Das Wort am Sonntag 2009 11 08

DRSB

Deutscher Rentenschutzbund e.V.

Redaktionsteam

Leitung:

Udo Johann Piasetzky Heinrich Sternemann Hans – Josef Leiting

Düsseldorf, den 08. November 2009

 

Das Wort am Sonntag

 

Relativitätstheorie der Armut

 

Möchte man mit vermeintlich viel „Humor” die Relativitätstheorie ins Lächerliche ziehen, so hört man des Öfteren die zynische Auslegung:

„Ein Haar auf dem Kopf

ist „relativ” wenig – ein Haar in der Suppe ist „relativ” viel”

Mit den gleichen semantisch dialektischen Verdrechselungen der Tatsachen versuchen in unserer Heimat hochrangige Wissenschaftler explizit zu leugnen, dass es bei uns Armut im nennenswerten Umfang geben soll.

Arm

ist aber nicht bloß, wer längere Zeit keinen Champagner trinken konnte oder auf einen Weekend – Shopping – Trip [ Altdeutsch: Wochenende - Einkaufsfahrt ] nach London verzichten muss, sondern wer aufgrund andauernder materieller Defizite nicht einmal annähernd den durchschnittlichen Lebensstandard seiner Gesellschaft, in der er lebt, zu erreichen vermag.

Für neoliberal geprägte Beobachter existiert Armut lediglich da, wo Menschen völlig der Verelendung preis gegeben werden und in der höchsten Not sogar Rattenfleisch essen und regelmäßig Mülldeponien nach Essbarem durchsuchen müssen.

In der Mehrzahl der deutschen und europäischen Medien dominieren vermutlich genau deshalb lediglich nur „die” Armutsbilder, die schwerpunktmäßig die erbärmlichen Bilder vom Massenelend der Dritten Welt zeigen.

Als nach der so genannten

„Wende”

[ Wiedervereinigung Deutschlands ]

der Deutsche Rentenschutzbund e.V. die ersten Anzeichen einer aufziehenden Flächenarmut in unserer Heimat belegen konnte, wurde umgehend der

Begriff von der Armut

als politischer Kampfslogan von den Neoliberalen geächtet.

Womöglich noch heute fehlgeleitete Professoren, wie zum Beispiel

Meinhard Miegel, Walter Krämer oder auch Gerd Langguth

bekrittelten, dass Armut in Deutschland viel zu häufig thematisiert werde.

Armut

wird von semantischen Wahrheitsverdrehern sehr gerne als ein verteilungspolitisches Paradoxon abgetan, das nach keinerlei Grundsatzdiskussion oder gar nach dem konsequenten Handeln der Politiker verlangt.

Stattdessen philosophiert der Biograph von Angela Merkel,

Gerd Langguth,

viel lieber intensiv über Leistungsmissbrauch im Wohlfahrtsstaat und diskreditiert gezielt eine Unterschicht, die ihre soziale Misere selbst verschuldet haben soll, weil sie die angebotene Bildungsmöglichkeiten nicht nutzen will.

Wer solche wissenschaftlichen Berater hat, dem wird es womöglich schwer gemacht, die nackten Realitäten in unserer Heimat wahrzunehmen.

Offensichtlich ein Grund dafür, dass die beiden Chefprotagonisten der CDU,

Angela Merkel und Jürgen Rüttgers,

die wachsende Armut in unserer Heimat als „alte” soziale Frage abkanzeln, die bereits vor Jahrzehnten umfassend beantwortet wurde.

Auf seiner Vortragsreise im Jahr 1991 forderte der Vorstandsvorsitzende des DRSB e.V. in München, Köln, Hamburg, Magdeburg, Leipzig und Dresden mehr finanzielle Mittel für die deutsche Armutsforschung und wurde sofort dafür in die nörgelnde

Separatistenecke gestellt.

Heute, 18 Jahre später, wissen wir:

Gezielte Armutsbekämpfung kostet immer mehr Geld.

Da wäre es doch an der Zeit, über die Wiedereinführung der nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von der damaligen

CDU / CSU / FDP – Koalition

mit Wirkung zum 01. Januar 1997 ausgesetzten Vermögenssteuer nachzudenken.

Verantwortungsbewusste deutsche Verfassungsrechtler gehen sogar davon aus, dass gemäß unseres Grundgesetzes

Artikel 106 Absatz 2

die ausgesetzten Vermögenssteuer keinesfalls abgeschafft wurde, sondern jederzeit im Sinne der Steuergerechtigkeit von im Sinne der Bürger handelnden Politikern zu reaktivieren wäre.

Wohl an,

Angela Merkel und Guido Westerwelle,

die Bundesländer würden sich freuen und sofort finanziell ein „klein wenig” handlungsfähiger werden.

Unter Führung des SPDlers Willy Brandt wollte bereits 1969 die sozial – liberalen Koalition aus SPD und FDP die sozialen Spannungen und Konflikte in unserer Heimat in den Griff bekommen.

Die von den USA ausgehende Finanz- und Wirtschaftskrise in den Jahren 1974 / 1975 zeigte jedoch sehr deutlich, dass je mehr Menschen aufgrund der zunehmenden Arbeitslosigkeit auf unterstützende staatliche Sozialleistungen angewiesen waren, umso weniger kamen die Betroffenen in den Genuss der staatlichen Fürsorge und rutschten langsam in die Armut ab.

Der engagierte CDU – Oppositionspolitiker und damalige Hauptgeschäftsführer der CDU – Sozialausschüsse

Norbert Blüm

erkannte die schleichend aufziehenden gesellschaftlichen Probleme

Zitat Auszüge:

„Der Abstand zwischen Armut und Wohlstand

vergrößert sich – und mit ihm die Desintegration der Armen.

Gerade weil Armut in der Wohlstandsgesellschaft keine Massenerscheinung mehr ist, verliert sie für die lediglich auf ihre Wiederwahl orientierte Politiker an Interesse”.

Zitat Ende.

Der reinen Ordnung halber sei angemerkt, dass der DRSB e.V. erst 1988 gegründet wurde und als Ghostwriter [ Redenschreiber ] für den rührigen CDUler

Norbert Blüm

nicht in Frage kommen konnte.

Die Blümchen – Worte belegen aber, dass die Armutsentwicklung in unserer Heimat aufgrund von US – Finanz- und Wirtschaftskrisen schon damals kein politisches Geheimnis, sondern Realität für die Menschen in unserer Heimat war.

Durch die stark amerikanisch geprägte Finanz- und Wirtschaftskrise in den Jahren 1980 / 1981 wurden die meisten westdeutschen Politiker aus dem Fiebertraum des immerwährenden Wachstums gerissen.

Bedauerlicherweise fehlt es aber noch heute an der Einsicht, dass weder die latente Anfälligkeit der kapitalistischen Systeme für ständige Konjunkturrückschläge noch das anwachsende Problem der sozialen Ungleichheit überwunden werden konnte.

Die längst überfällige Revision der Sozialpolitik wird von Regierung zu Regierung und von Koalition zu Koalition verdrängt und verschoben.

Seit der Zusammenrottung der neuen Linksformation aus PDSlern und WASGlern zur so genannten Partei

„Die Linke”

am 23. Und 24. Juni 2007, wird der Ruf nach einer wirksamen Bekämpfung der Armut vom Deutschen Rentenschutzbund e.V., von den Protagonisten der Linksformation in die deutschen Parlamente getragen.

Obwohl sich die neue Linksformation großzügig beim DRSB e.V. bediente, als es darum ging, ein vom Kommunismus befreites Parteiprogramm zu basteln, müssen sie noch lernen, dass eine kapitalistische Ökonomie, die verstärkt auf der Konkurrenz basiert und von Gier und Profitsucht geprägt ist, immer soziale Ungleichheiten hervorbringt.

Besonders der eigentliche Urvater der

Armutsagenda 2010” – Oskar Lafontaine

scheint damit erheblich Schwierigkeiten zu bekommen.

Vergleichbar mit der bekennenden Kommunistin

Sarah Wagenknecht

wird der ehemalige SPDler zu einer ansteigenden Belastung für die neue Linksformation und deren politische Glaubwürdigkeit.

Denn ausschließlich mit

sozialer Schönfärberei wird Armut nicht zu beseitigen sein.

Wie der DRSB e.V. bereits in einem Aufsatz aus dem Jahr 1989 bekannt gab, lässt sich die immer stärker aufziehende Armut in unserer Heimat dauerhaft nur bekämpfen, wenn die Menschen für radikale Lösungen bereit sind und das Netz der sozialen Sicherungen durch echte Strukturreformen grundlegend armutsfest gemacht werden könnte.

Parteien wie zum Beispiel

Bündnis 90 / Die Grünen, die SPD

sowie auch die

Gewerkschaften

haben in den zurückliegenden Jahrzehnten eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass sie für die Lösung sozialer Probleme nicht mehr in Frage kommen.

Die katholische und evangelische Kirche in unserer Heimat sowie eine mächtige außerparlamentarische Bewegung, die in Bürgerbewegungen der unterschiedlichsten Art ihren Ausdruck finden könnten, haben somit die Aufgabe für nutzmehrende Strukturreformen zu sorgen und zwar völlig unabhängig von stetig wahlkämpfenden Parteien oder oftmals verlogenen parteistrategisch geprägten taktischen Winkelzügen.

Denn,

nur über Armut reden, ist „relativ” wenig – aber gezieltes Handeln zur Vermeidung der Armut, ist „relativ” viel.

 

 

 

DRSB

 

Wir kämpfen seit 21 Jahren mit der Stimme der Demokratie

für

einen modernen Sozialstaat,

sichere, langfristige Arbeitsplätze,

sinnvolle, gerechte und lernfähige Rentensysteme,

sichere, gerechte und leistungsfähige Sozialsysteme,

und für

korruptionsfreie Demokratie in Deutschland und der EU.

 

 

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