Das Wort am Sonntag
Geld – Welt in Angst?
27. November 2011
Massive Proteste gegen die Weltbank und gegen den Weltwährungsfonds sind meistens sachlich fundiert. Nicht immer wurden die Proteste friedlich vorgetragen. Denn bereits drei Monate nach der Gründung des DRSB, Ende September 1988, liegt ein Fluch über der der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds [ IWF ] und der Weltbank, die das geteilte Berlin als Ort des internationalen Austausches ausgewählt hatte. Die Finanzminister, Notenbanker und Topmanager von Geschäftsbanken aus den 151 Mitgliedstaaten des Internationalen Währungsfonds kamen nach Berlin. Der damalige regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen – war wie sein Senat – von dem gigantischen Finanz – Spektakel begeistert. Doch über allem Glanz und Glamour dieser Geld – Welt lag eine bedrückende Angst, denn in Hamburg stürmten aufgebrachte Protestler eine Podiumsveranstaltung, die über die Politik des Währungsfonds diskutieren wollte. Im Herbst 1988, Anfang September, wurden 25 Fahrzeuge von Siemens in Brand gesetzt. Parallel dazu brannten mehrere Berliner Banken. In einem nicht identifizierten Bekennerschreiben hieß dazu
Zitat:
Im Rahmen unserer Vorbereitungen zur
IWF- und Weltbanktagung haben wir bei drei Großbanken flammende Grüße hinterlassen.
Zitat Ende.
In Bonn beschossen Unbekannte das Fahrzeug von Finanzstaatssekretär Hans Tietmeyer mit Schrotladungen. Hans Tietmeyer überlebte den Anschlag nur durch Zufall. Finanzstaatssekretär Hans Tietmeyer war damals, nach Finanzminister Gerhard Stoltenberg und nach Bundesbankchef Karl Otto Pöhl, der wichtigste deutsche Vertreter in den IWF- und Weltbankgremien. Die vorgenannte Schilderung zeigt, dass brennende Fahrzeuge in Berlin und Banken in Flammen kein neues Szenario in unserer Heimat sind. Denn demnächst wird höchstwahrlich der wachsende Widerstand gegen das Geldkartell andere Formen annehmen können. Dann haben wir auch in unserer Heimat Proteste mit einer völlig anderen Qualität.
Die Menschen in unserer Heimat, die Bürger Europas nahmen das Wirken des IWF- und der Weltbankgremien bis zum Ausbruch der letzten US – Finanz- und Wirtschaftskrise kaum richtig zur Kenntnis. Das Wirken dieser Weltorganisation blieb für die meisten Menschen stets unverständlich und vollkommen undurchschaubar. Man kannte noch nicht die Agenda 2010 und keine steuerfinanzierten teuere Rettungsschirme und zumindest in Westeuropa herrschte noch der Wohlstand im Mittelstand vor.
Not und Elend,
dass durch den IWF- und durch die Weltbank verursacht wurde, war in Westeuropa unbekannt. Frust, Verärgerung, Empörung und Wut gegen den IWF und die Weltbank entluden sich immer nur dort, wo diese zu hinterfragenden Weltorganisationen für Hunger und Elend verantwortlich gemacht wurden, weil sie mit politischen sowie wirtschaftlichen Zwangsauflagen die
„Sanierung“
von in Finanz- und Zahlungsnöte geratenen souveränen Staaten erzwingen wollten.
Solche Elendsprozesse und Notszenarien waren in der EG oder der sich bildenden EU
bis dahin unbekannt.
Alles schien wirtschaftlich möglich
und niemand erkannte zu diesem Zeitpunkt die versteckt
lauernden Gefahren.
Man hatte also keinen erkennbaren Grund, sich über den IWF oder über die Weltbank aufzuregen. Und doch war 1988 die Geld – Welt in Berlin, die Geld – Welt in London, Paris, Rom, Madrid und New York in Angst.
Warum wohl?
Wusste man schon damals was zur Wohlstandseindämmung in unserer Heimat und für Westeuropa geplant wurde? Wenn man die Entwicklungsgeschichte genau durchleuchtet, dann fällt sofort auf, dass der IWF sowie die Weltbank bereits 1988 heftig umstrittene Organisationen waren. Lediglich die Medien hielten die europaweiten Ablehnungen unter der Decke. Worüber man nicht berichtet – das findet quasi auch nicht statt. So dachte man damals und so denkt man noch heute im Kreise der Medienvertreter. Obwohl schon 1988 für viele kritisch klar Denkenden der IWF und die Weltbank die wahren Verbrecher der Weltwirtschaft waren, die vorsätzlich gegen die ökonomische Vernunft und den Massenwohlstand agieren.
Denn wie kann es sein, dass in den
zurückliegenden fünf Jahren rund 860.000 Millionäre
in unserer Heimat ihr Vermögen vergrößern konnte, während
die schweigende Mehrheit – von Monat zu Monat – immer mehr
Geld- und Vermögensverluste hinnehmen muss?
Damals wie heute geben Kriminalbeamte der Bundes- und Landeskriminalämter den Topbankern Ratschläge zum Verhalten in der Öffentlichkeit und Personenschützer versuchen das Leben der Finanzakteure zu schützen.
Viele deutsche und amerikanische Topbanker und Fondsmanager sagten im Jahr 1988 die geplanten Berlin – Reisen ab, denn schon 1988 war die
Geld – Welt in Angst.
25 Fahrzeuge und drei Banken in Flammen schien damals Grund genug zu sein nicht nach Berlin zu fahren. Die autonome Szene in Europa skandierte damals
Zitat:
Verhindern wir den Kongress – alles ist möglich, alles ist nötig.
Zitat Ende.
Nun scheint es als holen uns die Geschehnisse aus dem Jahr 1988 wieder ein, denn durch die US – Finanz- und Wirtschaftskrise im Zusammenwirken mit der Agendapolitik gibt es überall in unserer schönen Heimat Frust, Verärgerung, Aufregung und Widerstand. Die linke wie auch die rechte autonome Szene rüstet auf, denn es gab in den letzten Jahren zu wenig an zugkräftige Themen. Man sammelt heute Informationen über Bank- und Finanzakteure und selbst die Manager aus der Assekuranz stehen im Hassfokus. An manchen Orten ist schon die Kampfparole von der
MÖDERISCHEN VERNICHTUNGSTRATEGIE
zu hören, wenn man despektierlich von der Agenda 2010 spricht. Langsam wächst auch die Erkenntnis, dass die Manager und Mitglieder des IWF und der Weltbank für
Mangelernährung, hungerbedingte Krankheiten und Kindersterblichkeit sowie für Not und Elend in unserer Heimat indirekt verantwortlich sind. Mit sinnlosen Argumentieren oder Protesten will man sich allerdings scheinbar nicht mehr begnügen. Die Wut scheint im Untergrund zu kochen und in welcher Form Angriffe erfolgen sollen, mit Worten oder vielleicht auch mit Waffen, bleibt bedauerlicherweise dem DRSB vorenthalten. Für reichlich anheizende Parolen, die kräftig die Stimmung aufputschen, hat die Anti – Agenda – Szene bereits gesorgt. Und die LINKE ist bereit in die Tiefe gegangen [ siehe neues Programm ] und will nicht ohne Trophäe vom Acker machen. Ohnehin wird das Kneifen vor dem Einhalt der Sozialvernichtung der SPD angelastet, sodass man nur noch darauf wartet, dass der bekanntlich neoliberale Peer Steinbrück den Kanzlerkandidaten spielen darf. Schon jetzt werden offensichtlich die Parolen vorbereitet – wie zum Beispiel:
Stoppt das mörderische Weltwirtschaftssystem.
Seit Monaten bereitete die linke und rechte Szene auf das Signal zum Lospreschen vor. Bürgermeister, Landräte und Polizeichefs ahnen längst, was ihnen blühen kann.
Schon monatelang versuchen Polizei und andere Sicherheitsbehörden potentielle Gewalttäter in unserer Heimat ausfindig zu machen. Aber wie will man präventiv tätig werden, wenn Hartz IVler und jetzt schon 10 Millionen Leiharbeiter sowie von Altersarmut betroffene rund 7 Millionen Rentenbezieher immer öfter sozial ausgegrenzt werden? Möchte man geschätzte 25 Millionen Bürger zu Revoluzzern erklären? Wie möchte man 25 Millionen Menschen an massiven Protesten hindern.
Augenlicht ausschießen, wie in Stuttgart?
Zusammenschlagen wie an vielen Orten in Deutschland? Will man die Frontstadt Berlin dann völlig abriegeln? Denn unter Beschuss stehen nicht nur die Agenda 2010, Hartz IV oder der Riesterwahnsinn, sondern viele unnötige andere unsinnige Zwangsmaßnahmen.
Der IWF oder die Weltbank ist für immer mehr Menschen in Europa eine Art geheime Weltregierung geworden, die über die regionalen Notenbank und die Ratingagenturen die Politik in der Welt bestimmt. Diese vollkommen
gesichtslosen Personen
hinter den glänzenden Fassaden der Wolkenkratzer, diese
Technokraten der Macht,
maßen sich in den Augen von immer mehr Europäern an, über Benzin-, Handels- und Lebensmittelpreise, über die Kosten der Krankenversorgung und über die Schulausbildung in souveränen europäischen Staaten zu bestimmen.
Wie lange noch sollen die Gesichtslosen
politische Macht ausüben, ohne jemals ein gültiges politisches Mandat zu besitzen?
Seit dem die EU – Staatsschulden ins Unvorstellbare gestiegen sind, wird das künstliche Netz der Geldbeziehungen immer rissiger, sodass die gesamte Geld – Welt berechtigt in panische Angst verfällt. Denn die lächerlichen Rezepte der Rettungsschirme führen direkt ins nächste Desaster. Bei uns werden aller Voraussicht nach die Agenda 2010, Hartz IV und der Riesterwahnsinn die zivile Staatsführung weiter unterminieren und die soziale Krise zur Explosion bringen. Dadurch wird letztendlich der institutionellen Rahmen und damit die demokratische Ordnung unseres Landes in Frage gestellt. Griechenland gefährdet als erstes Euroland diese politische und wirtschaftliche Ordnung. Banken und Versicherer werden in Insolvenz getrieben und gutgläubige Sparer bleiben ohne jeden Euro auf der Strecke. Möglicherweise haben die LINKEN die Grundzüge einer neuen Währungs- und Wirtschaftsordnung für die Zeit nach der US – Finanz- und Wirtschaftskrise im Rohentwurf geliefert. Die Garanten dieser neuen Wohlstandsordnung werden dann vermutlich nicht mehr CDU / CSU, GRÜNE oder SPD heißen. Unser Sozial- und Wirtschaftssystem, das fast 62 Jahre lang gehalten hatte, wird in den kommenden Wochen dem härtesten Belastungstest ausgesetzt. Zeit mit Rettungsschirmen zu gewinnen verhindert keinesfalls, dass ein Bankencrash wie in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Weltwirtschaft in die Katastrophe reißt – das zeichnet sich immer deutlicher ab. Es nützt also wenig, mit reichlich gepumptem Geld marode Volkswirtschaften zu subventionieren, die viel Geld verdienen müssen mit Gütern, gegen die sich andere Staaten mit Handelsbarrieren erfolgreich zur Wehr setzen oder diese Güter erst gar nicht benötigen. Es war schon 1988 der weitsichtige Bankmanger
Alfred Herrhausen,
der mit sehr viel politischem Gespür öffentlich – die damals wie heute – schreckliche Worte vom
Forderungsverzicht und von der Kreditsperre
für Staaten aussprach. Der damalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank tat es auf einer IWF – Jahreskonferenz und wurde danach von seinen „Kollegen“ auf das Schärfste angegriffen. Nach der Ansicht von Alfred Herrhausen waren Politiker nur dadurch zur Finanzdisziplin zu bewegen. Griechenland und demnächst Italien werden zeigen, dass diese schlichte Erkenntnis von Alfred Herrhausen wirtschaftlich Sinn macht und nur „so“ zur Gesundung der Staaten führen wird.
Übrigens – nur als Denkanstoß:
Schon 1988 sprachen die Protagonisten vom IWF und von der Weltbank von finanziellen
RETTUNGSRINGEN und wirtschaftlichen FESSELN.
Notleidende Staaten [ hauptsächlich Drittländer ] konnten sich bereits damals unter einem Rettungsschirm mit der Bezeichnung
SDR / Special Drawing Rights
[ Sonderziehungsrechte ]
flüchten. Auch damals war die Kreditvergabe mit drakonischen wirtschaftspolitischen Auflagen verbunden. Eurobonds oder vergleichbare Instrumente [ SDR etc. …] sind also keine Erfindung unserer Zeit. Ein SDR entsprach 1988 dem Wert von 2,42 DM / Deutsche Mark. Die gezeichneten Mitgliedsanteile beliefen sich 1988 auf rund
140 Milliarden US – Dollar
und wurden aus den Preisen für 34 Rohstoffe – bereinigt um die Preise der von den Industrieländern in die Entwicklungsländer exportierten Produkte der verarbeitenden Industrie sowie von den Wechselkurseinflüssen – berechnet. Bei solchen komplexen Berechnungsformeln bekommen die meisten Menschen höllische Angst.
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