„Die Nachwehen der US – Kriege”
Teil 96
Leiser Abgesang auf die USA
07. März 2011
Alle Meinungsumfragen in Westeuropäischen Ländern zum Thema USA sorgen immer für Überraschungen. Nicht nur die meisten Westeuropäer, sondern bereits 57% der befragten Menschen in den USA sind der Meinung, dass ihr Land den Weltfrieden gefährdet. Schon vor vier Jahren hielten 29% der Nordamerikaner ihr Land für die größte Friedensbedrohung. Es kristallisiert heraus, dass selbst die Nordamerikaner eine herausragende Rolle ihres Landes in der Welt anzweifeln. Solche Zahlen hält man in Washington natürlich unter Verschluss.
Dort spricht man viel lieber von der Führerschaft in der westlichen Welt.
Bei diesem Thema beißt man mit zunehmender Härte auf Granit, denn die meisten Westeuropäer wünschen keinesfalls, dass sich die USA als Führer der freien Welt aufspielen. Sollten sie es jemals gewesen sein, so ist spätestens mit der US – Finanz- und Wirtschaftskrise die Wende eingetreten. Die wachsenden Meinungsverschiedenheit und sozialen Spannungen zwischen den meisten Nordamerikanern und ihrer eigenen Eliten färben auch auf Europa ab. Gemessen an ihrem Waffen- und Vernichtungspotenzial sind die USA, rein rechnerisch betrachtet, noch immer die mächtigste Militärmacht der Welt. Faktisch sind sie wirtschaftlich so zerstört, dass selbst die eigenen Wirtschaftsprofessoren kaum noch an eine Rettung glauben. Die feurigen Brandreden zum Thema der wirtschaftlichen Besserung von Barack Obama werden in der Regel milde belächelt. Die Macht der USA schwindet mit Lichtgeschwindigkeit in fast schon allen Bereichen. Die Rolle Chinas, Indiens und auch Russlands als unabhängige und wieder erstarkende wirtschafts- und Militärmächte verändern im rasanten Tempo die ökonomische und politische Welt. Diese unaufhaltsame Dynamik entwickelt sich für die USA zu einem gigantischen Desaster.
Was in Folge dessen unvermeidlich die Frage nach der künftigen Rolle der USA aufwirft.
Nicht nur die Kriege im Irak und Afghanistan zeichnen ein Bild des Versagens von der US – Außenpolitik.
Selbst ein Lächeln von Hillary Rodham Clinton führt die USA nicht zurück an die ultimative Macht.
Ein stetig zunehmender Teil der US – Bevölkerung wünscht, dass sich ihr Land vor allem den eigenen Problemen zuwendet – statt überall uns immer den Weltpolizist zu spielen.
Mit den USA von heute ist etwas nicht mehr in Ordnung.
Arbeitslosigkeit in fast allen Branchen, prekäre und schlecht bezahlte wackelige Billig – Jobs sowie die explodierende soziale Ausgrenzung gesamter gesellschaftlicher Gruppen haben das Land weich geklopft. Als größten Weichklopfer hat man den verstorbenen Professor aus Chicago,
Milton Friedman
und seine willfährigen Jünger ausgemacht. Zur Rechenschaft kann man Milton Friedman nicht mehr ziehen – aber von seinen Fehlern und Fehleinschätzungen könnte man lernen – wenn man will. Bedauerlicherweise ist dieser notwendige Wille kaum erkennbar. In den zurückliegenden 10 Jahren hat die USA gedankenlos Zeit verloren, indem man exorbitante Schulden anhäufte, andere Länder finanziell ausbeutete und gegen die bösen Geister der Al – Qaida kämpfte.
Einmal abgesehen von den Feldzügen zur Ausbeutung von Bodenschätzen.
Statt muskelspielend Großmacht zu simulieren – sollte man sich auf die Lösung der eigenen inneren Probleme konzentrieren. Der Verfall eines Imperiums ist immer mit dem Versagen seiner Eliten verbunden und für den Rest des „Volkes” häufig eine schwere Last. Die US – Eliten, darunter natürlich die Finanz – Gurus haben erkennbar versagt und dem Land jegliche Dynamik genommen. Eine gemeinsame programmatische Betrachtung der Fehlleistungen gibt es nicht. Eher schon eine Erstarkung der gegenseitigen Schuldzuweisungen. Einzig und allein in einem Punkt sind sich Republikaner und Demokraten einig;
Aufrechterhaltung des Weltleaders USA.
Ganz offensichtlich haben selbst die weitsichtigsten Vertreter der US – Eliten noch nicht erkannt, dass ihr Land auf dem absteigenden Ast sitzt. Die USA werden lernen müssen, dass zahlreiche andere Länder die Chancen und Vorteile in der Welt besser zu nutzen wissen.
Bedingungslose Hegemonie ist dazu völlig ungeeignet.
Die große Kunst, Dinge möglich zu machen ist in Washington abhanden gekommen. Der
Der gute Geist New Yorks begeistert nicht mehr.
Hollywood ist ausgebrannt und
in Detroit spürt man den Atem des industriellen Niedergangs.
Die Mächtigen in den USA glauben die Welt zu kennen – doch es ist genau anders herum – die Welt kennt die USA immer besser. Man kann seit der US – Finanz- und Wirtschaftskrise die vermeintlichen Stärken und die tatsächlichen Schwächen der Nordamerikaner viel besser einschätzen.
Der gute Geist New Yorks begeistert nicht mehr.
Die Euphorie der Allmacht der USA
ist deshalb einer Mitleidshaltung gewichen.
Die exponentiell anwachsende Enttäuschung der Menschen in den USA über das Versagen der traditionellen US – Eliten wird früher oder später zur Anpassung der Ansichten – zumindest eines Teils der Eliten – mit der Bevölkerung führen. Die unbestreitbare Stärke der meisten Menschen in den USA ist der robuste Umgang mit Niederlagen sowie der Wille zum Überleben. Hierin liegt die Chance der ehemaligen Weltmacht ihren gerechten Platz in der Gemeinschaft der Staaten zu finden.
