Die Nachwehen der US Kriege 2010 05 05

Die Nachwehen der USKriege
Teil 77

Zielscheibe Ostberlin

05. Mai 2010

 

Indonesien kämpfte nach dem Zweiten Weltkrieg verbissen für seine Befreiung aus der niederländischen Kolonialherrschaft.

Die USA unterstützten, verdeckt über die CIA, diesen Freiheitskampf, um nicht ihre Verbündeten in Westeuropa zu verärgern.

Ende 1949 erreichte Indonesien endlich seine langersehnte Unabhängigkeit von den Niederlanden.

Nach dem Ende der Wirrungen des Koreakrieges geriet, der „jetzt souveräne” Staat, Indonesien in die Zieloptik der Geostrategen des CIA.

Die USA waren immer auf der Suche nach billigem Erdöl und im Erdboden von Indonesien lagerten nach Schätzungen der CIA mehr als zwanzig Milliarden Barrel Erdöl.

Grund genug, sich diesem unabhängigen Staat umgehend anzunehmen sowie die Loyalität seiner Politiker gegenüber den USA auf den Prüfstand zu stellen.

Bedauerlicherweise war aus der Sicht der Amerikaner der indonesische Präsident

Achmed Sukarno

weder willens, sich der imperialen Politik der USA zu beugen, noch den Mächtigen in Washington indonesisches Erdöl zu Spott – Preisen zu liefern.

Besonders verdächtig erschien es den Spezialisten aus Langley [ CIA - Hauptquartier ], dass sich eine stärker werdende kommunistische Bewegung im Land etablieren konnte.

Am 09. September 1953 übergab die CIA dem Nationalen Sicherheitsrat einen umfänglichen Lagebericht und empfahl dem damaligen US – Vizepräsidenten Richard Nixon einen Maßnahmekatalog, wie man das vermeintlich kommunistische indonesische Regime zu Fall bringen könnte.

Im Frühjahr 1955 erwog allen Ernstes die CIA die Ermordung von Präsident

Achmed Sukarno

und trieb die Planung soweit voran, dass man sogar schon einen so genannten „Aktivposten” [ CIA - Jargon für Auftragskiller ] benannte.

Der teuflische Plan scheiterte hauptsächlich daran, dass man keine Situation herbeiführen konnte, in der der Auftragskiller nahe genug an die Zielperson herankam.

Als dann 1958 der Versuch der CIA, die indonesische Regierung zu stürzen, total fehlschlug, begann der unaufhaltsame Aufstieg der Kommunisten zur größten Partei außerhalb von China und Russland.

Die CIA hat eigentlich zu keinem Zeitpunkt begriffen, welche Bedeutung der charismatische Führer

Achmed Sukarno

für Indonesien hatte.

Mit der so genannten

Order NSC [ National Security Council ] 5518

verfügten die imperialistischen Akteure aus Langley über einen gigantischen Ermessensspielraum, mit dem sie in der Praxis jede noch so brisante Maßnahme gegen Sukarno rechtfertigen konnten.

Man bekämpfte schließlich den „bösen” Kommunismus und musste die wichtige Energieversorgung im eigenen Land mit billigem Erdöl sicherstellen.

Was daraufhin folgte, sind bekanntlich jahrelange kriegerische Scharmützel, in denen mehrere hunderttausend Indonesier ihr Leben ließen, um die Stärke der kommunistischen Muslime zu erhalten.

Niemand schien damals zu wissen, wohin die aggressive Außenpolitik der USA tendierte.

Parallel zu den brisanten Entwicklungen in Indonesien nahmen die Spannungen in Westeuropa zu.

Im Brennpunkt des Interesses

lagen Deutschland und besonders West- und Ostberlin.

Seit 1957 legte der CIA regelmäßig, in immer kürzer werdenden Abständen, dem Präsidenten der USA erschreckende Nachrichten über die Stationierung von sowjetischen Interkontinentalraketen vor.

Angeblich wuchs das sowjetische Rakentenarsenal doppelt so schnell wie das amerikanische.

Die groben Schätzungen wurden vom CIA und dem Strategischen Luftkommando zur Grundlage eines Erstschlagplans gemacht und dienten dazu, mehr als 3000 nukleare

US – Sprengköpfe für die Zerstörung sämtlicher Städte und Militäreinrichtungen zwischen Warschau und Peking einzusetzen.

Aus historischen russischen Dokumenten ist jedoch heute bekannt, dass die UdSSR damals nur knapp 350 Atomraketen einsatzfähig hatte.

Als am 13. August 1961 die im Volk so genannte „Ostzone” mit Betonfertigteilen, Ziegeln und Stacheldraht abgeriegelt wurde, schrillten in Washington die Alarmglocken. Unverzüglich entsandte US – Präsident

John F. Kennedy

noch in der Woche des Mauerbaus seinen Vizepräsidenten

Lyndon B. Johnson

nach Westberlin. Der damalige Leiter des Westberliner CIA – Büros,

Bill Graver,

schilderte seinem Vizepräsidenten, aus seiner Sicht, die Lage in der Stadt und in Ostdeutschland.

Bill Graver

präsentierte seinem Vizepräsidenten eine beeindruckende ausführliche Liste aller im so genannten „Ostblock” tätigen CIA – Agenten.

Wer Bill Graver damals reden hörte, konnte den Eindruck gewinnen, dass kein sowjetischer Soldat ohne Kenntnis der USA seine „Geschäfte” in Ruhe auf der Toilette verrichten konnte.

Ob nun russische oder polnische Militärmission, die CIAler

Bill Graver

und

David Murphy

[ Chef der Osteuropa - Abteilung ],

glaubten sie hätten alles fest im Griff. Damals schon ein monströses Lügengebilde, das man dem neuen Präsidenten Kennedy verkaufen wollte. Aber erst die im Juni 2006 freigegebenen Dokumente belegen in vollem Umfang, die niederschmetternde Bilanz des Versagens der Protagonisten aus Langley.

Als nämlich am 06. November 1961 der Chef der Spionageabwehr des BND,

Heinz Felfe,

von den eigenen Sicherheitskräften verhaftet wurde, konnte man das Ausmaß der Schäden noch nicht in Gänze erkennen.

Heinz Felfe konnte als Chef der Spionageabwehr sämtliche BND – Operationen und später auch die meisten CIA – Aktivitäten einleiten, lenken oder wenn es nötig wurde völlig einstellen.

Zwischen Juni 1959 und November 1961 verriet der Spionageabwehrchef des BND rund siebzig größere Geheimdienstoperationen sowie die Identität von mehr als

110 CIA – Agenten und annähernd 5000 geheime Informationen an seine Auftraggeber im Moskauer Kremel.

Auch bedingt dadurch war die CIA in unserer Heimat sowie in ganz Osteuropa aus dem

„Geschäft”.

Man benötigte circa 2 Jahrzehnte, um einigermaßen wieder handlungsfähig zu werden. Für den Wiederaufbau eines funktionierenden Spionagenetzes sollte es an nichts gespart werden, wie es der Bruder des US – Präsidenten, Robert Kennedy, am 19. Januar 1962 den damaligen CIA – Direktor McCone wissen ließ.

Die Rekrutierung und Mobilisierung von Angehörigen der evangelischen Kirche sowie das Aufbrechen der DDR – Wirtschaft und die Unterwanderung der ostdeutschen Geheimpolizei stand auf dem langen Wunschzettel aus Langley.

Erfolg ist immer relativ zu bewerten, doch was die CIA – Aktivisten in West- und Ostdeutschland auf die Beine stellten, muss man sachlich betrachtet als äußert „traurig” bezeichnen.

Denn in der stetig selbständiger werdenden DDR arbeitete damals eine äußerst effiziente Spionageabwehr unter dem Namen

HA II

[ Hauptabteilung II ]

im Ministerium für Staatssicherheit [ MfS ]. Die Mitarbeiter der HA II brachten dem CIA Niederlage auf Niederlage bei und ließen die westlichen Agenten in immer besser aufgestellte Fallen laufen.

Pensionierte HA II – Mitarbeiter

bezeichnen noch heute die Verluste an Agenten als enorm.

Mehrfach wurde der Versuch unternommen, ostdeutsche Bürger mit viel Geld für eine Mitarbeit beim CIA anzulocken.

Gemäß der zugänglichen MfS – Unterlagen [ auch Stasi - Akten genannt ] wurden für einen Referatsleiter der Aufklärung eine Million DM [ Deutsche Mark ] geboten.

Selbst für einen Sachbearbeiter oder einen NVA – Offizier war man bereit, 250.000,00 DM zu zahlen.

Das Peinliche an den Anwerbaktionen war nur, dass es sich bei den Angesprochenen hauptsächlich um Mitarbeiter des MfS handelte, die in fast allen Fällen ihren Dienstherrn davon in Kenntnis setzten. Denn im MfS pflegte man hohe „ethische / moralische” Werte und fühlte sich als Schild und Schwert der SED.

Man war „der” Diener von Staat und Partei.

Mitglieder aus den so genannten Bürgerbewegungen ließen sich aus der Sicht der CIA gefahrloser und leichter rekrutieren und waren wesentlich williger, Spionage – Aufträge anzunehmen.

Nicht nur in den Stasi – Akten, sondern auch vereinzelt in CIA – Dokumenten tauchen deshalb die Namen

Angelika Barbe [ Initiativgruppe SDP ], Marianne Birthler [ Initiative Frieden und Menschenrechte ], Rainer Eppelmann [ Demokratischer Aufbruch ], Martin Gutzeit [ Initiativgruppe SDP ], Kathrin Menge [ Neues Forum ], Rudi Pahnke

[ Demokratischer Aufbruch ], Wolfgang Ullmann [ Demokratie Jetzt ] sowie rund 280 weitere Namen von so genannten Friedensaktivisten auf.

Bekanntlich handelte es sich bei der DDR um einen „souveränen” Staat, so dass aus der Sicht der damaligen Staatführung die personellen Zusammenschlüsse in so dargestellte „Antistaatsbewegungen” und ihre Informationspreisgabe an westliche Geheimdienste schlichtweg als Spionage bezeichnet werden musste.

Denn die CIA – Versuche zur Aufweichung, Zersetzung und politischen Destabilisierung bis hin zur gezielten Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse in der ehemaligen DDR werden bis heute nicht bestritten.

Als im Jahr 1987 die CIA – Mitarbeiter der Auslandsresidentur der CIA in der DDR,

Georg W. Sandford

[ MfS - Deckname: Mustang ]

und

Brian Michael Quigley

[ MfS - Deckname: Omega ],

ihre Zelte abbrachen, hatten die Mitarbeiter des MfS rund 200 DDR – Bürger als permanente stabile Kontaktpartner der vorgenannten CIA – Agenten registriert.

Vielen Informanten war durchaus bewusst, dass sie Landesverrat begingen und sich der Gefährdung einer Verfolgung durch den MfS aussetzten. Das ist auch der Grund, warum viele Mitglieder dieser Bewegungen nach der Wende quasi wie Helden gefeiert wurden und in einigen Parteien [ SPD / Bündnis 90 / die Grünen und der CDU ] Karriere machen konnten.

Warum ließ sie der „MfS” in der DDR trotzdem gewähren?

Wieso verschwanden diese vorgeblichen

Friedens – Aktivisten nicht in DDR – Gefängnissen?

Auch diesen Fragen ist der DRSB e.V. gezielt nachgegangen. Die Tätigkeiten der Friedensbewegungen wurden von der MfS / Abteilung HA II als so genannte

Abschöpfungs- und Einflusskontakte

eingestuft. Für den MfS war es also wesentlich interessanter zu ermitteln, welche Kontakte wo und mit welchen Personen aus dem Westen staatfanden.

Aus den Wunschlisten [ Fachjargon: Einkaufslisten ] des CIA konnte man ablesen, welche Informationen vorhanden waren und welche fehlten.

Noch heute kann man in den peniblen Aufzeichnungen der Abteilung HA II nachlesen, wer mit wem, wann und worüber gesprochen hat.

Von Westdeutschland aus wurden die CIA – Kontakte der DDR – Bürger durch die mediale Öffentlichkeit geschützt.

Wer zum Beispiel regelmäßig in den westlichen Medien zitiert wurde, den konnten die DDR – Machthaber nicht einfach in ein Gefängnis verfrachten, obwohl in einigen Fällen justitiable Beweise für Landesverrat vorlagen.

Auch Mehrfachkontakte wurden durch die Abteilung HA II dokumentiert. So soll zum Beispiel nicht nur

Rainer Eppelmann

gleichzeitig zum amerikanischen CIA und zum französischen DGSE rege Kontakte unterhalten haben.

Der französische Geheimdienstler

Jean Louis Depetre

bezeichnete Eppelmann im klassischen CIA – Jargon sogar also

Sprechende Quelle”.

Noch heute erinnern sich ehemalige CIA – Mitarbeiter mit Grauen an die sprechenden Quellen aus dem Osten

Zitat:

„Vertreter der Opposition und der Kirche

ließen sich ausnehmen wie eine gemästete Weihnachtsgans.

Ihre Aufdringlichkeit war manchmal direkt unangenehm.

Wir bekamen buchstäblich alles mitgeteilt.

Eine Schwatzbude, die nichts zuwege brachte.

Wir durften uns dem nicht verweigern”.

Zitat Ende.

Mit dem Fall der Berliner Mauer ging für die verantwortlichen Agenten – Führer aus Langley die unmöglichste Spionage – Amateuraktion in der Geschichte der CIA zu Ende.

Die

Zielscheibe Ostberlin

wanderte in die Archive der CIA, denn oberste Priorität haben immer die aktuellen politischen Implikationen.

Was blieb ist die zutiefst pessimistische Einschätzung, dass außer riesigen Spesen nichts wesentlich Brauchbares dabei gewesen war.

Endlich hatte man in Langley verstanden, dass die USA niemals einen Gegner schlagen können, den sie nicht verstehen oder nicht verstanden haben.

 

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Deutscher Rentenschutzbund e.V.

 

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