„Die Nachwehen der US – Kriege”
Teil 90
Rollback
14. Oktober 2010
Dass die Staaten des ehemaligen Warschauer – Paktes und die Staaten der sich auflösenden UdSSR Möglichkeiten bieten konnten, den Lebensstandard für die Menschen in unserer Heimat dramatisch zu senken, wurde von amerikanischen Wirtschaftstaktikern schon lange vor dem Fall der Berliner Mauer analysiert. In amerikanischen Medien konnte man damals hocherfreute Kommentare über die so genannten
„grünen Triebe in den Ruinen des Kommunismus”
lesen. Denn die damalige amerikanische Begeisterung über mögliche neustrukturierte osteuropäische Staaten, die aus dem untergehenden Sowjetimperium hervorgehen konnte, fußte schwerpunktmäßig darauf, dass die rasant anschwellende Arbeitslosigkeit im Gleichschritt mit der rasant wachsenden Verarmung der Arbeiterschaft dazu führen musste, dass die dort lebende Menschen bereit waren, wesentlich länger zu arbeiten und sich mit knapp 30% bis 35% der im Westeuropa üblichen Einkommen und Löhne über einen Zeitraum von mindestens 20 Jahren zufriedengeben. Die ursprünglich sehr repressiven Verwaltungsstrukturen dieser Staaten waren zunächst ein Garant dafür, dass die Menschen in den neustrukturierten osteuropäischen Staaten nicht aufmuckten. Bedingt durch diese
Kapitalismus – Keule
konnte man in Westeuropa und besonders in unserer Heimat, die aus der Sicht der amerikanischen Investoren luxuriöse Sozialstruktur sowie die relativ kurzen Wochenarbeitszeiten systematisch niederknüppeln. In amerikanischen Denkfabriken reifte deshalb die Überlegung, dass man in Westeuropa, besonders in unserer Heimat, die während der Amtszeit von Ronald Reagan gemachten Erfahrungen zur drastischen Absenkung der Reallöhne übertragen konnte. Im so genannten CFR,
Council on Foreign Relations,
mit Sitz in New York und in den europäischen
Atlantik – Brücken – Netzwerken
war man sich absolut sicher, dass die Ruinen des Kommunismus in Westeuropa die Rolle übernehmen könnte, die zum Beispiel Mexiko seit Jahrzehnten für die USA spielen muss. Die Mächtigen in Washington waren sich ohne Zweifel sicher, dass amerikanische Investoren in Westeuropa und ganz besonders in unserer Heimat von den Vorzügen des amerikanischen
„Mexiko – Modells”
langfristig profitieren würden. Möglicherweise wird vielen Lesern an dieser Stelle verständlicher, warum Atlantik – Brücken – Netzwerker aus Banken, Wirtschaft und Politik an der Zerstörung unserer Sozialsysteme und der sozialen Marktwirtschaft gezielt arbeiten. Die grundsächlichen Leitlinien dieser fragwürdigen US – Politik verdeutlichte bereits im Jahr 1973
Henry Kissinger
in seiner noch heute bemerkenswerten Rede zum so genannten
„Europäischen Jahr”.
Das gesamte Weltsystem, so verkündete Henry Kissinger damals, sollte auf der Erkenntnis beruhen, dass die USA vermehrt globale Interessen und Verantwortlichkeiten haben. Die NATO – Partner und sonstige Verbündete dagegen sollten sich auf ihre regionalen Konflikte und Interessen beschränken. Die Mächtigen in Washington könnten sich nicht um jede kleinkarierte Unternehmung in West- und Osteuropa kümmern, meinte Henry Kissinger. Die USA dürften nicht den
aus den Augen lassen. Dem hätten sich auch Deutschland und Frankreich bedingungslos unterzuordnen. Afghanistan und der Irak haben die politischen Zeiten verändert, doch die grundsächlichen Leitlinien der fragwürdigen US – Politik blieben nach wie vor in Kraft und wurden sogar noch wesentlich verschärft. Im Jahr 1973 verloren die USA ihre nach dem zweiten Weltkrieg gewonnene imperiale Macht aufgrund des schon damals maroden Wirtschaftssystems. Ein unverrückbarer Maßstab dafür, war damals wie heute, der Anteil am Weltreichtum der Amerikaner, der Anfang der siebziger Jahre von rund 50% unter die Hälfte schrumpfte [ 24% ], als sich die Weltwirtschaft auf eine tripolare [ dreipolige ] Ordnung zubewegte. Damals wie heute dominierten asiatische Staaten das internationale Wirtschaftsgeschehen. 1973 war es die Leistungsfähigkeit der Japaner, die die USA an den Rand des Abgrunds führten. Seitdem wurden die Karten neu gemischt und verteilt. Aktuell sind es die ostasiatischen so genannten
Tigerstaaten.
Der starke Eintritt Chinas in das globale Wirtschaftssystem hat das gesamte Szenario für die USA nicht nur beschleunigt, sondern erheblich verschärft. Der vorsorglich nach dem zweiten Weltkrieg geschaffene politische und wirtschaftliche
„Gesamtordnungsrahmen”,
der die USA in die Lage versetzte, Westeuropa zu kontrollieren, geriet damals wie heute ins Schwanken, weil die USA die wirtschaftlichen Anforderungen an ihre politische Machstellung nicht erfüllen konnten, denn nur militärische Machtdemonstrationen reichen nicht aus. Nun wird vielen deutlich, warum die USA mit der Hilfe von NGOs,
Non – Governmental – Organizations
[ Nichtregierungsorganisationen ],
die Segnungen der Demokratie und des Kapitalismus mit aller Gewalt in die Ukraine, nach Bulgarien, Lettland, Estland, Litauen, Rumänien oder auch nach Polen bringen wollten. Die Ernüchterung in diesen Staaten trat überraschend schnell ein, denn in den vorgenannten Staaten wurden die Menschen lediglich mit der rauen
Wirklichkeit des Killer – Kapitalismus,
in der Gestalt der so genannten Lateinamerikanisierung, vertraut gemacht. Man realisiert in zunehmender Geschwindigkeit, dass die demographischen Folgen stetig deutlicher zu Tage treten. Ein UN – Bericht schätzt, dass diese Entwicklung dafür verantwortlich ist, dass während der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts und nach dem Jahrtausendwechsel die Sterblichkeitsrate bei Männern um circa 10 Millionen höher lag als die Geburtenrate. So etwas kannte man in den neustrukturierten osteuropäischen Staaten nur von den stalinistischen Säuberungsaktionen. Zum Beispiel sinkt noch immer die Lebens- und Arbeitsqualität in der Ukraine ab. Auch ein Grund dafür, dass die meisten Menschen dort eine erneute politische und wirtschaftliche Allianz mit Russland bevorzugen. Der allgemeine politische und wirtschaftliche Niedergang ist in der Ukraine so schwerwiegend, dass selbst ein brutaler Diktator wie Stalin mittlerweile dort wieder Sympathien genießt. Vergleichbare Prozesse laufen in Bulgarien, Lettland, Estland, Litauen, Rumänien, Weißrussland und Polen ab. Man möchte nicht zum
Lateinamerika von Westeuropa
werden. Auch in Washington erkennt man, dass die eingeleiteten Maßnahmen zum amerikanischen
Wirtschaftsimperialismus
in Osteuropa genauso wie im Pazifikraum gescheitert sind. Die Strategen und Taktiker im US – Außenministerium sehen nun mit wachsender Sorge, dass in den meisten westeuropäischen Staaten die Auswirkungen der Hegemonialpolitik der USA – Stück für Stück – erkannt und abgelehnt werden. Die Mächtigen in Washington wissen genau, dass nicht nur in Osteuropa der
Rollback
stattfindet und auch in unserer Heimat durch emsige Aktivitäten der
Atlantik - Brücken – Netzwerker
weder aufzuhalten noch zu verändern sein wird. Das noch einigermaßen intakte Bildungs- und Gesundheitssystem haben in Verbindung mit der noch nicht zerstörten mittelständischen, dezentralen Wirtschaftsstruktur dazu geführt, dass Deutschland bis heute die US – Finanz- und Wirtschaftskrise relativ gut bewältigen konnte. Die anwachsende Politisierung der Menschen in unserer Heimat stellt immer häufiger das Agieren und die Taten der Politiker auf den Prüfstand. Langsam aber sicher erkennen
abhängig Beschäftigte, Selbständige, Handwerker, Unternehmer
und
aktuelle Rentenbezieher,
warum so viel bei uns schief gelaufen ist. Man erkennt jetzt besser die Ursachen- und Wirkungszusammenhänge sowie die brutalen wirtschaftlichen Interessen der USA und die damit einher gehende Beschränkung der Souveränität unseres Staates. Die Bevölkerung lehnt deshalb, bis auf wenige noch willfährige Helfer der USA, eine weitere Kontrolle oder Unterordnung für die imperialen Interessen der USA rundherum ab.
Frankreich, England, Spanien, Belgien, die Niederlande und selbst Italien stehen in Westeuropa vor dem finalen
Rollback.
Die Mehrheit der Bevölkerung möchte in Westeuropa nicht mehr den Erfordernissen der wirtschaftlichen und politischen Interesen der USA nachkommen. Die USA haben die endgültige Sicherung ihrer globalen Vormachtstellung leichtfertig verspielt und möglicherweise für alle Zeiten verloren.
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