Das Wort am Sonntag
Wo gehobelt wird – da fallen Späne
[ Politisches Gewissen oder logique du coeur? ]
11. Dezember 2011
Zunächst sollte man klären, woher der Begriff „GEWISSEN“ stammt und was man damit mehrheitlich in Verbindung bringen möchte. Stütz man sich auf
Sigmund Freud,
der die sogenannte Gewissenpsychologie von allen alten Vorurteilen befreien konnte, dann darf man keinesfalls an zwei interessanten Definitionen vorübergehen.
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1.
Kleine Kinder haben überhaupt kein Gewissen, denn mit wachsender Begeisterung reißen sie Insekten die Beine aus und quälen quasi jedes Tier, das sich nicht wehrt, wehren will oder wehren kann. Kleine Kinder „erforschen“ nahezu alles, was sie in die kleinen, flinken Finger bekommen und entwickeln dabei einen extremen Drang zur Zerstörung. Furchst oder gar Angst kennen die „lieben“ Kleinen dabei nicht. Echte Angst haben kleine Kinder nur vor äußeren Bedrohungen, wie zum Beispiel vor Liebesentzug oder vor dem Verlassen der Mutter. Ergo kann man in der ersten Lebensphase nicht von einem angeborenen Gewissen sprechen. Auch in DNA – Analysen sind Spuren von Gewissen nicht nachweisbar.
2.
Erst im Lebensalter zwischen 3 und 4 Jahren beginnt die ansteigende Verinnerlichung und Aneignung von Verboten und Geboten von Mutter und Vater sowie aus dem sonstigen sozialen Umfeld, wie zum Beispiel Kindertagestätte oder Sportverein, zu wirken. Was also GUT oder BÖSE sowie RICHTIG und FALSCH sein soll, übernimmt ein Kind aus den Ansichten und Wertungen von Erwachsenen. Kinder von Zahnärzten haben die gleiche Vorliebe für SÜSSES und beim Verzehr häufig ein schlechtes GEWISSEN. Kinder von Vegetariern lehnen Tierkörperessen ab und fühlen sich oftmals schuldig, wenn sie trotzdem „leckeres“ Fleisch [ McDonalds - Effekt ] essen. Jede Familie, jede Gesellschaft sowie jeder Kulturkreis entwickelt eigene vollkommen originäre Gewissensnormen. Häufig sogar getrennt für die Geschlechter und für unterschiedliche Sozialstände. Ergo kann ein Gewissen nicht angeboren sein, sondern entwickelt sich nach Art und Gegebenheit der diversen Lebensumstände.
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Jeder Mensch urteilt oder verurteilt zwar scheinbar nach „eigenen“, inneren Maßstäben, doch genau genommen wurden diese jedem Menschen zunächst unüberprüfbar aufgepfropft. In jeder vermeintlich neutralen Gewissensentscheidung befindet sich also eine gewaltige Portion an Manipulation und Selbsttäuschung.
Der Dichter, Philosoph und Philologe
Friedrich Wilhelm Nietzsche
äußerte sich zum Gewissen und der daraus resultierenden Folgen
Zitat:
„Der Gewissensbiss ist, wie der Biss des Hundes gegen den Stein, einer Dummheit“
Zitat Ende.
Gewissenentscheidungen und die daraus oftmals resultierenden Gewissensbisse sind in der Regel nichts anderes als fremde Illusionen, die unüberprüft zur Entscheidung reiften und Unsicherheiten verursachten. Quasi der unbewusste Abklatsch der Ansichten von Eltern oder anderer Autoritäten. Lebenslang befolgen und beherzigen sehr folgsame Menschen, was ihre Mütter oder Väter ihnen in ihrer Kindheit gedanklich mit auf den Weg gaben. Man könnte auch sagen ihnen einschärften und einbläuten, wann immer sie den Menschen ins „GEWISSEN“ redeten. Schon ab dem sechsten Lebensjahr bekommen Kinder von ihren Müttern zu hören:
„Wann handelst du endlich aus eigenem Antrieb?“
Und fordern dadurch eine ganz besondere Art von „Gewissenhaftigkeit“ ein, die zur automatischen Autoritätsergebenheit führt, denn jede Mutter möchte natürlich, dass ihr Kind denkt und handelt, wie sie es gerne hätte. In den unsagbaren Tiefen der Innerlichkeit und des Geistes werden durch die „Fürsorge“ der Mütter Ideen, Taten, Vorlieben sowie Gesinnungen vorprogrammiert.
Der Luxus des freien Denkens weicht dem Dienen und Gehorchen.
Wieso also die Erklärungen zum Gewissen?
Wenn unserer gewählten Volksvertreter mit ihren Fraktionen im Bundestag fast stets geschlossen einheitlich abstimmen, dann widerspricht es den wissenschaftlichen Thesen von Freud. Diese kollektiv verursachten Abstimmungsergebnisse sind genau genommen gewissenlos und verstoßen somit gegen unser Grundgesetz. Denn diese Herdenabstimmungen sind aus rein pädagogischer Sicht gleichbedeutend mit einem freiwilligen Gehorsam. Freie Willens- oder Gewissensentscheidung sind sie nicht. Das Wort
Gewissensentscheidung
sollten Politiker oder Parteien, wenn es überhaupt sinnvoll erscheint, lediglich im Sinne der taktischen Unterwerfung gebrauchen. Denn nach dem Artikel 38 unseres Grundgesetzes sind alle Parlamentarier ausdrücklich „nur“ ihrem Gewissen verpflichtet und das wird durch eine Herdenabstimmung [ Fraktionszwang ] außer Funktion gesetzt.
Quasi die regelmäßige Verhöhnung unserer Demokratie.
Bekanntlich fallen immer da, wo gehobelt wird auch kräftig Späne. Nur wieviel Ethik, Moral und soziale Verantwortung darf man bei gewählten Volksvertretern weghobeln? Wie viele Späne müssen die Menschen in unserer Heimat in Kauf nehmen? 10, eventuell 50 oder sogar 200?
Ist Wirtschaftslobbyismus schon Hobelpolitik?
Gibt es in unseren Parlamenten Symbole der Hoffnung?
Es gibt nachweislich weder ein RECHTES noch ein LINKES Gewissen. Denn was wäre das für ein seltsames Gewissen, bei dem die politische Richtung vorgegeben – quasi vor Einzug ins Parlament programmiert ist? Das sogenannte
Gewissen
Ist keineswegs eine moralische Kontrollinstanz im Inneren der Seelen unserer Politiker. Folgen also CDUler, CSUler, SPDler, Grüne oder FDPler und Linke in Wirklichkeit der Logik ihres Herzens [ logique du coeur ]? Aber auch das kann kaum möglich sein, denn welcher Parlamentarier würde vorsätzlich seine Eltern, Verwandte und Freunde in die Alters- oder Flächenarmut schicken?
Quasi durchs soziale Höllenfeuer.
Unvorstellbar werden an dieser Stelle viele Leser sagen.
Unvorstellbar?
Äußere Weisungen und Anordnungen waren das Motiv für die Einführung der Agendapolitik und deren Beibehaltung. Mit dem GEWISSEN oder dem HERZEN hat diese Art von Sozialvernichtung nichts gemeinsam. Bedeutet es, dass wenn man seinem Gewissen folgt, man automatisch die Handlungsunfähigkeit unserer Demokratie in Frage stellt?
Wenn – JA –
dann haben wir in unserer Heimat ein falsches System.
Oder entscheiden unsere Parlamentarier mehr rational sowie verantwortungsethisch und weniger gesinnungsbezogen? Gemäß der vorgenannten Definition wäre der Artikel 38 GG für alle Machttragenden bereits außer Kraft gesetzt.
Begnügen wir uns in unserer Republik
also verfassungswidrig nur noch mit der lockeren Verantwortungsethik?
Wenn dem so sein sollte, dann sind bereits beim Moralhobeln mehr als 200 Späne gefallen. Ethik, Moral und Liberalität mit gewissenhafter Folgsamkeit und Herden – Disziplin zu verbinden ist aber mit unserem Artikel 38 GG nicht in Einklang zu bringen und führt zur Herrschsucht und Eliteklassen – Egoismus. Quasi die Verbannung der Moral- und Ethikphilosophie aus der neoliberalen Nationalökonomie. Die aufgeführten Schwierigkeiten mit dem Gewissensbegriff verdeutlichen, wie schwierig, notwendig und wichtig es ist, dass die richtigen Volksvertreter in unsere Parlamente Einzug halten.
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