Farewell EU
Die Briten wurden vom Thatcherismus nahezu hingerichtet. Die ehemals stolze Industrienation verlor in der Amtszeit von Margaret Thatcher [1979 bis 1990 ] die meisten sicher geglaubten Arbeitsplätze in der Industrie sowie in den mittelständischen Unternehmen. Die Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik der britischen Premierministerin suchte das Heil in einem schlanken Staat mit einer autonomen Zivilgesellschaft. Margaret Thatcher frönte den Lehren von Prof. Milton Friedman [ Chicagoer Schule ] und setzte volles Rohr auf einen prekären Marktfundamentalismus unter der Hinnahme von sozialer Ungerechtigkeit sowie Ungleichheit. Seitdem sind soziale Ausgrenzung oder Segregation keine Fremdbegriffe mehr. Margaret Thatcher war eine glühende Anhängerin einer autoritären Moral in Kombination mit ökonomischem Individualismus. Die britische Premierministerin war davon überzeugt, dass sich der Arbeitsmarkt selbst reguliert. Mit Ihrem sehr schwach ausgebildeten sozialen Verständnis betrachtete Thatcher Großbritannien als Wohlfahrtsstaat mit sozialem Hängenetz. Was Großbritannien definitiv damals schon nicht war. Mit purem Neoliberalismus versuchte Margaret Thatcher eine lineare Modernisierung des ihr anvertrauten Staates. Heute wissen Briten und Amerikaner, dass die Lehren von Prof. Friedman ein gefährlicher Irrweg waren. Deshalb möchte Premierminister David Cameron eine harte Wende einleiten und wieder sichere Arbeitsplätze im neu formierten Mittelstand etablieren. Möge ihm diese Übung gelingen.
Diesen Bemühungen stehen jedoch der Regulierungswahn von Brüssel sowie die ausufernde EU – Bürokratie im Wege. Englisches Recht galt Jahrzehnte lang als „DAS“ Vorbild für eine faire, sachlich agierende Justiz. Auch hier hat Brüssel für London neue negative Maßstäbe gesetzt. Kurzum, die Briten haben von der EU die Nase gestrichen voll. Wäre noch diese Woche eine Volksabstimmung in Großbritannien möglich, dann würden vermutlich rund 79% der Wähler für einen sofortigen Austritt aus der EU stimmen. Kein allzu großes Problem für „GB“, denn man ist der Eurozone nicht beigetreten. Die Briten wollen nur noch raus auch dem Brüsseler Irrsinn.
Diese Anti – EU – Stimmung kennt auch Premierminister David Cameron. Großbritannien wird nach der Meinung von Premierminister David Cameron aus der Europäischen Union herauskatapultieren, wenn sich die Staatengemeinschaft nicht reformiert und den Wasserkopf in Brüssel drastisch reduziert. Mit Vorliebe zitieren die englischen Medien derzeit Margaret Thatcher, die 1988 in Brügge vor zu weitgehenden Integrationsschritten in der EU eindringlich warnte, sodass diese Thatcher – Rede als die Geburtsstunde des
Euroskeptizismus
gilt. Britischer Humor ist eben anders. Aktuell muss Cameron damit kämpfen, dass die Mehrheit der Briten für die Probleme im Land hauptsächlich die EU, die Euro – Schuldenkrise, die EZB und die unfähigen Parlamentarier in Brüssel verantwortlich machen. Selbst die schwächelnde britische Wettbewerbsfähigkeit schieben die Briten auf das Versagen der EU. Die Menschen auf der Insel sind frustriert und teilweise sogar hasserfüllt. Quasi ein Horrorszenario für den praktizierenden atlantischen Netzwerker Cameron. Denn – wenn David Cameron diesen Herausforderungen nicht sofort begegnet, dann besteht die Gefahr, das Europa scheitert und die Briten als Erste in Richtung Exit stürmen.
Cameron stellt sich zwar gegen einen EU – Austritt Großbritanniens – doch wie lange könnte er gegen das Volk regieren? Die europakritischen Mitglieder von Camerons konservativer Partei weisen ihn immer wieder auf die Umfrageergebnisse hin, wonach rund 63% der Briten sofort die EU verlassen würde. Man hat Cameron unmissverständlich aufgefordert, ein Referendum über den Verbleib in dem 27 EU – Länder zu genehmigen. Es brodelt also in London, denn britische Wirtschaftsvertreter und Vertreter der US – Regierung warnten Cameron vor einer Loslösung von der EU. Cameron ist in der Zwickmühle und verweist in seiner prekären Lage auf die Forderung der niederländischen Regierung hin, die eine Überprüfung möchte, welche Kompetenzen von der EU – Ebene auf die nationale zurückverlagert werden könnten.
Die Niederlande beteiligen sich anders als Großbritannien am Fiskalpakt und an der untauglichen Bankenunion. So etwas möchten die Briten auf keinen Fall – man will nur noch raus aus dem EU – Irrsinn. Die Inselbewohner sind sich sicher: Ohne die ständig versagende EU würde es keine systematische Verarmung der abhängig Beschäftigten und Rentenbezieher geben. Ohne die ständig versagende EU wären Hundertausende Existenzen nicht zerstört worden. Eine Mehrheit von 75% hält es für eine Medienlüge, dass ihr Land von der EU Vorteile hat. Man fühlt sich von der EU ausgebeutet bis auf die Knochen. 57% glauben sogar fest daran, dass die EU und Brüssel von den Banken und Versicherungskonzernen gelenkt werden. Die Zeichen in London stehen also auf Sturm. Die Parole lautet bereits:
