Das Wort am Sonntag 2009 11 22

DRSB

Deutscher Rentenschutzbund e.V.

Redaktionsteam

Leitung:

Udo Johann Piasetzky Heinrich Sternemann Hans – Josef Leiting

Düsseldorf, den 22. November 2009

 

Das Wort am Sonntag

 

Pathologischer Optimismus

 

Die weltweite Ausdehnung der Globalisierung war blockiert, solange sich die Welt in zwei antagonistische Machtblöcke aufspaltete.

Die damalige Sowjetunion [ UdSSR ] beanspruchte für sich, der legitime Vertreter aller Werktätigen zu sein.

Man propagierte das kommunistische Umverteilungssystem der sozialen Gleichheit.

Die mächtigen neoliberalen Oligarchen in den USA und Westeuropa dagegen fühlten sich als die wahren Gralshüter des Kapitals.

Man peilte das Ziel an, ein Minimum an sozialem Schutz den Menschen „warm” zu verkaufen, in dem man vordergründig gewerkschaftliche Freiheit verkündete, damit die Tarifautonomie ökonomisch besser zu kontrollieren war.

Das Hauptziel war aber die dauerhafte Blockierung von kommunistischen Parteien und Strömungen in Westeuropa.

Deshalb mussten die

sozialdemokratischen Parteien

und

Gewerkschaftsorganisationen

in Westeuropa, quasi wie im Mittelalter, die alleskönnenden Alchimisten spielen.

Sie versuchten täglich über Jahrzehnte hinweg, Blei in Gold zu verwandeln.

Ein untauglicher Versuch am untauglichen Objekt.

Aber solange die neoliberalen Gralshüter des Kapitals vor der Einführung des Kommunismus erzitterten, konnten man für sich daraus Gewinn, Nektar und Macht ziehen.

Besonders die machtgierigen Funktionäre der Gewerkschaften verwandelten die anhaltende

Kommunistenfurcht

in soziale und wirtschaftliche Vorteile für ihre Protagonisten. Nur dadurch war es für sie und ihre willfährigen Funktionsträger möglich, in vielen westeuropäischen Parlamenten und Regierungen ihren perspektivischen Strippenzieher zu platzieren. Emsig sammelte man lukrative Pfründe und politische Macht, so dass bei gutgläubigen Menschen der Eindruck entstehen konnte, dass man bereit war, für alle Bürger Nutzmehrendes zu erwirken.

Mit dem unerwarteten Fall der Berliner Mauer und dem anschließenden rasanten Auflösungsprozess der Sowjetunion [ UdSSR ] zerbröselte das Trugbild von den vermeintlichen sozialen Glanzleistungen der

sozialdemokratischen Parteien

und

Gewerkschaftsorganisationen

in Westeuropa.

Denn nachdem die kommunistischen Systeme in Osteuropa durch kapitalistisch geprägte Oligarchien abgelöst wurden, hatte in Westeuropa niemand mehr Angst vor kommunistischen Wahlerfolgen. Die neoliberalen Gralshüter des Kapitals fürchteten ab dieser Zeit weder sozialen Aufruhr noch Generalstreik.

Die Macht der Angstvisionen, die die

sozialdemokratischen Parteien

und

Gewerkschaftsorganisationen

jahrzehntelang erzeugten, wurde mit der Auflösung der Sowjetunion total gebrochen.

Die sozialdemokratischen Parteien verloren ihre Glaubwürdigkeit und suchten verzweifelt ihr Heil in der Mutation zu opportunistischen Mittelstandsvertretern.

Sie leiteten dadurch ihren eigenen Niedergang sowie ihre schleichende Entmachtung ein.

Die Globalisierung der Märkte hatte freie Bahn und produzierte fortan ihre eigene neoliberale Ideologie. Diese legitimiert die Globalisierung und die Autonomisierung des Kapitals.

Es begann europaweit der Triumphzug der Verschleuderung der öffentlichen Güter unter dem Deckmantel der neoliberalen Schlagwörter wie zum Beispiel

Deregulierung, Flexibilisierung oder Strukturbereinigung.

In Wahrheit aber startete man die Vernichtung der Werte und die Verwüstung der westlichen Gesellschaften, denn die neoliberale Ideologie ist der verschworene Feind jedes Staates.

Neoliberale Ideologie verherrlicht die schrankenlose Freiheit der Individuen und verteufelt gleichzeitig die Gesetze.

Die Globalisierung spült quasi wie ein Dauer – Tsunami die Ungleichheit, Ungerechtigkeit und Armut in die westlichen Industriestaaten hinein.

Derweil standen und stehen die Gewerkschaftsfunktionäre applaudierend auf den Tribünen der Macht, während um sie herum die Gefährdung der Arbeitsplätze anwächst und der Abbau sozialer Leistungen und Sicherheit galoppiert.

Wo waren die

Gewerkschaften, als Grundig geschlachtet wurde?

Wo waren die

Gewerkschaften, als Grohe zerschossen wurde?

Wo waren

die Gewerkschaften, als Mannesmann

auf dem Globalisierungsaltar geopfert wurde?

Wo waren die

Gewerkschaften, als Siemens die Handysparte verscherbelte?

Wo waren

die Gewerkschaften, als Nokia verlegt wurde?

Wo waren die

Gewerkschaften, als man Karstadt lebendig beerdigte?

Wo waren die

Gewerkschaften, als Quelle zur Schlachtbank geführt wurde?

Ganz einfach:

Die tonangebenden Funktionäre saßen oder sitzen in den Aufsichtsgremien von Unternehmen und Multikonzernen und hätten, wenn denn es wirklich gewollt gewesen wäre, frühzeitig die Reißleine ziehen können.

Wenn demnächst wieder bei Opel, VW, Mercedes oder BMW und in der Stahlindustrie sowie in der Dienstleistung Entlassungen anstehen, werden diese

Förderer der Armut

die Beschlüsse der Vorstände erneut willfährig abnicken.

Aufgrund von semantischen Sprachschulungen werden sie danach – wie immer – wortreich aber inhaltslos der verbliebenen Belegschaft die bevorstehenden sozialen Desaster „brühwarm” verkaufen.

Die richtige Kommunikationstechnik ist diesen Funktionären heutzutage bereits viel wichtiger als der Erhalt von sicheren Langzeitarbeitsplätzen.

Die direkte Folge:

Arbeitslosigkeit, Zukunftsangst und Verelendung

breiten sich geschwürartig in unserer Heimat aus.

Was aber weitaus schwerwiegender die arbeitenden Menschen getroffen hat, ist die unverrückbare Tatsache, dass die politischen Rahmenbedingungen für diese katastrophalen Entwicklungen ausschließlich von sozialdemokratischen Parteien geschaffen wurden.

Dafür stehen in unserer Heimat die Namen:

Schröder, Clement, Schmidt, Steinmeier, Müntefering, Hartz

und selbstverständlich auch die Namen

Lafontaine, Steinbrück und Rürup

sowie noch viele andere.

Das individuelle und kollektive Schicksal der Menschen in unserer Heimat wird durch Abläufe an den Börsen in New York, London, Paris, Tokio oder Frankfurt bestimmt.

Es hilft den Menschen in unserer Heimat gar nichts, wenn Sigmar Gabriel zu der Erkenntnis gelangt

Zitat – Auszüge – aus Bild.de vom 22. Oktober 2009 / 08:38 Uhr:

Die SPD ist in einem katastrophalen Zustand.

Die Früchte unserer Arbeit wird wohl eher die

nach uns kommende Generation von Sozialdemokraten ernten”.

Zitat Ende.

Welche Früchte, soll wer ernten?

Längst wurden die Menschen in unserer Heimat eines Großteils ihrer realen Bürgerrechte durch die vorgenannten SPDler beraubt und sind systematisch unfähig gemacht worden, auf die konkreten wirtschaftlichen Bedingungen ihrer Existenz Einfluss zu nehmen.

Da klingt es nahezu naiv, wenn die Mitglieder der neuen Führungsriege der SPDler von einer Neuorientierung oder einer Neuausrichtung sprechen.

Welche Neuorientierung? Welche Neuausrichtung?

Soll alles noch schlimmer werden?

Solche unsinnigen Szenarien nennt man auch den

Pathologischen Optimismus

Man sollte dabei nur beachten, dass ein Pathologe, der davon träumt, Tote wieder zum Leben zu erwecken, seinen Beruf völlig verfehlt hat.

 

 

DRSB

 

Wir kämpfen seit 20 Jahren mit der Stimme der Demokratie

für

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sinnvolle, gerechte und lernfähige Rentensysteme,

sichere, gerechte und leistungsfähige Sozialsysteme,

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