Totengräber aus dem
„goldenen Dreieck”
11. November 2010
Hedgefonds wurden ursprünglich zur Absicherung von Wertpapiergeschäften und Kursschwankungen bei Termingeschäften gegründet. Nach anfänglich sehr gemächlichem Wachstum ist das verwaltete Vermögen zwischen 2000 und 2007 explodiert. In der aktuellen Krise mussten viele Hedgefonds heftige Verluste hinnehmen. In unserer Heimat sind bekanntlich diese Anlagevernichtungsvehikel erst seit 2004 zugelassen.
Weltweit werden geschätzte 1700 bis 1900 Milliarden US – Dollar
von circa 7000 Hedgefonds verwaltet.
In Großbritannien sind nach der US – Finanz- und Wirtschaftskrise immer noch geschätzte 4.000 bis 5.000 Menschen direkt in diesem Sektor beschäftigt.
Das heißt im Klartext auch heute noch:
Wenig Kontrolle, keine Transparenz und höchstes Risiko!
Denn anders als traditionelle Immobilien- oder Aktienfonds müssen Hedgefonds die Zusammensetzung ihrer Portfolios nicht offenlegen. Sie unterliegen auch einer weniger strengen Regulierung als die klassischen Investmentfonds, die oft für Privatanleger zugelassen sind. Hedgefonds sammeln Geld von reichen Privatpersonen sowie Profianlegern wie Versicherern ein.
Schuld an der anhaltenden US – Finanz- und Wirtschaftskrise sind aus Sicht der EU vor allem die Hedgefonds. Nun soll die ungeliebte Zunft reguliert werden. Die Branche, die bisher kaum Auflagen kannte, ist entsetzt – und wittert eine Verschwörung.
Es ist eine geschlossene Gesellschaft, die sich in London oftmals im exklusiven Mandarin Oriental Hotel versammelte.
Es rumort nämlich nicht nur in unserer Heimat.
Seit dem Ausbruch der anhaltenden US – Finanz- und Wirtschaftskrise stehen die Hedgefonds am Pranger. Sie gelten möglicherweise zu Recht als die bösen Spekulanten, die mit ihren dubiosen Geschäften die globale Krise verursacht haben und dadurch die Notlage ganzer Volkswirtschaften provozierten. Nun werden diejenigen bezahlen müssen, die unschuldig an dem Schlamassel, abhängig Beschäftigte, Freiberufler, Selbständige, Handwerker, mittelständische Unternehmen und vor allem zukünftige und aktuelle Rentenbezieher.
Doch noch immer lauern die
Totengräber der Euro – Zone
im „goldenen Dreieck” zwischen Knightsbridge, Mayfair und St. James [ London ]. So sieht man es zumindest in den meisten Regierungsstädten Europas. So wurde der 18. Mai 2010 von vielen Politikern als „der” schwarze Tag in die Geschichte der Hedgefonds gefeiert. Zumindest einigten sich die EU – Finanzminister darauf, die europäischen Hedgefonds künftig an die Kette zu legen und zentral zu kontrollieren.
Naht damit das Ende der goldenen Zeit ohne Grenzen?
Diese Schritte sollten womöglich lediglich die Menschen in Europa und in unserer Heimat beruhigen. Denn die große Sicherheits – Schlacht, die es zu schlagen gilt, wird in fast allen gesellschaftlichen Klassen gefordert. Besonders in der breiten Mittelklasse macht sich wachsendes Unbehagen breit und wirft die Frage auf:
„Wie wollen unsere Politiker die riesigen Regulierungslücken schließen”?
Nationale Aufsichtsbehörden wie die britische FSA kontrollieren zwar die Fondsmanager, die von London aus operieren, doch die Fonds selbst und auch die Finanz – Mittelbewegungen entziehen sich meist dem Blick der Behörden. Die Hedgefonds haben ihren Sitz oft in Steueroasen wie den Kaimaninseln. Und sie sammeln ihr Geld meist bei professionellen Anlegern wie Pensionsfonds oder Versicherern ein.
Dieses Agieren im Dunkeln macht die Fonds für viele Menschen weiterhin verdächtig.
Verschleierte Neugründungen erschweren zudem jede tatsächliche Regulierung, denn auch in unserer Heimat ist
Finanzaufsicht keine Produktaufsicht,
Finanzaufsicht keine Vertriebsaufsicht,
Finanzaufsicht nicht deckungsgleich mit Verbraucherschutz,
Finanzaufsicht weder anbieter- noch konsumentenorientiert.
Mindestkapitalanforderungen für alle Fondsmodelle und Banken auf Basis eines risikobasierten Ansatzes [ ausreichende Rücklagen, Ansatz und Bewertung von
Kapitalanlagen, Definition des Eigenkapitals] entzieht sich nach wie vor der Kontrolle durch die Politik. Optionen zur Anwendung interner Risikomodelle sowie die Bewertung der Stärke und Effektivität der Risikomanagementsysteme erscheinen selbst für erfahrene Banker extrem schwierig zu sein. Externe Kontrollen und zusätzliche Kapitalanforderungen in besonderen Fällen zur Förderung der Marktdisziplin sind deshalb überfällig. Der vom DRSB allen Politikern vorgeschlagene Weg zum schnellen Aufbau eines umfangreichen Kontrollmanagements für die Risikofrüherkennung könnte sofort Abhilfe schaffen.
Obwohl eine stärkere Verknüpfung des qualitativen mit dem quantitativen
Risikomanagement, insbesondere bei der Risikokapitalermittlung, zum Standard
organisatorischer Rahmenbedingungen zählen sollte. Wie will man sonst in absehbarer Zukunft von Banken oder Fondssystemen
Angaben zum Geschäft und zur Performance,
Angaben zum Risikomanagement,
Angaben zu umschriebenen Bilanzwerten,
oder
Angaben zu Eigenmitteln und Kapitalanforderungen
verlässlich überprüfen?
Wie vom DRSB ständig berichtet und selbst für Laien leicht verständlich, ist eine zielgerichtete Ausrichtung der Geschäftsstrategie auf Risiken mehr als erforderlich.
Der bestehende Regulierungsrahmen wirkt kaum auf die Dokumentationspflichten ein und wird vermutlich keinerlei steigende Transparenz liefern.
Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit kann und sollte deshalb deutlich steigen, denn noch immer werden die Einschätzung der Risiken und Risikotragfähigkeit der meisten Bank- und Fondsmodelle völlig fehlgeleitet bewertet. Die Effizienz der Kapitalallokation rückt damit in den Vordergrund und der Aufwand für die Erfüllung der Anforderungen an die Finanzaufsicht steigt massiv. Auch das heutige Krisenszenario wird irgendwann enden. Gemäß der DRSB – Prognose aus 2008 dürfte das Schlimmste im Jahr 2012 / 2013 überstanden sein. Die siebenundzwanzig Jahre zwischen der Deregulierung der US – Finanzmärkte Anfang der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts über das Finanzdesaster in 2000 bis hin zum Ausbruch der Krise im August 2007 wird ohnehin als kopflastige und transaktionsorientierter
Fehlkapitalismus der Investmentbanken
in die Geschichtsbücher Einzug halten. Die Lust auf weitere tödliche Finanzblasen ist den Menschen in Europa und in unserer Heimat gründlich vergangen. Die Auswirkungen der aktuellen US – Finanz- und Wirtschaftskrise wird aber noch eine ganze Generation beschäftigen. Das Bewusstsein, dass Sicherheit einen Preis hat, ist in der breiten Öffentlichkeit angekommen.
Nun gilt es die nächste tödliche Finanzblase zu verhindern.
================================================
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
Wir kämpfen seit 22 Jahren mit der Stimme der Demokratie für einen modernen Sozialstaat, sichere, langfristige Arbeitsplätze, sinnvolle, gerechte und lernfähige Rentensysteme, sichere, gerechte und leistungsfähige Sozialsysteme und für korruptionsfreie Demokratie in Deutschland und der Europäischen Union.
