Das Wort am Sonntag
Abschied vom Wohlstand?
19. Juni 2011
Kinder wachsen immer öfter in Armut auf. Ausgleichende Funktionen unseres noch in Fragmenten vorhandenen Sozialstaats schwinden.
Hauptproblem ist die Agenda 2010!
Die realen Perspektiven der sozialen Marktwirtschaft sind Minijobs, prekäre Leiharbeit, Hartz IV und hohe Langzeitarbeitslosigkeit in unserer Heimat, die unsere Sozialsysteme immer stärker belasten. Diese Szenarien verstärken die Ungleichgewichte bei der Einkommensverteilung zu Lasten derjenigen, die sich sowieso schon am unteren Ende der Einkommensverteilung befinden. Die Gesellschaftsgruppe, deren Einkünfte gerade mal das Existenzminimum erreichen, wird immer größer. Rund 18% der Menschen in unserer Heimat sind mittlerweile direkt von Einkommensarmut betroffen. Von Einkommensarmut spricht man, wenn arbeitsfähigen Menschen weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens zur Verfügung steht. Besonders alarmierend ist die Verschiebung der Altersstruktur bei der Einkommensarmut. War früher die ältere Witwe ein Paradebeispiel für Einkommensarmut, so sind es heute immer mehr junge Menschen wie zum Beispiel die Gruppe der Alleinerziehenden und Kinder betroffen.
Die Kinderarmut wird somit ein dringenderes Problem als die Altersarmut. Die ausgleichende Funktion des Sozialstaates schwindet immer mehr, dass zeigt sich besonders bei der Vermögensverteilung in der deutschen Gesellschaft. Die oberen 10% der Vermögenspyramide vereinen die Hälfte des Gesamtvermögens aller deutschen Bürger auf sich. Lediglich nur magere
4%
des Vermögens ist in den Händen der unteren Hälfte. Die untere Unterklasse [ circa 30% ] besitzen rein rechnerisch gar kein Vermögen, weil 10% der extrem reichen Menschen in unserer Heimat ihre Schulden vermehren. Nach 15 Jahren immer neuer Negativmeldungen erwartet in Deutschland kaum ein abhängig Beschäftigter, dass die Arbeitslosigkeit je wieder spürbar sinken wird oder der Markt der Leiharbeit wieder verschwindet. Für gering qualifizierte wird sich die Situation auch in den kommenden 10 bis 15 Jahren nicht deutlich verbessern. Entscheidend ist die gesamte Summe, besonders der verdeckten Arbeitslosen, die man auch als Hartz IVler bezeichnet.
Ist das schon der Abschied vom Wohlstand?
In unserer Heimat steigt die Arbeitslosigkeit mit jeder Krise auf neue Rekorde. Die vorgetäuschten Gründe, die immer genannt werden sind schon uralt und gewinnen deshalb nicht an Wahrheitsgehalt:
Deutschland produziert zu teuer.
Verkrustung des Arbeitsmarktes.
Schlechte wirtschaftliche Rahmenbedingungen für Firmen.
Professionelle Arbeitsplatzvernichter sprechen aber bereits offen von billigen Produktionsmöglichenkeiten und mehr Profit in Asien. Besonders im Trend liegt zurzeit die Volksrepublik China oder Indien. Aber auch Russland lockt mit Steuererleichterungen und großzügigen Subventionen. Die Chance auf eine Umkehr des Trends zu weit niedrigerer Arbeitslosigkeit wirkt plötzlich mehr als utopisch. Denn ohne echtes Wachstum keine sichereren Arbeitsplätze. Die Schließung von Schleckerfilialen ist nur der Vorbote der Aufdeckung der Wirtschaftslügen.
Hier liegt die eigentliche Gefahr.
Die Misere begann im Kern nach der ROT / GRÜNEN Machtergreifung im Jahr 1998. Die Einführung der Agenda 2010 war lediglich das i – Tüpfelchen auf das politische Versagen von SPD und Bündnis 90 / Die Grünen.
Es geht ganz offenbar auch ohne Kostensenkung auf asiatisches Niveau, denn tatsächlich noch in unserer Heimat hergestellte Waren scheinen – nach wie vor – in der Welt gefragt zu sein. Billige Nachbauten und erkennbar miserable Kopien haben den Ruf nach
MADE IN GERMANY
wieder verstärkt. Wenn also die gesamte Wirtschaft sowie auch die Binnenkonjunktur einmal wieder in Fahrt kommen sollten, dann steigt auch in Deutschland der Wohlstand für Menschen. Denn ungeachtet der Heilslehren vom Wirtschaftsboom in Asien, könnte mit einer Verbesserung der Sozial-, Steuer- und Wirtschaftspolitik in unserer Heimat der Wachstums – Trend stabilisiert werden.
Bedauerlicherweise schätzen die hoffnungsschwangeren Ökonomen von SPD und Bündnis 90 / Die Grünen das Marktgeschehen noch immer falsch ein und glauben, dass Dank ihrer tollen Reformen [ Agenda 2010 / Hartz IV / prekäre Leiharbeit ] wieder Wohlstand in unserer Heimat entstehen könnte. Der Haken ist nur, dass ein gesundes Wirtschaftswachstum nichts mit ökonomischen Gesetzmäßigkeiten Strukturtrends oder gar mit Wunschdenken zu tun hat. Dieser Irrglaube hindert offensichtlich andere Parteien daran, dass diese Fehlentwicklungen beseitigt werden. Macht man einen Realitätscheck der Arbeitslosenquoten ohne
Verzerrungseffekte,
dann ist die Multi – Jobmaschine in unserer Heimat noch immer ein gesunder
Mittelstand.
Und dieser Motor sollte gefördert werden – ohne wenn und aber. Denn jeder neue Arbeitsplatz in unserer Heimat beendet ein Einzelschicksal eines arbeitslosen Bürgers und stabilisiert gleichzeitig die gesetzlichen Sozialsysteme. Der unabhängige Verein
Deutscher Rentenschutzbund
kämpft seit 1988 für sinnvolle, lernfähige und sichere Rentensysteme sowie für dauerhafte und sichere Arbeitsplätze in Deutschland.
