Infobrief – 16.Januar 2013 / LIBOR? EUROBOR? TIBOR? Nie gehört?

LIBOR? EUROBOR? TIBOR? Nie gehört?

 

Die Fachbegriffe und die vielen Abkürzungen in der Finanzbranche sind für OUTSIDER kaum noch verständlich oder schwer nachvollziehbar. LIBOR steht zum Beispiel für

London Interbank Offered Rate.

Der so genannte Interbankenzins gibt an, zu welchen Konditionen sich [ Investment- ] Banken untereinander Geld leihen. Aber – es gibt nicht nur einen, sondern viele unterschiedliche sogenannte LIBOR – Sätze. Sie werden in insgesamt zehn Währungen mit unterschiedlichen Laufzeiten zwischen einem Tag und einem Jahr berechnet. An jedem Werktag wird der LIBOR um 11:00 Uhr [ Londoner Ortszeit ] von den „wichtigsten“ international tätigen Banken der

British Bankers’ Association

[ BBA ]

festgestellt. Die Finanzinstitute melden dabei, zu welchen Konditionen sie sich bei anderen Banken Geld mit unterschiedlichen Laufzeiten leihen können. Der jeweils geringste und höchste Zinssatz wird als „Ausreißer“ gestrichen, von den übrigen Angaben wird dann der Durchschnitt errechnet – > und fertig ist der LIBOR – Satz. Übrigens: Kontrolliert werden diese Angaben der diversen Banken nicht. Ein kleines Beispiel gefällig?

Der USD – 3 – Monats – LIBOR gibt an, zu welchem Zins sich Banken

untereinander US – Dollar – Kredite mit einer Laufzeit von 3 Monaten gewähren.

Der sogenannte LIBOR ist weltweit verbindlich die Grundlage für die Bewertung von Finanzprodukten, Swaps, Krediten oder Hypotheken. LIBOR bildet die invalide Plattform und untaugliche Berechnungsbasis für Geschäfte im Volumen von mehr als 360 Billionen US – Dollar. Außer dem sogenannten LIBOR gibt es auch noch den EUROBOR für das Geldleihen der Banken im Euro – Raum und den sogenannten asiatischen [ Tokio ] TIBOR.

 

Seit nun bekannt wurde, dass Finanzinstitute systematisch die wichtigen LIBOR – Zinsen zu ihren Gunsten manipuliert haben, will sich an den unzuverlässigen Zinssätzen keiner mehr die Finger verbrennen.

Beim EUROBOR häufen sich daher

die Meldungen über den kompletten Rückzug beteiligter Banken.

Der Ausstieg aus dem europäischen Referenzzinssatzes ist eine geschäftsstrategische Entscheidung. Kein Banker möchte mehr als gieriger Finanzjongleur geoutet werden. Man konzentriert sich lieber wieder auf seriöse Geschäfte in den eigenen Ländern. National – statt international [ global ] ist plötzlich wieder Trumpf. Immer mehr Banken in den Euroländern verlassen fluchtartig den EUROBOR, der wie sein „großer Bruder“ LIBOR unter extrem starken Manipulationsverdacht steht.

 

Das fluchtartige Verlassen [ Ausstieg aus EUROBOR ] der Finanzinstitute untergräbt natürlich die Pläne der EU – Politiker [ Kommissare ] in Brüssel und der Mächtigen in Washington, die ursprünglich den EUROBOR und LIBOR angesichts der jüngsten Skandale reformieren und zuverlässiger machen wollen. Denn je weniger Finanzinstitute bei der Festlegung mitmachen, desto einfacher ist es für einzelne „schwarze Schafe“, den EUROBOR- oder LIBOR – Satz durch falsche Angaben zu verzerren. Die Angst vor Klagen von Opfern dieser beweisbaren Manipulationen wächst exponentiell an.

 

Mit LIBOR oder EUROBOR hatten die Finanzinstitute quasi unrechtmäßig hoheitliche oder staatliche Aufgaben übernommen. Immer mehr Bankmanager realisieren jetzt, dass sie dabei ein zu hohes Risiko auf sich genommen haben, denn sollte es zum Zusammenbruch des Euro kommen, dann wird auch die Rolle der Finanzinstitute und Versicherungskonzerne sowie deren Haftung zu hinterfragen sein. 

 

Nichtsdestowenigertrotz würde es die Deutsche Bundesbank sehr gerne sehen, wenn möglichst viele deutsche Finanzinstitute weiter an der Erhebung der Referenzsätze teilnehmen würden, denn dadurch kann man die schlechte wirtschaftliche Lage in den Euroländern und in den USA noch mindestens 6 bis 9 Monate verschleiern. 

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