Das Wort am Sonntag
Importreligion vom Dach der Welt
02. Mai 2010
Die zurückliegenden Wochen und Monate haben in unserer Heimat das gesamte Ausmaß der Problemfelder der katholischen Kirche offengelegt. Zölibat und Kindesmissbrauch werden zum beklemmenden Dauerthema.
Da verwundert es nicht, dass es Menschen gibt, die in fernen mythischen Kulturen
Versöhnlichkeit, Unabhängigkeit und Gewaltverzicht
suchen. Angeblich soll die religiöse Würde und Weisheit des Buddhismus für gestrandete europäische Seelen das Rezept zur Glückseligkeit liefern.
Es hat schon etwas Spirituelles, wenn die in orange / gelb / rot gehüllten Mönche der Theravada- oder Hinayanaschule morgens in langen Reihen aus den Klöstern schwärmen, um in Tongefäßen ihre Gläubigen aufzufordern, ihnen ausreichend Nahrung zu spenden.
Wer also den Buddhismus als schönes Märchen und Traumbild der Seligkeit erleben will, sollte auf den höchsten Gipfeln des Himalaya den obersten Chef der Buddhisten, den
Dalai Lama
besuchen.
Denn dieser vorgebliche heilige Lama, der in Insiderkreisen auch als Lotus- geborener
Padmasambhava
angebetet und verehrt wird, fällt im Ausland hauptsächlich durch seine derben Scherze sowie durch seine erotischen und wirtschaftlichen Extravaganzen auf. So ist es fast unglaublich mit welcher Hingebung gutgläubige Menschen in unserer Heimat sich den orange / gelb / rot gewandeten
„Gott zum Anfassen”
[ Dalai Lama ]
bedingungslos unterwerfen.
Obwohl in der Grundideologie im tiefsten Mittelalter entsprungen, bedient sich der Dalai Lama modernster Dialektik, Rhetorik und Kommunikationstechnik.
Westliche Gesellschaftsbegriffe, wie zum Beispiel Globalisierung, Humanismus oder Liberalismus kommen dem
„Gott zum Anfassen”
flüssig und ohne jede Hemmung über die Lippen.
Durchleuchtet man die wissenschaftlichen Erkenntnisse von Religionshistorikern, so stellt man sehr schnell fest, dass der so genannte Lamaismus geprägt war von einer feudalistischen Gesellschaft, in der Sklaverei, Leibeigenschaft und Gewalt zum normalen Weltbild gehörten.
Hinzu kam eine sklavische Disziplin und klerikale Hierarchie mit geheimen Riten, magischen Sexualpraktiken sowie ein noch heute ausgeprägter seltsamer Dämonenglaube.
Die Hinwendung einiger Menschen aus unserer Heimat zu dem exotischen Heilsbringer aus dem Himalaya erscheint dadurch wie ein Rückfall in eine Pseudospiritualität.
Die nahezu einfältige, kritiklose Bewunderung des Dalai Lama und seiner obskuren tantrischen Heilslehre des Buddhismus trägt deshalb eindeutig Züge einer gewissen psychischen Verwirrung.
Denn die besondere Stärke der in orange / gelb / rot gehüllten Mönche liegt vordergründig darin, dass sie zwar in und von der Gesellschaft leben, aber nicht Teil dieser Gesellschaft sein möchten.
Distanz ist das Credo.
Dadurch beabsichtigt der Buddhismus den moralischen und ethischen Einfluss der orange / gelb / rot Verhüllten zu dokumentieren, wie auch zu steigern.
Im Gegensatz zu katholischen Mönchen reduziert sich der praktische Wert der orange / gelb / rot Verhüllten dadurch auf ein absolutes Minimum.
Der Nutzwert für den Rest der Gesellschaft beschränkt sich auf die Verkündung des Heilsweges, der angeblichen Wiedergeburt und auf den vermeintlichen Verzicht von weltlicher Macht.
Die obskurantistische Magie auf dem Dach der Welt soll sogar soweit reichen, dass die orange / gelb / rot Verhüllten per Telepathie miteinander kommunizieren.
Für die weltlichen Bedürfnisse der Rest der Menschheit ist da nur noch wenig Platz. Die tantrische Philosophie, dass wenn jeder an sich denkt, an alle gedacht wird, ersetzt weder Solidarität noch ersetzt sie soziales oder kollektives Handeln.
Es überrascht immer wieder wie glühende Anhänger des Buddhismus diese Form der
Selbstverliebtheit und Egozentrik als Weltreligion schönreden wollen.
Den buddhistischen Hobbyheilsbringern und Wirrköpfen in unserer Heimat scheint keine Erklärung zu billig zu sein, den Weg nach
Shambhala
als tantrische – buddhistische Lehre der Erleuchtung und Erlösung den Suchenden zu verkaufen.
Dabei unterschlagen die buddhistischen Hobbyheilsbringer, dass das so genannte
Kalachakra – Mantra
aus dem zehnten Jahrhundert, dem auch der heutige vierzehnte Dalai Lama frönt, den Zustand der Perfektion erst durch die Verwandlung Shambhalas aus einer mystischen Vision in eine erhabene Wirklichkeit, nur durch eine grauenhafte Phase eines kosmischen Zusammenpralls sowie durch menschliche Verderbtheit erreicht werden kann.
Das mit der menschlichen Verderbtheit haben in den zurückliegenden 15 Jahren gierige und charakterlose Banker und Börsianer perfekt umgesetzt.
Lediglich auf den kosmischen Zusammenprall müssen wir wahrscheinlich noch ein bisschen länger warten.
Der Wahn vom Himmlischen Frieden lässt also auf sich warten und wird die Menschen auf der Suche nach
Shambhala
auch in unserer Heimat rastlos durch das Land reisen. Selbst der vierzehnte
Dalai Lama
kann die gesuchte Erleuchtung noch nicht finden. Damit ist aber nicht gesagt, dass es die so genannte
Shambhala
nicht gibt oder sie niemals entdeckt werden könnte.
Die gelegentliche intellektuelle Aufsässigkeit einiger Neubuddhisten führt immer wieder zur schnellen Abkehr von der tantrischen Heilslehre.
Die obskure
Importreligion vom Dach der Welt
ist deshalb kein Glaubensersatz für überzeugte katholische oder evangelische Christen.
Die theologische Interpretation der orange / gelb / rot Verhüllten führt aber Schritt für Schritt zu einer weiteren Vernichtung von Werten in unserer Gesellschaft und entspricht keinem Auftrag des Himmels.
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