Sonderinfobrief – 25. Juni 2013 / Aufgewacht!

Aufgewacht!

 

Das demokratische Bewusstsein vieler junger Brasilianer und der Wille nach Veränderung sind erwacht. Seit Jahrzehnten hat Brasilien keine solche Protestwelle mehr erlebt. Vor allem junge und gut gebildete und ausgebildete Brasilianer gehen auf die Straße. Von Tag zu Tag verliert die Regierung drastisch an Popularität. Die Brasilianer sind frustriert über die mangelhafte Qualität ihres öffentlichen Dienstes, über die Unverschämtheit und Dreistigkeit der Beamten und sie sind wütend über die Korruption in der herrschenden Klasse. Mit der Gesprächsbereitschaft der schwach argumentierenden Politiker gibt sich die brasilianische Bewegung nicht mehr zufrieden.

 

Wer genau hinschaut stellt fest, dass ein deutlicher Kontrast zwischen dem kreativen Protest der Brasilianer, die stolz sind, an einem solchen historischen Moment teilnehmen zu können – > und der destruktiven Energie von Anarchisten und Radikalen besteht. Deshalb wird es auch diese Woche wieder zu massiven Demonstrationen kommen. Die leere Phrasen, wie sie von Politikern auch in der EU zu hören sind, schaffen es nämlich immer weniger, die erhitzten brasilianischen Gemüter zu beruhigen.

 

Brasilien ist noch ein stabiles, demokratisches Land, weshalb es keine Forderungen nach mehr Demokratie gibt. Und obwohl die Brasilianer den Fußball lieben, finden sie, dass die Milliarden für die Stadien – > in Schulen und Krankenhäuser besser angelegt wären. Die Proteste sind zurzeit weder gegen einen bestimmten Politiker noch gegen die Regierung gerichtet. Derzeit gibt es nicht einmal eine klare ausformulierte Forderungen der Protestbewegung. Die landesweiten Proteste in Brasilien haben sich sehr lange im Voraus angekündigt. Dennoch ist das Ausmaß und die Wucht der Proteste, die mittlerweile neben Rio de Janeiro und Sao Paulo weitere 120 Städte erfasst haben,  überraschend.  Überraschend für die Regierung als auch für die internationalen Experten!

Die europäischen Demokratien sollten deshalb auf keinen Fall glauben,

dass sie durch den großen Ozean vor der brasilianischen Zornes- und Protestwelle geschützt sind.

Ganz im Gegenteil. Die enttäuschten und deprimierten Brasilianer sind aufgewacht.  Rio ist auch schnell in Paris, Madrid, Brüssel oder Berlin. Die EU – Politiker sollten allen Europäern sichere Perspektiven für Arbeit und Entwicklung bieten, die über nationale Grenzen hinausreichen. In der EU ist dringendes Handeln erforderlich, in sozialer, wirtschaftlicher – > aber auch in demokratischer Hinsicht. Damit für Frustrierte, Enttäuschte oder Zornige nicht das soziale europäische Desaster erneut zum Nährboden für Extremisten wird.

 

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