DRSB
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
Beantwortung von Anfragen zu den Themen:
Sollte man noch Aktien des AWD kaufen?
Meerbusch, den 20. Februar 2006
Den DRSB e.V. erreichen zu den Artikeln:
1. Welche Gesellschaften sind Strukturvertriebe
und
welche Systemvertriebe?
2. Ist Strukturvertrieb schädlich?
täglich immer noch sehr viele Anfragen hauptsächlich zum Thema AWD.
Die Anfrager stellen meistens zwei Fragen:
1. Was unterscheidet den AWD von anderen Strukturvertrieben?
2. Sollte man noch Aktien des AWD kaufen?
Unter der Rubrik:
FAQ – Häufig gestellte Fragen
AWD
Daten & Fakten
Stellung genommen.
Der
AWD
ist seit
20. Oktober 2000 börsennotiert
und im Prime Standard-Segment, im
M-DAX-INDEX
sowie im
GEX-INDEX
der
Deutschen Börse AG
vertreten.
Christoph Schlienkamp,
Analyst vom Bankhaus Lampe, stuft die Aktie von
AWD >>> ISIN DE0005085906 / WKN 508590 <<<
unverändert mit "kaufen" ein.
Auch andere namhafte Aktieninstitute und Bankhäuser haben seit dem
13. Februar 2006
nachfolgende Analysen zum Thema AWD Holding AG veröffentlicht:
| 13. Februar 2006 16:15 Uhr AWD buy 14. Februar 2006 17:50 Uhr AWD outperform 15. Februar 2006 11:24 Uhr AWD buy 15. Februar 2006 12:15 Uhr AWD halten 15. Februar 2006 13:31 Uhr AWD kaufen 17. Februar 2006 13:29 Uhr AWD kaufen | Merck Finck & Co HypoVereinsbank SRC Research Pacific Continental Sec. Nord LB Bankhaus Lampe |
Die allgemeine Beurteilung der Experten:
Nach der Gewinnwarnung des Konzerns im Oktober 2005 und den Ausführungen des Managements auf unterschiedlichen Investorentreffen hätten die vorgelegten vorläufigen Ergebniszahlen für 2005 im Rahmen der Analystenerwartungen gelegen.
Auf der Umsatzseite habe AWD in 2005 seine eigene Umsatzprognose von
600 Millionen Euro
(die Erwartung der Analysten vom Bankhaus Lampe: 610 Millionen Euro) mit nunmehr erreichten Erlösen von
632 Millionen Euro
sogar merklich übertreffen können. Auch wenn sich auf Sicht des Gesamtjahres 2005 ein
Umsatzrückgang zum Vorjahr von 12%
errechne, so spiegele sich in den Daten und dem Übertreffen der Umsatzerwartung auch die Tatsache wider, dass es im vierten Quartal zu gewissen Aufholeffekten gekommen sei.
Zwar würden die Zahlen für das vierte Quartal 2005 separat betrachtet einen
Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahresquartal von 24% auf
184 Millionen Euro
zeigen.
Dabei müsse jedoch bedacht werden, dass die Vorjahresumsätze durch die Sonderkonjunktur im Lebensversicherungsgeschäft zweifelsohne überzeichnet gewesen seien.
AWD melde darüber hinaus für das Gesamtjahr 2005 einen Rückgang des
EBIT um 38% auf 47 Millionen Euro
(die Erwartung der Analysten vom Bankhaus Lampe: 47,4 Mio. EUR).
Die Gründe für diesen Ergebnisrückgang lägen im operativen Geschäftsverlauf im dritten Quartal 2005, der Integration der zu Jahresbeginn akquirierten Chase de Vere sowie Aufwendungen für den Marktaufbau in Italien.
Nach Angaben des Managements sei kurzfristig aber weiterhin kein Turnaround in Großbritannien und Italien zu erwarten.
Enttäuscht habe auch die Zahl der Berater, die sich 2005 sogar um
3,4% auf 5.807
zurückentwickelt habe. Aussagen zur geplanten Ausschüttung für 2005 habe AWD nicht gemacht. Insofern würden die Analysten vom Bankhaus Lampe keine Notwendigkeit sehen, ihre bisherige Prognose mit einer
Dividende von 1,00 Euro,
die auf dem jetzigen Kursniveau einer Rendite von 3,6% entspreche, zu verändern.
Die endgültigen Zahlen für 2005 werde die Gesellschaft am
29. März 2006
veröffentlichen und diese im Rahmen einer Analystenkonferenz näher erläutern.
Die Analysten vom Bankhaus Lampe bekräftigen ihre
Kaufen – Anlageeinschätzung
für die AWD-Aktie und heben ihr Kursziel entsprechend von 30,00 Euro auf 32,00 Euro an.
Der fehlende Ausblick von AWD für 2006 sowie die Aussage, dass sich der angepeilte Umsatz von
1 Milliarde Euro für 2008
um ein bis zwei Quartale verzögern könnte, belasten die Aktie, erklärte Analyst
Nicolai Schill
von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Die vorläufigen Zahlen für das vierte Quartal und 2005 lägen unter seinen Erwartungen.
Auch andere Analysten kritisierten, dass sich AWD mit einer Prognose zurückhielt und keinen Zeitpunkt nannte, wann diese nachgereicht wird.
Negativ sei auch, dass zum einstmals geplanten Aktienrückkaufprogramm nichts Neues gesagt wurde.
Optimistischer fiel die Beurteilung von Analyst
Lucio di Geronimo
von der HypoVereinsbank (HVB) aus. AWD kehre zu Wachstum und Profitabilität zurück, zeigten die Zahlen aus seiner Sicht.
Er rechnet mit einer Umsatzsteigerung 2006 um
10% auf 705 Millionen Euro,
wobei die wachsende Bedeutung von Unternehmenspensionen stützen werde. Treiben dürften die steigende Kundenzahl, das Ende der Restrukturierung in Großbritannien und Italien sowie der Anstieg staatlicher Beihilfen für individuelle Pensionspläne.
Soweit die allgemeine Beurteilung der Experten.
Der AWD ist und bleibt vermutlich ein Strukturvertrieb alter Prägung. Damit sind mögliche Ursachen für einen Absturz des Systems, ähnlich wie bei IOS-Organisation, schon seit Beginn an womöglich vorprogrammiert.
Die Idee des permanenten Wachstums muss unaufhörlich systemverträglich das Struktur-Vertriebssystem am Leben halten.
Die Strategie der IOS-Organisation war von Anfang an invalide.
Eine disproportionale Entwicklung von Kosten und Ertrag war die unausweichliche Folge und Hauptgrund für den Zusammenbruch.
Unterstellt einmal die Bilanzierungspraxis für die Geschäftsjahre
1997 bis 2004
ist vollkommen unbelastet von Unwahrheiten und Tatsachenverdrehungen, so ist im Wesentlichen davon auszugehen, dass die Umsatzerlöse hauptsächlich aus dem Verkauf von Lebensversicherungen und ähnlichen Finanzprodukten resultiert.
Bedingt dadurch, gestalten sich genaue Analysen und notwendige Durchleuchtungen als schwierig.
Viele offene Fragen zum Zahlenwerk vom AWD bleiben somit unbeantwortet.
Auch die Mehrjahresübersicht der Kalenderjahre
1997 bis 2004
auf der Website des AWD ergeben inhaltlich keine konkreten Angaben. So wird zum Beispiel das Eigenkapital, Rückstellungen – inklusive Sonderposten – und Verbindlichkeiten als Gesamtkapital ausgewiesen.
Vermutlich ist mit der Bezeichnung
Gesamtkapital
die
Bilanzsumme
gemeint.
Konkrete Fragen zu Delkredere-Risiken des AWD können daher aus diesen Gründen nicht beantwortet werden.
Begriffsdefinition: Delkredere
Delkredere ist eine besondere Art des Garantievertrags. Das Delkredere kommt bei Handelsvertretern und Kommissionären vor.
Beim Delkredere steht der Handelsvertreter oder Kommissionär dem Unternehmer oder Kommittenten gegenüber dafür ein, dass der Dritte
Kunde, Vertragspartner des Kommissionärs
die Verbindlichkeit aus dem abgeschlossenen oder vermittelten Geschäft erfüllt.
Das Delkredere ist also eine Garantie für die Zahlungsfähigkeit. Bei Handelsvertretern bedarf das Delkredere der Schriftform.
Es kann nur für bestimmte Geschäfte oder für noch unbestimmte Geschäfte mit bestimmten Dritten
Kunden
übernommen werden
§ 86b I HGB.
Bei Kommissionären ist das Delkredere mündlich wirksam, muss aber eigens übernommen werden oder am jeweiligen Ort Handelsbrauch sein
§ 394 HGB.
Das Delkredere begründet den Anspruch auf die (zusätzliche) Delkredereprovision
§§ 86b II, 394 II HGB.
Begriffsdefinition: Delkredere / Ende.
Da Lebensversicherungs-Provisionen in der Regel vordiskontiert ausgezahlt werden und eine mittlere Haftungszeit von durchschnittlich
48 Monaten gleich 4 Jahre
haben, ist nicht erkennbar, wie viel Provisionsanteil noch nicht abschließend
verdient ist. Auch eine mögliche Stornowelle könnte somit die gezeigten Ergebnisse
erheblich verzerren.
Nach übereinstimmender Ansicht von Wirtschaftsprüfungsunternehmen hätte ein solches Szenario gravierende Auswirkung auf die Ertrags- und Finanzlage eines Unternehmens.
Sollte eine solche Lage eintreten, ist generell für solche Unternehmen, die eine hauptsächlich einseitige Ausrichtung der Geschäftsart verfolgen, nicht auszuschließen, dass dann betroffene Unternehmen sich dem Penny-Stock nähern könnten.
Womöglich wurde aus den vorgenannten Gründen keine Aussage zu den Ertragsaussichten des Geschäftsjahres 2006 gemacht.
Eine realistische Prognose erscheint deshalb extrem schwierig, sodass konkrete Empfehlungen für oder gegen den Kauf der AWD-Aktie zurzeit nicht sinnvoll abzugeben sind.
Lesen Sie hierzu auch den Artikel in der
Financial Times Deutschland
Mittwoch, 15. Februar 2006
Investoren strafen AWD für Absatzeinbruch ab
Finanzvertrieb verweigert Prognose für das laufende Jahr
