DRSB
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
Redaktionsteam
Leitung:
Udo Johann Piasetzky ⋅ Andreas Kallen ⋅ Hans – Josef Leiting
Düsseldorf, den 07. Mai 2008
Hungern nur die anderen?
Solange der vermutlich kommunistisch angehauchte und möglicherweise auch noch zusätzlich neoliberal verdrehte SPD – Genosse
Thilo Sarrazin
alle deutschen Bürger sowie insbesondere die
Hartz IV – Empfänger
in der ARD – Sendung
Anne Will
knallhart provoziert, kostet so ein TV – Auftritt lediglich die ohnehin gebeutelte SPD weitere Stimmen. Da nützt es wenig, wenn der Regierende Bürgermeister von Berlin sich nach Leibeskräften bemüht, seine Stadt zu regieren.
Schon ein kleiner
Sarrazin – Ausrutscher
torpediert dann die Arbeit von Monaten. Sarrazin ist damit zunächst nur ein Problemfall für die SPD in Deutschland.
Resignierende und leidende Berliner SPD – Mitglieder ärgern sich schon lange über den Finanzsenator, weil alle wissen:
„Thilo Sarrazin
sagt, was er denkt und kennt weder Freund noch Feind.”
Das hat der Berliner Finanzsenator am 27. April 2008 bei Anne Will wieder einmal eindrucksvoll bewiesen.
Für die wenigen noch verbliebenen Zuschauer der Will – Talkshow war aber auch deutlich erkennbar, wie weit sich die Politiker schon von den Bürgern entfernt haben.
Als der womöglich völlig gefühlslose Thilo Sarrazin Ende Februar 2008 zum ersten Mal seinen angeblich selbst „getesteten” Speiseplan für die benachteiligten
Hartz – IV – Empfänger
präsentierte, war er fest der Meinung, dass man sich mit den vorgesehenen
4,35 Euro fürs Essen pro Tag
„vollständig, gesund und wertstoffreich ernähren”
kann.
In seiner nassforschen und unhöflichen Art prügelte Sarrazin auf die zu Recht empörten Kritiker ein
Zitat Thilo Sarrazin:
„Ehe jetzt einer im 20. Stock sitzt und den ganzen Tag nur fernsieht, bin ich schon fast erleichtert, wenn er ein bisschen schwarz arbeitet.”
Zitat Ende.
Obwohl der zungenflinke SPD – Genosse bereits mit dieser ungeschickten Äußerung für die SPD genug Porzellan zerschlagen hatte, fühlte er sich berufen, noch „einen” darauf zu setzen.
Zitat Thilo Sarrazin:
„Wer als Hartz – IV – Empfänger die Kraft für ein Ehrenamt hat,
sollte vielleicht auch mal die Kraft aufbringen, sich um Arbeit zu bemühen, und dort seine ersten Aktivitäten hineinlegen.”
Zitat Ende.
Abgesehen davon, dass diese Äußerung durchaus den Tatbestand der Beleidigung für alle Bürger, die ein Ehrenamt bekleiden, bedeuten könnte, zeigt es womöglich, wie man tatsächlich in der SPD darüber denkt.
Noch hungern nur die Armen in fernen Ländern?
Hunger ist aber für alle brandgefährlich.
Für jene Bürger, die nichts zu essen haben und in den meisten Fällen auch für die Mächtigen.
Die globalen Probleme rücken vor auf Deutschland.
Bereits die Geschehnisse am 01. Mai 2008 in Hamburg zeigten deutlich auf, was so alles passieren kann, jetzt auch schon in Deutschland.
Nicht nur die ägyptische Regierung ist seit den Ereignissen der vergangenen Wochen in höchster Alarmbereitschaft.
In den siebziger und achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden die anhaltenden Proteste gegen die Nahrungsmittelknappheit für die ägyptischen Machthaber bedrohlich.
Heute aber trifft es Ägypten nicht mehr allein. Anfang 2007 gingen in Mexiko mindestens
270.000 Bürger
auf die Straße, um gegen überhöhte Tortilla – Preise zu demonstrieren.
Seither demonstrieren in fast allen größeren mexikanischen Städten regelmäßig vom Hunger Betroffene.
Demonstrationen und Massenverhaftungen sind im Senegal und in der Elfenbeinküste an der Tagesordnung, wenn die Bürger aus Hunger und Verzweifelung auf die Straße gehen.
Generalstreiks legten regelmäßig Burkina Faso lahm und in Haiti brennen ständig Barrikaden.
Arme und hungernde Bürger starben in Kamerun nach Streiks und Plünderungen.
Die Preise für Weizen und Reis
sind doppelt so hoch wie vor einem Jahr.
Selbst die ach so „schlauen” Weltbanker des IWF schätzen, dass in 33 Ländern Hungersnöte drohen und damit auch Unruhen und Aufstände.
Da kann
Thilo Sarrazin
noch so salbungsvoll erklären, dass es weder Armutswellen noch echten Hunger in Deutschland gibt, die Bürger werden ihm diesen Zynismus nicht mehr verzeihen.
Ohne jede weitere Ankündigung wird sich auch in Deutschland, schlagartig das Bild des Hungers wandeln und
- wie in den USA erneut erwartet und bereits geschehen -
sich hungernde Bürger zu randalierenden Plünderer in den Großstädten entwickeln.
Plötzlich und unerwartet ist der Hunger nicht mehr eine Frage des Mitleids und der Spendenbereitschaft für die vermeintlich wehrlosen deutschen Bürger, sondern wird ein dominanter politischer Faktor.
Schon in wenigen Wochen
gibt es für deutsche Politiker eine Menge zu erklären.
Jahrzehntelang waren Mehl, Kartoffeln, Milch und Reis sowie überhaupt die täglichen Grundnahrungsmittel billiger geworden.
Das half in den Zeiten der wachsenden Armut dabei, den Hunger in Deutschland zurückzudrängen. Selbst die vermehrten Anstrengungen der „Tafel” können aber die wahren Missstände nicht mehr kaschieren.
Am Mangel an Nahrungsmitteln in unserer Republik liegt es nicht.
Hunger,
das wird auch bei uns jetzt vor allem eine Frage der Verteilung der Lebensmittel.
Was ist da komplett schiefgelaufen?
Diese Frage stellen sich immer mehr so genannte Experten und Politiker.
Grundnahrungsmittel werden ständig teurer, so dass auch hierzulande diese Entwicklung besorgt debattiert wird und Inflationsängste auslöst.
Bereits zum Weihnachtsfest 2007 konnten sich viele Deutsche nicht mehr genug zu Essen kaufen, geschweige denn noch Geschenke für ihre Kinder.
Jetzt rächt sich das globale Agieren der korporatistischen deutschen Politiker:
1.
Biosprit Phantasien.
2.
Wilde und zügellose Spekulationen an Warenterminbörsen.
3.
Arbeitsplatzvernichtungs – Kampagnen.
Erschwerend werden Missernten und Dürren hinzukommen und verstärkt das Spekulantentum an den Warenterminbörsen durch die global tätigen „Heuschrecken” anheizten.
Das ist dann eine Gefahr für Frieden und Stabilität.
Schon bald wird es womöglich auf den Plakatwänden nicht mehr
Brot für die Welt, sondern Brot für Deutschland
heißen.
Der DRSB e.V. hat mit seiner
Initiative 20 / 70
bereits ab 1989 deutlich auf die kommende Entwicklung hingewiesen.
Eine Ära geht zu Ende.
Die Erträge aus der Landwirtschaft kann man kaum noch ausreichend steigern und Ackerflächen und Wasser werden knapp.
Auch der Klimawandel vernichtet von Jahr zu Jahr immer mehr Ernteerträge. Mit einer Verspätung von zweihundert Jahren wird nun die berühmte Prophezeiung des englischen Sozialforschers
Thomas Malthus
Realität, der schon im Jahr 1798 vorausgesagte:
Zitat:
Die Produktion von Nahrungsmitteln
könne unmöglich mit dem Wachstum der Menschheit Schritt halten.
Zitat Ende.
Viele aktuelle und vor allem zukünftige Rentenbezieher fragen sich:
„Wird es in Deutschland auf Dauer genug zu Essen geben?”
„Wird der Wohlstand in Deutschland weiter bedroht?”
Diese und vergleichbare Fragen werden vermehrt Einfluss auf die Stabilität in der ganzen Welt haben.
Statt Treibstoff aus Nahrungsmitteln für Automobile wünschen sich deutsche Bürger lieber essbare preiswerte Nahrungsmittel
zum Frühstück, zum Mittagessen oder zum Abendessen.
Zum Beispiel auch die McKinsey – Berater kennen diese Entwicklung in der Welt. Für sie gibt es aber ohnehin nur
Verlierer und Gewinner.
Da erscheint es für das amerikanische Beratungsunternehmen besser zu sein, ausschließlich auf der
Gewinnerseite
zu stehen und Handelsunternehmen oder auch Energiekonzernen Hilfestellung bei der steigenden Preisfindung zu geben.
Das eigentliche Nahrungsmittel – Geschäft der Zukunft machen die Zwischenhändler und Monopolisten mit besten Beziehungen zu den handelnden Politikern in Berlin.
Ineffiziente Anbieter wurden und werden verdrängt, sowie parallel die Spezialisierung vorangetrieben. Nahrungsmittel werden zwar weltweit auch weiterhin produziert, aber den Handel damit dominieren schon heute wenige technisch fortgeschrittene Superexporteure.
Dieses, von den USA überwachte Verteilungssystem, das jahrzehntelang hervorragend funktionierte und trotz wachsender Produktionsmengen fatale Abhängigkeiten schuf, wird in den nächsten 3 Jahren völlig zusammen brechen.
Die hohen Ölpreise verschlimmern das Szenario, weil sie die Transportkosten überproportional verteuern.
Die Reaktion darauf wird natürlich marktwirtschaftlich ausfallen:
Preisexplosionen auf den Weltmärkten für alle Nahrungsmittel.
Deshalb herrscht hinter verschlossenen Türen Alarmstimmung in Washington.
An der 19th Street, dem Sitz der Weltbank > IWF < verkündete ihr Präsident, der Amerikaner
Robert Zoellick,
„rein vorsorglich”:
Zitat:
„Wir glauben, dass die Auswirkung der Lebensmittelkrise weltweit sieben verlorene Jahre für die Armutsbekämpfung bedeutet.
Hunderttausende Menschen werden hungern müssen.”
Zitat Ende.
Sogar der neoliberale deutsche Finanzminister
Peer Steinbrück
spricht überraschender Weise schon von einem
Ungeheuer,
das die politische Bühne betreten haben soll.
Dem DRSB e.V. ist leider nicht bekannt, inwieweit sich Peer Steinbrück selber oder seine korporatistischen SPD – Kumpane Steinmeier, Gabriel, Schröder oder gar Clement damit meinte.
Hunger, Armut, Aufstände und immer mehr instabile Staaten,
in Zeiten des Terrorismus machen diese Aussichten die verantwortlichen Politiker in Washington, Moskau, Paris, London und Brüssel besonders nervös.
In Berlin, so hat es den Anschein, ist die Bundeskanzlerin
Angela Merkel
davon weniger betroffen.
Was scherten sie auch die Sorgen und Nöte der deutschen Bürger, wenn man einmal hier eine schöne Sonntagsrede schwingen und da wieder einen Preis in Empfang nehmen kann.
Armut und Hunger stören da nur das „Glück” der deutschen Bundeskanzlerin.
Doch was passiert, wenn die Glücksträhne plötzlich abreißt?
Wenn, wie von der IWF
vorausgesagt, zum „Unglück” auch noch „Pech” hinzu kommt?
Es könnte dann sein, dass bald keiner mehr von einer Nahrungsmittelkrise spricht, sondern von einem
Politiker – Desaster.
Inwieweit dann noch die Rentner – Demonstranten wieder friedlich nach Hause gehen, bleibt abzuwarten.
Die Lage ist also ernst und erfordert zupackendes Handeln.
Die Gefahr ist groß und muss endlich erkannt werden, auch wenn die direkten
Hunger – Folgen
uns erst in 2 Jahren richtig heftig treffen werden.
Weitere Fernsehauftritte des vermutlich kommunistisch angehauchten und möglicherweise auch noch zusätzlich neoliberal verdrehten SPD – Genossen
Thilo Sarrazin,
gießen vollkommen unnötig Öl ins Feuer.
Deshalb bleibt die Entwicklung in Deutschland, nicht nur für den DRSB e.V., gänzlich unvorhersagbar.
Die Angst geht um, dass Energiepflanzen für den Antrieb von Automobilen und sonstige Maschinen den Nahrungsanbau verdrängen.
Mittlerweile haben 41 Länder
Entwicklungsprogramme für den Anbau und die Nutzung von Energiepflanzen aufgelegt.
Die EU – Kommission hält trotz wachsender Kritik an ihrer Vorschrift fest, dass die
EU – Mitgliedstaaten bis zum Jahr 2020
10%
des Treibstoffs aus Pflanzen
gewinnen sollen.
Das von Peer Steinbrück genannte Ungeheuer
Armut und Hunger
hat schon längst in Deutschland Fuß gefasst.
Welchen Anteil haben
neoliberale und korporatistische Politiker daran?
Hungern wirklich immer nur die anderen?
DRSB
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