Deformation unserer Wertvorstellung
18. Januar 2011
Begleitet von vielen guten Wünschen und unbegründeten Hoffnungen wollten vor rund zwanzig Jahren einige Wall Street – Junkies die Finanzwelt revolutionieren. Überraschend unbefangen machte man sich mit Eifer und Elan an die Arbeit.
Ein Aufbruch in neue Finanzdimensionen wurde angekündigt und von den Medien rund um den Globus getragen.
Überall überschäumende und prächtige Aufbruchstimmung.
Endlich Schluss mit der üblichen Miesepetrigkeit und dem Herumgenörgele von Besserwissern.
Es war die Zeit
für unpolitisches Denken und Handeln ohne Zwang.
Die Welt brauchte angeblich Finanzreformen und neue Werte, so glaubten es damals alle Protagonisten. Man empfand es als erholsames wirtschaftliches Interesse aus dem trägen Geschäfts- und Privatleben auszubrechen, um die neue
Ära des Geldmachens
zu genießen. Wer die heutige US – Finanz- und Wirtschaftskrise verstehen will, wie es dazu kommen konnte, muss also die Personen und die Sache im Zusammenhang sehen.
Heute sind wir zwanzig Jahre weiter und wissen wie ein radikaler Individualismus im gewollten Zusammenwirken mit einem Marktfundamentalismus jeglichen Gemeinsinn unterhöhlen konnte sowie direkt zu einer rücksichtslosen Ausbeutung unvorsichtiger, ungeschützter und gutgläubiger Menschen führte.
Dabei wurde nicht nur das Vertrauen in unserer Finanzinstitute untergraben und letztendlich zerstört.
Die quasi unausweichliche aktuelle US – Finanz- und Wirtschaftskrise hat uns dadurch gezeigt, dass ein abgestimmtes kollektives Handeln unabdingbar ist. Und das nicht nur unser Staat regelnd sowie gleichzeitig gestaltend streng eingreifen muss.
Eine weitere Lehre ist weitaus prägender:
Unsere Politiker haben es zugelassen, dass fehlgeleitete nimmersatte Banker und verblendete Finanzmärkte einen schädlichen nachhaltigen Einfluss nicht nur auf die Volkswirtschaft, sondern auf alle Gesellschaftsklassen gleichermaßen ausüben.
Wir sollten deshalb so bald wie möglich die Gelegenheit ergreifen und uns einmal intensiv hinterfragen, ob das, was da mit uns gemacht wurde und wird, auch tatsächlich den Wünschen der Menschen in unserer Heimat entspricht.
Denn der noch immer anhaltende Verlust von sozialen Renditen spiegelt den Werteverlust durch das Vernichten astronomischer Summen wider. Wie die Finanzmärkte unsere Denkweise korrumpierten und veränderten, zeigt sich in aller Deutlichkeit an der Einstellung zum Leistungslohn und dessen Verlust. Noch ist es nicht zu spät, um diese, durch Fehlleistungen und Verwirrung ausgelösten, gesellschaftlichen Spaltungen zu überwinden.
Wir müssen deshalb wieder lernen
zwischen Egoismus und Gemeinwohl zu unterscheiden.
Ansonsten bleiben unsere Wertvorstellungen weiterhin deformiert.
