die Wirtschaft, sucht man Legitimation für sein Handeln.
Für manche Angehörige der Wirtschaftselite ist „Steuerhinterziehung”
daher so etwas wie ein Notwehrrecht gegen den Rechtsstaat.
Da hilft nicht mehr das halbherzige Herumnörgeln an zu hohen Managergehältern. Solche vorgeblichen Kritiktöne hört man nicht nur von der Bundeskanzlerin Angela Merkel, sondern auch immer öfter von Bundespräsident Horst Köhler und sogar vom neoliberalen Finanzminister Peer Steinbrück, die allesamt den Wirtschaftsakteuren Versagen vorwerfen.
Umgekehrt werfen die Wirtschaftseliten den Politikern Ahnungslosigkeit und maßlose Machtgier bei gleichzeitigem Desinteresse am Gemeinwohl vor.
Der DRSB e.V. ist deshalb seit Monaten den Fragen nachgegangen:
Wer sind diese Eliten wirklich?
Was haben sie auf dem Kerbholz, wie und wo haben sie versagt?
Verfolgen Sie mit kritischen Interesse die neue DRSB – Artikelserie und erkennen, wie man das Eliteproblem in unserer Demokratie ein für allemal lösen kann.
Wenn man einfach nur sagt:
„Jeder Politiker und jeder Manager ist Elite, braucht man
nicht mehr definieren, was ihre Persönlichkeiten ausmachen”.
Wenn die sechziger und siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts einen Aufbruch markierten, der in gesellschaftlichen Reformen mündete, dann stehen die späten achtziger und gesamten neunziger Jahre eher für ständig
schwindendes Verantwortungsbewusstsein
der
Wirtschafts- und Politikeliten,
die in den Jahren der wirtschaftlichen Prosperität, von Globalisierungsgewinnen und der New Economy die gesellschaftliche Verantwortung immer Sache der jeweils anderen sein ließen beziehungsweise zur Nebensache degradierten.
Gemeinwohlorientierung
kann man nicht Erzwingen. Aber man kann solches Handeln belohnen.
Für den DRSB e.V. gilt es deshalb, Instrumente zu entwickeln,
um sozial verantwortliche Unternehmungen zu fördern,
anstelle der vorherrschenden
Maßlosigkeit, Gier und Kälte gegenüber der Gesellschaft.
DRSB
Wir kämpfen seit 20 Jahren mit der Stimme der Demokratie
für
einen modernen Sozialstaat,
sichere, langfristige Arbeitsplätze,
sinnvolle, gerechte und lernfähige Rentensysteme,
sichere, gerechte und leistungsfähige Sozialsysteme,
und für
korruptionsfreie Demokratie in Deutschland und der EU.
