Blitzkrieg in der Sahel – Region?
Die Geiselnahme in Algerien ist höchstwahrscheinlich eine direkte Reaktion auf das militärische Eingreifen Frankreichs in Mali. Gleichzeitig ist das terroristische Debakel auf dem Gasfeld in der algerischen Sahara eine bedrohliche Warnung, denn das militärische Eingreifen Frankreichs ist keine Angelegenheit zwischen Frankreich und seiner Ex – Kolonien in Westafrika. Mali ist lediglich ein Zeichen einer zunehmenden politischen und gesellschaftlichen Destabilisierung der gesamten Sahel – Region.
Der aufflammende Dschihadismus ist kein Sektierertum von gewaltbereiten Islamisten, sondern ein Flächenbrand sowie eine indirekte Kriegserklärung an den Westen und die Ungläubigen. Eine solche Kriegserklärung sollte auch als solche zu behandeln sein. Die besorgniserregende Entwicklung betrifft nicht nur Mali. Sie hat bereits alle Anrainer wie Algerien, Burkina Faso, Niger oder den Tschad fest im Griff.
Je nach der Bedrohungslage braucht man unterschiedliche Strategien und abgestimmtes Vorgehen. Europäische sowie amerikanische Politiker sollten sich darüber klar werden, welche Reaktionen die „BESTEN“ sind. Nicht alle islamistischen Organisationen verfolgen die gleichen Ziele. Dementsprechend muss man auch unterschiedlich darauf reagieren. Immer nur den Knüppel aus dem Sack holen ist sinnlos.
Wenn Gewaltbereite barbarische Mittel einsetzen wie Al Kaida, dann sollten Politiker mit Entschlossenheit und Konsequenz vorgehen. Jeder Terrorgruppe muss klar sein, dass sie mit Gewalt keinen Erfolg haben können. Das bedeutet nicht, dass man immer sofort Truppen entsenden muss. China verfolgt seit Jahren beharrlich seine Ziele auf dem afrikanischen Kontinent – und das ohne großes Aufsehen oder aufwendige Militäreinsätze. Die chinesische Einstellung lautet: Handel vor Krieg. Auch so kann man sich ohne militärische Abenteuer Gehör verschaffen und das bekommen, was man möchte: Erdöl, Erdgas und sonstige Bodenschätze. Die USA dagegen können noch auf ihre militärische Stärke setzen und sich mit Gewalt Gehör verschaffen. Bedauerlicherweise haben viele europäische Staaten diese fatale sowie unsinnige Einstellung der Amerikaner übernommen. Der französische Präsident Hollande ist derzeit das allerbeste negative Beispiel.
Diese gesamte Sahel – Region braucht die moralische, wirtschaftliche und politische Hilfe der Europäer. Von diplomatisch geprägten Europäern werden starke und gewaltfreie Signale und keine außerordentliche Mobilisierung mit untauglichen Drohgebärden erwartet. Es ist sehr besorgniserregend, dass es keinerlei nutzmehrende Koordination und Kommunikation zwischen den Staaten in der Region gibt, die der Dimension der zukünftigen Herausforderung entspricht.
Die französische Intervention in Mali zeigt es uns in aller Deutlichkeit, dass die malischen Rebellen stärker und besser organisiert sind als man vermutete. Die französische Luft- und Bodenoffensive konnte sie nur vorübergehend zurückdrängen. Ein Blitzkrieg war das nicht, denn besiegt sind sie noch lange nicht. Durch den voreiligen französischen Militäreinsatz in Mali wird es zu langanhaltenden und für die EU kostspieligen Guerillakämpfen kommen. Bereits heute schon steht fest, dass einige europäischen Projekte in der Sahel – Region im Wüstensand versickern werden.
Wenige Tage nach der französischen Intervention musste man in Paris erkennen, dass das militärische Eingreifen wesentlich komplizierter sein wird als ursprünglich erwartet. Die sogenannten „GEGNER“ sind überraschend gut ausgerüstet und kämpfen zäh. Ein Blitzkrieg sieht anders aus. Wie vom DRSB richtig eingeschätzt, droht nun ein Dauerkonflikt mit vielen Toten, Verwundeten und extrem hohen Kosten.
Die Mächtigen in Washington haben zwar den Militäreinsatz in Mali begrüßt – aber die Anfrage der Franzosen für logistische Hilfe zunächst aber auf die lange Bank geschoben. Damit signalisiert man vermutlich, dass man in Zukunft größte Vorsicht anwenden möchte, bevor man sich in einen nutzlosen und unsinnigen Krieg hineinziehen lässt. Die USA lassen sich offensichtlich nicht mehr in eine Führungsrolle drängen. Denn bis heute haben die USA für ihre militärischen Abenteuer in der islamischen Welt vor allem Hass geerntet – während die Chinesen überall als Freunde gefeiert werden.
